|<----- Breite: 72 Zeichen - Type fester Weite: Courier New, 10 ------>| (Ein zu entwickelndes) Oekonomisch politisches FQA* zur Piratenpartei 1.0 Antworten und Fragen von gesellschaftlichen Zielen Die "Piraten" wollen nicht den Staat abschaffen! Patente wurden fuer den Innovationsanreiz geschaffen. The Pirate Bay ist gut, und gut. Wir sind gegen Markenpiraterie! Geld stinkt nicht, auch wenn es braun ist. Update, Upgrade, Aktualisierung! Das ist der neue dritte Weg. Diebstahl ist Eigentum. 9.723.127 seeders can't be wrong. Die Generation C64 geht der Politik verloren. Pirates of the Internets - Unite! Das ist die Digitale Klasse von 2010. Das ist eine Insel, die global wird. Das Internet ist universal und Freiheit universell. Waehlen gehen! Die Nation ist fuer oder gegen Piraten. Das hat mit dem allgemeinen Verstand zu tun. Das Netz ist generativ. Wir schaffen es, dass Linke, Aufgeklaerte und kritisch Denkende an den Parlamentarismus glauben. Die Moral ist auf unserer Seite. Die Kopie ist Menschenrecht. Infrastruktur, Infrastrukur, Infrastruktur. ... Die "Piraten" wollen nicht den Staat abschaffen! Die "Piraten" (P) wollen die gesellschaftliche Ordnung, bestehend aus Lohnarbeit, Enteignung der Produzentinnen und Handel, und das dazugehoerige politische System nicht 'abschaffen'? Spricht das Parteiprograemmchen -- in der quasi Proudhon'schen Manier des Hasses gegen boese Firmen und der Verwirklichung des gerechten Lohns -- nicht von "kuenstlichen Monopolen", die abzubauen seien? Erstens, was sind nicht-kuenstliche Monopole und zweitens, was ist die vorgeschlagene Alternative (die man auf den Webseiten der P so schnell nicht entdecken kann)? Etwa das natuerliche Staatsmonopol? Die Rede ist dann vom "glaesernen Staat" statt glaesernem Buerger, nicht wahr? Eine konkrete Vorstellung, wie dieser durchsichtige Staat der Transparenz (der politische, der oekonomische?) aussehen koennte, wird wohl nicht gegeben? Ist Transparenz nicht auch das Zauberwort aller glaesernen Fabriken (etwa fuer den Phaeton von VW), die als Showcase zeigen, wie der polierte Arbeitsablauf vom Einzelteil bis zur fertigen Luxusware eben ablaeuft? Schueler in Lernfabriken, werden sie nicht taeglich damit traktiert? Denn ist, solange alles transparent, also einsichtig erscheint, jeder disziplinaere Terror recht? Wird hier Transparenz nicht gerade *nicht* in einem globalen, also politisch umfassenden Sinn behandelt? So, wie Transparenz von den dystopischen "Blackout Europe" Aktivisten[1] in ihrer Kritik am EU-Parlament (in welches die P 2009 gewaehlt wurden) aufs "Telecoms Package" reduziert wird? Eine Partei oder Clique, die zugleich parlamentarisch und ausserparlamentarisch sein will? Wo gibt es noch weisse Flecken ohne dieses faule Partei-Ei? Auf der Internetseite[2] "Piratenparteien Weltweit" kann man sich da anschauen, wo diese glaesernen Staaten der Zukunft mit einer Partei der Piraten ueberall liegen? Sind es momentan nicht mehr oder weniger genau die entwickelten Industrie-Nationen, des amerikanischen Kontinents, die EU-Laender, Suedafrika, Russland, Japan? _________________________ [1] "[...] vergiss nicht, am Sonntag, den 07. Juni 2009 das richtige Kreuz bei der Europawahl zu setzen." http://www.blackouteurope.eu/lang/deutsch/main.html [19.06.2009]. [2] Grau: nicht nichts, aber unklar; Rot: beinahe piratisch; Blau: aktiv; Schwarz: "Registrierte Piratenpartei" -- eine interessante, die klassische Farblogik leicht verkehrende Ordnung. Das anarchisch Schwarze ist das Registrierte, wobei das Graue das noch unbestimmt dumme Unpiratische ist. Vermutlich gibt es am Horn von Afrika, dort wo laut piratenpartei.de noch alles grau ist, mehr Piraten als im tiefschwarzen Deutschland. Oder sind die artifiziellen Monopole die eigentlichen Piraten? http://piratenpartei.de/navigation/partei/piratenparteien-weltweit [19.06.2009]. Patente wurden fuer den Innovationsanreiz geschaffen. Ja? War das so? Oder war es umgekehrt? War nicht erst die Innovation da und dann der Diebstahlschutz? Nein? Ganz schoen potent diese Patente, was? Eine Idee kann eine ganze Wirtschaft in Gang bringen. Gegen patente Patente ist also nichts zu sagen? Sie muessen nur befreit werden, aus ihrer Zwangsjacke, die ihnen von kranken Grossverdienern angelegt wurde? Aber gegen ein bisschen Generalueberholung[1] ist nichts zu sagen. Ist, wenn "Wir [...] Patente auf Lebewesen und Gene, auf Geschaeftsideen und auch auf Software einhellig ab[lehnen], weil sie unzumutbare und unverantwortliche Konsequenzen haben, weil sie die Entwicklung der Wissensgesellschaft behindern, weil sie gemeine Gueter ohne Gegenleistung und ohne Not privatisieren[2] und weil sie kein Erfindungspotential im urspruenglichen Sinne besitzen" das Patent angegriffen oder seine Ins-Recht-Setzung, also das Gesetz? Oder wurde damit der Angriff auf die "Wissensgesellschaft" angegriffen oder wird die Privatisierung angegriffen? Sind Lebewesen, Gene, Geschaeftsideen und Software das Gleiche oder sind davon Panzer und Broetchen ausgenommen? Wo