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Keine Börse mehr!
Der spontane Versuch einer Kopplung von "Reclaim the
streets" und "Reclaim the media".
Der große naive Plan: am Samstag, den 1. September
laden wir die Leute ins ***-Hotel und feiern die Party gegen
die Ökonomisierung der Stadt. Wir dekonstruieren die
technisch pseudo-hochgerüsteten "Superior-Rooms"
und Normalisieren die Situation, ziehen alles auf die Ebene
des Survivalism runter. Es hätten sich mehrere Freunde
angesagt, manche wollten zum Duschen kommen. Ich freue mich
schon auf das Frühstück morgen.
Zum Einchecken um ca. 15:30 im Forum Hotel: die Dame an
der Rezeption bittet um die üblichen Formalitäten.
Das Zimmer ist im 27. Stock, Nr. 10, mit Blick auf den Fernsehturm.
Ich muß im voraus bezahlen. "Ich habe da leider
meine Direktiven." Sie steckt die EC-Karte professionell
in den Schlitz, wir warten... "Keine Verbindung".
Ich wußte es. "Jetzt muß ich mal ganz doof
fragen, ist das ihr richtiger Name, Schmidt? Weil auf der
Karte ein anderer steht." "Das ist mein Künstlername",
sage ich. Wir probieren es nocheinmal. "Es tut mir
leid, Herr Schmidt, daß das jetzt so lange dauert.
Dann: "Zahlung Nicht Möglich" - steht auf
der Quittung. Ich ertrage es mit der Fassung eines professionellen
Schauspielers. "Jetzt cool bleiben", meinte Andre*
noch zu mir.
Ich verlasse die Hotellobby, gehe durch das Gedränge
im Burger King nach draußen auf den Alex, es ist sonnig.
Eine junge Frau spielt Joan Baez-mäßig Gitarre.
Ich mache noch ein paar Videoaufnahmen vom Forum Hotel.
Einer verkauft mir eine Obdachlosenzeitung für 2,-
mit "Aber auch lesen!". Am Kiosk kaufe ich die
Financial Times und die Titelkzeile: "Börsen brechen
... ein". Paßt doch! Konzeptwechsel. Kein Geld,
um das Hotelzimmer zu bezahlen ist assoziiert mit der kommunistischen
Maximalforderung KEINE BÖRSE MEHR! Dann fahre ich mit
der U2 wieder nach Osten. Der Sommer ist vorbei.
"Die Leute sind vor allem am Raum interessiert.",
sagt Klaus*. Und, daß heute abend Deutschland-England
spielt (der Klassiker) und daß es um die WM-Qualifikation
geht. Jenny hätte mir eventuell das Geld geliehen.
Das Handy klingelt. "Du machst 'ne schicke Party?"
Als er erfährt, daß sie verlegt wurde, will er
nun doch nicht mehr kommen. In Orte kann man also nicht
nur sein Symbolisches Kapital anlegen, sondern Locations,
Spaces und Räume werten das Individuum auch auf. Die
banale Weisheit. Der exklusive Raum bleibt exklusiv, aber
kaufbar. Das war der spontane Versuch einer Kopplung von
"Reclaim the streets" und "Reclaim the media".
to be continued!
*Alle Namen von der Redaktion geändert.
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