faengt das Monopol eigentlich an? Beim Patent auf eine Software im Broetchen oder schon beim Backofen? Ist nur urspruengliches Erfindungspotential gutes Gut und ist das Patentrecht nicht auch eine Erfindung, da sie ja einmal "geschaffen" wurde? Wieso ist Software ausserdem ein gemeines Gut, sprudelt es wie Oel aus dem Boden, ist es wie Luft in der Umwelt oder Wasser aus der Quelle, die Grossstaedtern und Landbewohnern laengst enteignet wurde? _________________________ [1] http://piratenpartei.de/navigation/politik [20.06.2009]. [2] Welche Konsequenzen? Ist der Wasserhahn im Slum von Berlin (demnaechst) auch dem Thema Patent wuerdig? Darf man mit Not privatisieren? Wenn ja, dann waere dies wie das Naturrecht des Fruehkapitalismus (John Locke) -- wer notwendig privaten Reichtum schafft ist natuerlich gebunden an seine Beduerfnisse, nur wer unnatuerlich rafft, gilt als boese. Monopole sind deshalb unnatuerlich, weil sie nicht mehr notwendigen privaten Reichtum schaffen. Nut gutes, maszvolles Kapital geht in Ordnung. Privater Reichtum gehoert dann, wenn er natuerlich ist, zur Grundverfasstheit menschlichen Existierens. Der Mensch, vor allem natuerlich der oekonomisch erfolgreiche, ist untrennbar mit diesem Recht zum Reichtum verbunden. Diesen guten Naturrechtstyle pflegen in der BRD z.B. die Familie Mohn (Bertelsmann), ohne viel Aufsehen und ohne Neureichprozerei wird Kapital und Politik gemacht, alles ganz sozial als Stiftung. Den zu dieser Selbstlosigkeit noch nicht bekehrte "Uncle Srooge" (Onkel Dagobert), der auf seinem Geld hockt und im Geldspeicher baden geht, wird die Piratenpartei noch eines Besseren belehren. Aber nur, was Daten angeht. "Information has to be bezahlbar free", Broetchen sind weiterhin keine Daten. Wir sind gegen Markenpiraterie![1] _________________________ [1] http://jungle-world.com/artikel/2009/25/35304.html [18.06.2009]. Die Marken sind laut "Piraten" "Verbraucherschutz"; schmeckt die Cola nicht, gebe ich sie an Cola zurueck. Konsequenterweise muessten die "Piraten" die Kampagne von eBay fuer freien Onlinehandel ohne Einschraenkung des Verkaufs von Markenware unterstuetzen*, da ja so gewaehrleist wird, dass es sich um eine Marke handelt. Aber da wirds komplex, denn der Handel per Ebay ist ja sehr oft privater Handel, also von Konsument zu Konsument und nicht Haendlerhandel. Und diese Nicht-Haendlerhaendler sind zur Ruecknahme von Ware nicht gezwungen. Somit bueszt die Ware ihren Markenschutz oder ihre Schutzmarke ein und der Verbraucherschutz ist auch dahin. Darum muesste logischerweise die piratenPartei nun doch nicht die Kampagne von eBay fuer freien Onlinehandel ohne Einschraenkung des Verkaufs von Markenware unterstuetzen, da der Handel mit Marken auf/per/via/mit Ebay von Privaten, die mit Marken aber nicht mit Warenruecknahme handeln, gar kein echter Markenhandel ist und der Markenschutz und der Schutz der Marken hier nicht zutreffen. Oder geht es um das Marken-Image der Marken, den soften Gebrauchswert, die Imagination einer echten Marke? Was ist mit der Marke pirateBay? Der Onlinehandel muss gestaerkt werden! * http://www.heise.de/newsticker/eBay-startet-Online-Petition-gegen-Handelsverbote-auf-der-Auktionsplattform--/meldung/141628 [08.07.2009]. The Pirate Bay ist gut, und gut. Singt im Film _Steal this film_ nicht Can "Why must I be the thief?"[1] Was ist das fuer ein Verhaeltnis? Hat textz.com (erwaehnt im Abspann als Sebastian Luetgert, Film und Godard-Fachmann ;) ) The Pirate Bay schlecht beraten? Der liebe Gott wirds uns nicht sagen, warum wir Diebe sein muessen. Es gibt kein allgemeines Recht auf Diebstahl. Das Recht zu stehlen (zum Beispiel Lebensarbeitszeit) hat im Kapitalismus nur der Gewaltinhaber, das ihm per Gesetz und dem dahinter stehenden Gewaltmonopol (ist dieses kuenstlich?) zugesprochen wird. Dieses 'natuerliche Recht' -- das in der Neuzeit unter dem Zwang der oekonomischen Entwicklung geschrieben wurde, im Zuge derer die Verhaeltnisse von Produktion und Tausch vom Restfeudalen und Patriziertum befreit wurden -- gilt den Neo-Piraten als Monopol. Wer begehrt hier auf? Urheberecht, Patente -- verstanden als Diebstahl, weil Privatisierung von Wissen -- seien aber im 20./21. Jahrhundert inflexibel geworden, wuerden nur noch zur Blockade konkurrierender Firmen eingesetzt, bremsten die Forschung[2] und muessten wiedereinmal "befreit" werden. Das hat also dann einen "stimulierenden Einfluss auf die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft"[3]? Ist das der zu Wort gekommene Widerspruch von potentieller (oder sollte man mit allen Internet-Spezialisten im Bundestag/Reichstag von virtueller) Produktivkraft (sprechen?) und tatsaechlicher kapitalistischer Produktionsweise? Sprengkraft. Auch wenn in der Schlusssequenz des nie zu stehlenden Films[4] alles in Zeitlupe explodiert und die Karten danach vielleicht neu gemischt werden sollen, wer mischt sie? Zum Verhaeltnis von Piraten und Neo-Piraten muss an dieser Stelle noch mehr folgen. Zum negativen Kult der Kriminalisierung durch die Kriminalisierten selbst ebenfalls. Kennt jemand den zweiten Teil/die zweite Version von _Steal this film_? Wird darin die Passage, in der zuerst eine Villa explodiert, also wird die -- wenn bei Antonioni auch romantisch verklaerte -- revolutionaere Gewaltfrage nicht 'unterschlagen'? Bleibt es beim abstrahierten Kuehlschrank, der mit seinem Inhalt (Toastbrot, Huehnchen) in die Luft geht, weil das dem, von Antonioni ironisierten[5], Traum von der Hippie-Utopie besser entspricht? Versucht The Pirate Bay diese Utopie vom Befreiungsschlag gegen den schlechten Konsum wieder einzuholen und zu verjuengen? Oder ist es Zitat und kritische Referenz? Was oder wer bringt die Warenwelt zur Explosion? Jedenfalls, ueber die Server von http://thepiratebay.org finde ich nicht immer das, was ich brauche,... aber gut. _________________________ [1] "Oh Lord, please won't you tell me / Why must I be the thief". Von Veroeffentlichung _'DELAY' 1968_, aufgenommen 1968/69, veroeffentlicht (1981). Malcolm Mooney sang damals, heute ist er kein lyrischer Dieb mehr, sondern Professor fuer Kunst am Wentworth Institute of Technology-Boston. (http://www.malcolmmooney.com/bio4.html) [20.06.2009]. [2] "Patent-Realitaet" http://www.piratenpartei.de/navigation/politik/patente [20.06.2009]. [3] "Was wollen die PIRATEN?" http://www.piratenpartei.de/navigation/politik/politik-faq [20.06.2009]. [4] Weil er unentgeltlich nur gegen DSL und Laptop und Strom herunterladbar ist und nur einige Passagen aus Michelangelo Antonionis Film _Zabriskie Point_ (1970) wirklich (wirklich?) gestohlen erscheinen. In der Schlusssequenz dieses Films schreit Roger Waters in "Come in number 51, your time is up" (1969) von Pink Floyd als ewiges Konsumopfer; 10 Jahre spaeter schreit Waters immernoch, auf _The Wall_. We don't need no Copyright ... damm da damm, di daa dammdamm ... We don't need no thought control [5] In _Zabriskie Point_ waelzen sich Liebende im Dreck der trockenen Wueste des Death Valley am Viewpoint "Zabriskie Point", einer bizarren andersartigen Mondlandschaft mitten auf der Erde, in die man ueblicherweise nur touristisch hineinschaut. Das Moment der Aneignung und Umsetzung einer Utopie ist wie ein nicht mal schlammiges Woodstock'sches Faszinosum. Geld stinkt nicht, auch wenn es braun ist. Ist die Piratenpartei nicht die Piratenbucht? Um Verwechslungen vorzubeugen: Ist ein Auto ein Server, der von Carl Lundstroem bezahlt wurde?[1][2][3] Geht es Dir ums Dissen, Susi? _________________________ [1] http://www.flickr.com/photos/cribbzter/3553989617 [20.06.2009]. [2] http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,480972,00.html [06.05.2009]. [3] http://zuender.zeit.de/2008/15/interview-peter-sunde?page=3 [20.06.2009]. Update, Upgrade, Aktualisierung! Nein, es geht mir nicht nur ums Dissen. Es geht um die neue liberale digitale Welle, wie sie mit dem Film _23_ (etwas ueber-)illustriert verschwoerungstheoretisch wurde und mit Wau Hollands alternativem Unternehmertum sich eben _unternehmerisch_ gab.[1] Die Richtung dieser Welle, auf der Piratenschiffe systemisch surfen, scheint sie nicht eine anti-materialistische zu sein, die auf eine Art Dienstleistungsgesellschaft setzt in der Art "der Strom kommt aus der Steckdose"? Also, kann man sagen, dass diese Leute mit einer Anschauung der Zusammenhaenge arbeiten, die politisch stark fokussiert ist auf den Konsum, die Distribution und die Produktion nur den Konzernen zuspielt und diese auch noch als ledigliches Profitproblem? Profit boese, Umsatz gut. Das predigte schon der Animateur Padeluun auf der Cebit vor 15 Jahren(?). Wir finden das gute vom schlechten Kapital getrennt. Padeluuns dem CCC-nahestehendne Botschaft war: Bitte verdient nur ehrliches Geld. Antimaterialismus, obwohl den Pirate Bay-Leuten und den Piraten Parteigaengern klar sein muesste, dass Server und Leitungen gigantische Materialmengen bedeuten, deren Entwicklung auf Generationen der industriellen Fertigung zurueckgeht. Konzentrieren sie die Frage nicht nur naiv, sondern eben libertaer und buergerlich auf den Willen zur Idee (Deutschland war 2006 glaube ich ein ganzes "Land der Ideen") und der Kunst, die sich daran anschliesze?[2] Ist damit nicht Frage des General Intellect beruehrt?[3] Zitat von Peter Sunde (Mitbegruender von The Pirate Bay): "Die Kulturindustrie muss eben neue Wege finden, um mit ihren Produkten Geld zu verdienen. Zum Beispiel koennte man Leute fuer eine monatliche Gebuehr alle Filme herunterladen lassen, die sie sehen wollen. Der Konsument bezahlt dann nicht mehr fuer den Film selbst, sondern dafuer, dass ihm dieser unkompliziert und in guter Qualitaet zur Verfuegung gestellt wird. So ein Angebot faende ich super." (http://zuender.zeit.de/2008/15/interview-peter-sunde?page=2 [20.06.2009]) Hat The Pirate Bay irgendetwas gegen Tausch einzuwenden? Gegen Geld und Bezahlsysteme sind sie jedenfalls nicht, solange diese "unkompliziert" sind, oder? Stammt ihre kleine Ideologie aus ihrer schwedisch abgesicherten Sozialisierung? Aber es geht eben auch um die Koalitionen, die heimlichen und die offenen. Wenn die Computer-Piratenbucht wie eine Landkommune in den 1970ern (wirklich und konsequent) von der Insel traeumt, wo sie den BitTorrent-Service ungestoert aufziehen kann, dann stinkt kein Geld. Aber, obwohl es ja keine moralische Farbe hat, das Geld, ist die politische Art der Finanzierung doch immer interessant. Ist es nicht interessant, wer sich fuer diese, wenn man so will linke Aktualisierung der buergerlichen Ideologie unterstuetzend interessiert? Ist es eine Aktualisierung? Kann es eine sein, die links ist, weil sie sich gegen Profite positioniert, aber eine die auch buergerlich ist, weil sie sich lediglich dagegen wendet und nur bessere Formen des Tauschs und seines rechtlichen Regelung[4] aufbauen helfen will, sich also gegenueber Reformern nicht abgrenzt? Oder hat das Piratentum, wie Johan Soederberg schreibt, mit alldem nichts zu tun, weil Piraten per se gut sind? _________________________ [1] "Jeder Mensch ist ein Unternehmer" http://www.n0name.de/news/news38.txt [20.06.2009]. [2] http://zuender.zeit.de/2008/15/interview-peter-sunde?page=1 [20.06.2009]. [3] Dieter Schloenvoigt von der Rosa Luxemburg Stiftung behauptet in seinem Tagungsbeitrag "General intellect" allen Ernstes, dass Wissen und Information eine neue Kategorie (er schreibt von einem "Faktor") darstellen, die neben den "Faktoren [!] Arbeit, Boden und Kapital" zentral fuer den Wohlstand einer Gesellschaft geworden sei. So als ob geistige Arbeit nicht bereits in der Lohnarbeit subsumiert sei. Es handele sich, so Schloenvoigt, um eine "neue Beziehung zwischen Wissen und Eigentum". Nicht der Buerger sei Eigentuemer seines Wissens "sondern das Unternehmen". Insgesamt geht es bei solchen Aussagen um eine Ausschluss-/Einschluss-Diskussion und um eine vom Staat gegen die Konzerne einzufordernde Verteilungsgerechtigkeit, das heisst "Zugangsmoeglichkeiten zu Wissen und Information. http://www.rosalux.de/cms/index.php?id=6305 [20.06.2009]. "Access for all" war ja mal die technoidistische Forderung der Web-Intelligenzija der 1990er Jahre, die beschraenkt natuerlich nur den Zugang zum Netz meinte, weil sie darin ihr verinnerlicht Flusser'sches/McLuhan'sches/Kittler'sches/Luhmann'sches (platonisches) Medien-sind-die-Welt-Diktum abwehrend wiederfinden wollten. Was damals als Re-Aktion gegen die in der Fruehphase des WWW 'drohende' Verkommerzialisierung des beliebtesten Daten-Netzs und gegen die elitaere und staatlich privilegierte Exklusivitaet der Zugaenge fuer Hochschulen gemeint war: "[...] private individuals should also have access to the internet [...]". Spaeter entpuppte sich der Ansatz als der buergerbewegte nur halb-emanzipatorische 'bessere' Kommerz (mit laut Wikipedia 2005 einem Gewinn vor Steuern von 15,4 Mio. Euro, http://de.wikipedia.org/wiki/XS4ALL [20.06.2009]). Damals wurde das als anarchischer "kurze[r] Sommer des Internet", als Apokalypse apostrophiert (Geert Lovink, "die Industrie wird das Ganze uebernehmen" http://thing.desk.nl/bilwet/Geert/NZZ.INT [21.06.2009]). Und es wurde pragmatistisch, ganz wie jetzt die Piratenbuchten es machen, auf eine Verbruederung kulturlinker und liberaler Stroemungen gesetzt (vgl. Yelena Simc. "'How to organize?' ?" in: http://www.n0name.de/news/news99.txt). (Siehe auch About XS4ALL > History http://www.xs4all.nl/en/overxs4all/geschiedenis [21.06.2009].) Arbeit, Boden und Kapital und Wissen kommen so zusammen als gleichwertige Faktoren, die man nur richtig aufteilen muesse. Arbeit fuer jede/n mit entsprechender Hacker-Ausbildung, Boden (Fabriken, Sweatshops, Softwareklitschen) fuer flach-hierarchische Bosse, Kapital fuers Kapital und ein biszchen fuer die Lohnabhaengigen und Wissen fuer alle frei. So bringt man die europaeische Computerkultur voran, gegen die "Kalifornische Ideologie". Vergleichbar der Linie der Folkpartiet: "New jobs will be created when knowledge is turned into business ideas." (Folkpartiet "Other languages" http://www.folkpartiet.se/FPTemplates/AreaContentPage.aspx?id=44297 bzw. http://www.folkpartiet.se/FPTemplates/Document____44303.aspx [20.06.2009].) Diese lange Fusznote muesste eigentlich einen eigenen Abschnitt bekommen unter dem Titel... [4] Im Grunde sind die reformerischen Ideen der "Piraten" auf Linie mit den Juristen vom DFG-Graduiertenkolleg "Geistiges Eigentum und Gemeinfreiheit", die endlich wieder etwas entspannter ihren eigenen kleinen Profit machen wollen und dafuer plaedieren, das Dickicht der Schutzrechte zu lichten, da ja sonst die Systemregeln den Regelkreislauf beherrschen: "Worauf es ankommt, ist eine uebersichtliche Zahl starker, belastbarer Schutzrechte." So der Meister der Rechte (Legum Magister) Prof. Dr. Ansgar Ohly LL.M., http://gkrw.uni-bayreuth.de/index.php?id=194 [20.07.2009]. Interessant erscheint hier, dass die Coolness des Verbots der kommerziellen Verwertung, einschreibbar etwa in einer Creative Common Lizenz, 'sich' bei (deutschen) Juristen einnistet. Florian Maechtel, Ralf Uhrich und Achim Foerster (alle LL.M.) verwenden solche CC-Lizenz in ihrem Band _Urheberrechtsreform 2008: Gesetzestexte und Synopse zum "zweiten Korb" der Urheberrechtsreform_, einer Ergaenzung zu Maechtel/Uhrich/Foerster _Geistiges Eigentum. Vorschriftensammlung zum gewerblichen Rechtsschutz, Urheberrecht und Wettbewerbsrecht_. edition jurprint: Bayreuth, 2007, einer Publikation des besagten DFG-Graduiertenkollegs, "Download (PDF): KOSTENLOS" hier: http://gkrw.uni-bayreuth.de/fileadmin/user_upload/Version_1.2.pdf [20.07.2009]; natuerlich empfohlen von der Bundeszentrale fuer politische Bildung und verlinkt zu deren Literaturkanon: http://www.bpb.de/themen/5TXF3X,,0,Literatur_zum_Thema.html [20.07.2009]. Stoebert man dort auf den Webseiten, findet man viele "Meilensteine" aus der »Neo-Copy Welt«, http://www.goodcopybadcopy.net darf da nicht fehlen, der Torrent umsonst zum Film auf jeden Fall umsonst bei TPB: http://thepiratebay.org/torrent/3700777/Good_Copy_Bad_Copy_-_XviD [20.07.2009], alles ganz umsonst. Man kann sich also vorstellen, dass die CC-Lizenzen zum Modell erkoren worden sind, irgendwann de jure zu werden. Das ist der neue dritte Weg. Hat nicht die "Neue Mitte" in der BRD Mitte der 1990er Jahre und die weitere europaeische Sozialdemokratie, angetrieben von Anthony Giddens und Ulrich Beck, die Aufloesung der Klassen propagiert? War nicht die Rede von der post-industriellen Gesellschaft? Wer/Wo ist das Proletariat, das dem entspricht? Ach, es existiert ja gar nicht mehr? Kennen die "Piraten" keine Klassen mehr, sondern nur noch User? Der erste Weg ist ja immer der Kapitalismus, den kann man machen, aber doch nicht so schlimm. Der zweite hat sich mit der UdSSR usw. ueberlebt. Und deshalb, weil man den ersten machen kann, aber nicht so schlimm, den zweiten nicht will, aber braucht, erfindet man den dritten, der nichts leugnet von beiden wegleugnet, aber alles besser machen soll. Die PR-Maschine stellte in diesem Fall jedoch nicht den ueblichen Entrepeneur-Scheiss her, und auch nicht den staatstragenden Schlips bereit. Aber ein scheinbar neues Ding, denn die PR kommt ja bei The Pirate Bay und der P.-Partei, wie bei attac, von den Bewegten, dem Publikum selbst. Letztlich alles Nutzergenerierter Inhalt, auch die Filme, die Musik und die Software etablierter Firmen, wie man sie via Pirate Bay bekommt, sind des Users. Toys 'R' Us. Ja, richtig! Oder war User Generated Economy gemeint? Die boesen Konzerne verknappen ja nur, was da ist, und machen so die Preise. Der Wert entsteht im Tausch am Markt. Bei den Esoterikern von der Partei der Piraten ist es die neu aufgewaermte Geschichte von "realen" Wert[1] seit der Faxmaschine, die nur Sinn mache, wenn es weitere Faxmaschinen gaebe. Denn wir haben sie gebaut, nicht? Aber warum will eine Protoprofitanlage wie die der professionellen Piraten jetzt erstmal dieses voellig echt total soziale Spiel spielen? Mit dem im-materiellen Objekt kann man offenbar leicht politische Ware herstellen. Dieses sogenannte Oel des 20. Jahrhunderts, dessen Basis niemals ein lediglich zu foerdernder Rohstoff ist, sondern Produkt aus einer geistigen Anstrengung mittels medialer Technologie, ist nicht billig. Die Kopierkosten gehen ganz und garnicht gegen Null, wie behauptet[1]. Jede Notebook-Werkbank in Singapur bestaetigt das, der ansteigende Stromverbrauch ebenso. Auch wenn -- in voelliger Verkennung der technisch-medialen Grundlagen -- jede kleinste Zeile Code angeblich nur aus Geist besteht und jede MP3 nur ein komprimiertes Nichts ist. Keine Millisekunde menschlich hoerbarer "Amen Break" aus dem Rechner ohne Rechnerleistung, ohne Speaker ohne gemachte Schallwellen. Die Fixierung auf das 'digitale' Objekt (die Umsetzung per Rechner ist digital, kein Objekt ist je digital) ist eine technizistischer Fetisch. Dieser Irrglaube gepaart mit der Kenntnislosigkeit historischer Verkettungen industrieller Technik und den Vorleistungen dieser Techniken fuer jedes noch so maechtige Endgeraete, oder auch im Zusammenhang mit bloeder Naivitaet, ermoeglicht erst diesen Idealismus der 0-Kosten-Theorie. Nichteinmal die Verlustfreiheit ist haltbar, da jeder Datentraeger dem physischen Verlust unterliegt. Aber im Geist ist jede Information formlos ewig und kommt erst zur Form in der Maschine. Dabei kommt die Information nur durch die materielle Erzeugung zustande, operationaler Text (Code, Software) und Maschine (Schaltungen, Monitore) sind nicht voneinander zu trennen, sollen der Input Output werden. Der Dritte Weg wie er tatsaechlich auszusehen hat wird aber auch ganz offen im Klartext geaeussert: "Werden [...] die Moeglichkeiten der staendigen Verfuegbarkeit und beliebigen Reproduktion des gesammelten Wissens der Menschheit genutzt, erhoeht dies die Produktivitaet von Arbeitern der Informationsgesellschaft. Die groessere Wiederverwertbarkeit steigert gleichzeitig die Effizienz des Schaffungsprozesses. Den Anschluss an diese Novellierung des Innovationsprozesses darf Deutschland nicht verpassen. Um auch in Zukunft zur Weltspitze zu gehoeren [...]." (Quelle siehe Fussnote [2]) Die vermutete Standortpolitik ist eine, und die ist moralisch nicht vorzuwerfen, da sie fuer die Kapitalien einer Nation notwendig ist. "Download music, movies, games, software and much more." (The Pirate Bay) ist wie das Vorprogramm fuer eine hoehere Effizienz informationeller Herstellungsprozesse. Zugleich aber ein Angriff auf die Ineffizienz der etablierten Industrie. Hofft man, dass dieser paradoxe Weg umschlaegt in die Revolutionierung der Distribution? Wie sieht es mit der Produktion aus? Die Infragestellung des geistigen Eigentums, kommt sie nicht vor wie die falsche Fragestellung? Ist irgendjemandem die generelle Taktik der "Piraten" aus Opportunismus, Widerstand und Geschaeftsmodell klar? Unbewuszte Testballons, Grenzueberschreitung und Umstrukturierung an verschiedenen Fronten. Die richtige Verteilung, genaugenommen der Kampf ums Bruttoinlandsprodukt, ist es jedenfalls so nicht, wie Johan Soederberg (siehe weiter unten) meint (: "[...] how the economic gains made in the industry from the introduction of information technology should be distributed in society between capital and labour.") _________________________ [1] Die erzaehlt der Informatiker Christian Engstroem, Europa-Abgeordneter der schwedischen Piraten Partei, ehemals Mitglied der kapitalistischen Folkpartiet. Als Informatiker behauptet er, wider besseren Wissens oder aus oekonomischer Unkenntnis, einen besonderen Gebrauchswert fuer die Idee, die zum geistigen Eigentum wird. Die MP3, die ich gerade hoere ist also nur die verkoerperte Idee eines Sounds, genannt Musik -- ahja! http://jungle-world.com/artikel/2009/25/35304.html [21.06.2009]. [2] "Die fundamentale Chance des digitalen Zeitalters ist die Moeglichkeit, Information ohne Kosten beliebig zu reproduzieren und zur Verfuegung zu stellen." http://www.piratenpartei.de/navigation/politik [21.06.2009]. Diebstahl ist Eigentum. Wie geht das? Wie kann das "La propriété c'est le vol" (Eigentum ist Diebstahl) in einer diabolischen Dialektik so verdreht werden? Der Satz selbst scheint eher den Diebstahl am angeblich bestehenden real existierenden Gemeinwesen, genannt Volksreichtum, zu meinen. Volkswirtschaft, Nationaloekonomie, Mutualismus, billiger Kredit, faire Preise, Sozialdemokratie? Der Diebstahl ist fuer die "Piraten" nur der am allgemeinen Wohlstand, durch fehlgeleitete Verprivatisierung. Der allgemeine Wohlstand ist das Ergebnis einer problemlosen Vergesellschaftung der Gueter, die eben blosz richtig verteilt werden muessen. Vom Widerspruch Arbeit vs. Kapital kein Wort und wenn, dann nur fuer "gerechten Lohn". Reichtum ist immer schon fuer alle und immer schon da, der Staat ist fuer den Buerger da, und hat diesen Reichtum vor dem wohlstandshemmenden Zugriff einiger weniger zu schuetzen. Im Triumvirat aus Piraten Partei, -buero und -bucht wird die Diebstahl-Attituede zum Eigentum deshalb, so die aufzumachende Logik, weil sie letztlich zur Flexibilisierung der Eigentuemerrechte fuehren soll, Blockaden abzubauen hat, den Download trainiert und den Reichtum von/fuer jedermann/frau mehren soll. Dabei verdient diese froehliche Online-Wirtschaft -- die uns ja allen mal gehoerte, wie uns die Entstehungsmythen des spaeteren populaersten Teilinterneta (WWW) erzaehlen -- nicht so viel wie man denken koennte, von 2,1 Prozent des Bruttosozialprodukts am Beispiel der USA ist die Rede[1]. Der (genaugenommen im Sinne der "Piraten" gute) Diebstahl wird zum Eigentum, den sie als mafioese Firma (alle Firmen sind legal mafioes, nur die Mafia ist illegal) abschoepfen will und mit ihr alle, die sich ihr anschlieszen werden fuer die sie das Feld oeffnen. Das benennt man auch frei nach Lawrence "Law" Lessig mit "Hybrid Economy", oder Remix Oekonomie.[2] Die Illustration seines neuen Buches sagt bereits alles, ohne, dass man das Buch lesen muesste: [3], eine Ueberlagerung aus Kunst (Kultur) in Magenta und blauem Kommerz bildet eine fette Schnittmenge dunkler als Purpur. In neuen Farben muss man das also sehen. Und immer dabei, die Dekriminalisierung der Kopie (Decriminalizing the Copy) und die Dekriminalisierung des Teilens (Decriminalizing File-sharing). Lawrence "Reforming Law" Lessig. Aber warum ist das hybrid? Des Google's Ueberwachung sei dank wird man schnell fuendig. Hybrid ist alles alte Keynesianische (?), das sich modisch neu in den, wie gelernt, frischesten Farben tarnt.[5] Der Staat, hier blau, ist die Mutterbrust, die Kultur ("Befreit unsere Kultur"[6]), rosa, ist das Gewohnheitsrecht, das Taetig-sein, ein Begriff, der er von futuristisch utopistischen Linken gerne gebraucht wird. Es ist die "Freizeit", der Hobbyismus, die individuelle oder gruppenmaeszige Reproduktion, bis hin zur Bricolage. Im Fall von The Pirate Bay das Herunterladen. Eine Notdurft also. Das kann locker in freundlichem gruen vermarktet werden, etwa in dem man es ideell und monetaer als Kunst verkauft[7]. Indem man es kulturalisiert und so agitatorisch sanft abkoppelt von der Diskussion um Arbeit. Denn der "Preis von Ideen ist eigentlich gleich null".[8] Der Deckmantel von allem ist ein buntes Gemisch der "Informationellen Selbstbestimmung", (um im Bild zu bleiben) ausgebreitet zum Segel fuer die Fahrt durch die Ozeane der Ungerechtigkeit der neuen und bald alten Heimat entgegen. Mit Lessig wird die Situation der Normalisierungstendenz hin zur Marktgaengigkeit der weltweiten Piraten, Resampler, Remixer und Downloader wenigstens offen aber nicht weniger tricky ausgesprochen: "The content industry has convinced industry in general that extremism in copyright regulation is good for business and economic growth. In this talk, Professor Lessig describes the creative and profitable future that culture and industry could realize, if only we gave up IP extremism."[9] Mit Hybrider Oeonomie ist einfach nur eine duale gemeint, die zum Beispiel Kultur und Industrie oder Militaer und Industrie zuzsammenbringt. Eine ingenieurische Vorstellung, die offenbar historische Entwicklungen und Gesetzmaeszigkeiten an den Planertisch bringen moechte, so als koenne man staatskapitalistisch, wenn eine Industrieform fuers Kapital nichts mehr bringt, die andere einfach anklicken. Man re-designed sich die Wirtschaft irgendwie. "Culture and industry", ist das eine Neue Kulturindustrie, oder ist Industriekultur gemeint? _________________________ [1] "Internet macht Geld" http://www.heise.de/tp/blogs/4/140334 [22.06.2009]. [2] http://remix.lessig.org [21.06.2009]. [3] http://remix.lessig.org/static/imgs/remix_cover_small.png [21.06.2009]. [4] http://remix.lessig.org/book.php [21.06.2009]. [5] http://epress.anu.edu.au/caepr_series/no_26/mobile_devices/ch12.html [22.06.2009]. [6] http://www.piratpartiet.se/international/deutsch [22.06.2009], wessen Kultur eigentlich, und warum "Kultur"? [7] "Wir finden, dieses Nachdenken ueber Kultur ist ebenfalls Kultur. Also ist das was wir tun Kunst.", Peter Sunde. http://zuender.zeit.de/2008/15/interview-peter-sunde?page=1 [20.06.2009]. [8] Interview der Jungle World mit Christian Engstroem http://jungle-world.com/artikel/2009/25/35304.html [20.06.2009]. [9] In einer Ankuendigung ueber einen seiner Vortraege zu seinem Buch _Remix: Making Art and Commerce Thrive in the Hybrid Economy_, auf: http://www.freeculturenyu.org [21.06.2009]. Interessant ist der hier verwendete Jargon, in geradezu Staatsschutzmanier. Naemlich, dass hier ein doppelter Typus von Extremismus gefunden wird, ein Extremismus des alten Systems aus Firmen und Nation, den Rechteinhabern und dem Rechtsgarant. Der (wohl nach Lessig) falsche Extremismus der bisherigen rechtlichen Regulation des Urheberechts (Copyright in den USA usw.) und der Extremismus der Internetprovider. Zumindest wird hier ein sich andeutender neuer Mainstream angesprochen, und eine Kritik an der Geschenkoekonomie, die keine ist, nie eine sein konnte und im Nachfolgemodell in Wahrheit eine neue Regulierung des Marktes darstellt, auf dem heftigste Verschiebungen zu Ungunsten er Majors stattfanden. Die Flagge des neuen oekonomischen Mainstream traegt den Spruch "Profitable future that culture and industry realize". Die Content Industry bildet dabei die Armee der profitablen Zukunft, The Pirate Bay die Avantgarde. [10] "What is a Hybrid Economy?" http://www.wisegeek.com/what-is-a-hybrid-economy.htm [21.06.2009]. 9.723.127 seeders can't be wrong "Schade, ich wollte mir eigentlich noch ein TPB T-Shirt kaufen, das hat sich jetzt leider erledigt :( "[1] Die profitabe Zukunft fuer TPB beginnt nun, da der Peerialissimus zugeschlagen hat.[2] Also: "3.724.375 registered users" oder "9.723.127 seeders + 9.313.276 leechers" oder "20 million visitors and over one billion page views per month" can be wrong. Koennen "1.782.217 torrents on tracker" sich auch (ver)irren? Oder 200,000,000 facebook fans can't be wrong? Wenn Peter Sundes _Download fuer alle, bezahlt von allen_ wahr werden soll, dann muss auch das Konzept der Global Gaming Factory aufgehen, die TPB als Business-Modell begreift. Die These, dass mit dem Verkauf der Protofirma TPB an eine Firma die Spaltung von The Pirate Bay, Piratpartiet und Piratbyran (Piratenbuero) bervorstuende, blickt auf die gemeinten Bande, die nun flexibilisiert werden. Und im Gegenteil kann man behaupten, dass alle drei Gruppierungen aus unbewuszter Massenbewegung, Technik- und Orgazentrale und politischer Partei nun zu dem kommen, was ihr Ziel war.[3] Im Fernseh-Ticker der BBC laeuft die Nachricht, dass der neue Besitzer von TPB vorhat, die Sharer fuers Sharen zu bezahlen.[4] Eigentum wird Diebstahl, aber nur als T-Shirt. Rasmus Fleischers Lamento gegen die Verkommerzialisierung behauptet, dass The Pirate Bay als Symbol, Domain und Schwarm kein Eigentum sein kann. Sein Teil-Widerstand muendet in einem zweifachen Fazit: Das Modell wuerde von Entaeuschten multipliziert werden, die als riesige Community keinem Verwertungsprozess unterlaegen und das ist als Schizo-Politik einzuordnen. Die nichtkommerzielle Marke TPB wuerde aufgeloest, ihr Prinzip (P2P) woanders vielfach wieder aufpoppen. Wird Schwaermen vom dezentralisierten Schwarm von Kevin Kelly[6] fuer Fleischer zur Gewissheit?[7] Der Schwarm ist keine manipulierte Masse, er organisiert sich selbst, nach Bedarf und Koennen. Vorgeschossenes Kapital gibt es nicht, Arbeit ist wie ein Fisch im Wasser. Biologisch abbaubar mit einer sanften Form der Fuehrung: "In a firm, leadership is supervision; in social networks, government; in technical networks, standards and codes." Klassen gibt es nicht, alles ist mit jedem gluecklich vernetzt. Wie laesst sich das konstratieren mit der Vorstellung von Warenproduktion die mit einer IT aufgehoben wird und nicht neu befoerdert wird, wie bei Kelly, oder verbessert wird (Update) wie bei Peter Sunde (siehe oben)? Wolf Goehring fragt: "Was heiszt 'dialektisch aufheben'?, Was waere eine dialektisch aufgehobene Warenproduktion? Und wieso koennte die Informations- und Kommunikationstechnik dies leisten?" und behauptet "Die vernetzte Muehle, sie ergibt eine Gesellschaft mit Sozialisten."[8] _________________________ [1] http://netzpolitik.org/2009/the-pirate-bay-wird-verkauft [30.6.2009]. [2] Peerialismus ist eine witzige Klassifikation. Denn einen neuen Markt, an dem teilgenommen werden muss, so abstrakt mit dem Anklang an Schule oder Bewegung oder Epoche zu bezeichnen, bringt alle unter einen Hut, den Hut des Online-Konsumentenmarkts auf dem Kopf der Industrie aus "Kreativwirtschaft": http://www.globalgamingfactory.com/pressrelease-090630.pdf [30.06.2009]. [3] http://piratenpartei-hamburg.de/files/img/Schweden-Besuch-HH.jpg (Andreas Kaeivaeraeinen, Mitbegruender der Piratpartiet ganz rechts.) [01.07.2009]. [4] BBC World, 02.07.2009 ca. 05:45 Uhr. [5] "The swarm of millions of file-sharing humans and machines can not be owned, nor sold, nor copied." (Rasmus Fleischer in einer E-Mail vom 1. Juli 2009, http://www.nettime.org/Lists-Archives/nettime-l-0907/msg00000.html) [6] New Rules for the New Economy Chapter 1: EMBRACE THE SWARM (1998) http://www.kk.org/newrules/newrules-1.html [01.07.2009]. [7] Ein Versuch der kritischen Darstellung von Kellys oekonomischer Schwarmtheorie, welche Netzwerk, Markt und Demokratisierung in eine Linie bringt hier: http://real-mapping.net/learning_from/swarm.html [01.07.2009], die Berliner Gazette haelt indessen Vernetzung fuer Verfluessigung und alles gleich fuer Wasser: "[...] so wie auch das Land nicht mehr an die herkoemmlichen Grenzen des Territoriums gebunden ist, sondern sich verfluessigt und ausufert via Kabelleitungen und Satelliten. In Zeiten der weltumspannenden Vernetzung wird die Rolle von Wasser neu bestimmt" (aus einer E-Mail mit dem Betreff " WIR SIND WASSER, 24.07." vom 02.07.2009). Das Beduerfnis nach einem anderen Element als der schwerfaellig harten Tastatur schein gross zu sein. [8] Wolf Goehring. "Mittels Informations- und Kommunikationstechnik die Warenproduktion dialektisch aufheben?" (2000) http://www.mxks.de/files/streitpunkte/ks0602.Goehring.MittelsITWarenproduktionDialektischAufheben.html [01.07.2009]. Die Generation C64 geht der Politik verloren. Das kann passieren, meint Joerg Tauss (SPD), und muss verhindert werden, sonst geht damit deren Kreativitaet Kreativitaet Kreativitaet verloren. Standortpolitik? Das sagt, auf der Suche nach einer "jungen und modernen Buergerrechtspartei"[1] der moeglicherweise bald erste "Pirat" im Parlament der BRD (laut der Piratenpartei ist er bereits am 20.6.09 beigetreten). Dazu eine Meldung: "Bundestagsabgeordneter Tauss aus der SPD ausgetreten Aus Protest gegen das vom Bundestag verabschiedete Gesetz zur Sperrung von Kinderpornographie im Internet ist der SPD-Abgeordnete Tauss aus der Partei ausgetreten. Wie der Politiker in Berlin erklaerte, will er nun Mitglied der Piratenpartei werden, die vorwiegend fuer die Freiheit des Internets kaempft. Tauss, gegen den wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornographie ermittelt wird, war fast 40 Jahre in der SPD. Seit 1994 sitzt er im Bundestag."[2] "Wir holen uns das Netz zurueck ;-)"[3]. Ein linker Abweichler? Ein libertaerer Austreter? Immerhin ist er gegen das "Zugangserschwerungsgesetz", das den Kinderpornographen den Zugang zum Internet versperren soll und in Wirklichkeit ein Zensurgesetz darstellt. _________________________ [1] http://www.tauss.de/index.php?nr=26398&menu=1&__tauss=2ce46233cee9763c689c5c2d19657240 [20.06.2009]. [2] Deutschlandradio Newsletter, 18 Uhr Nachrichten 20.06.2009. [3] http://www.tauss.de/index.php?nr=26299&menu=1&__tauss=2ce46233cee9763c689c5c2d19657240 [20.06.2009]. Pirates of the Internets - Unite! Von Johan Soederberg[1] liegt inzwischen eine Analyse der schwedischen Piraten-Gruppen vor.[2] In seiner Kritik liest er die 'Bewegung' der Schwedischen Piratenpartei (PP) und The Pirate Bay (TPB) sowie Piratbyran (PB) quasi als Absaugmaschine subjektiv-politischer Kraefte fuer, besonders bezogen auf TPB, eine "new form of exploitation in libertarian capitalism". Diese neue 'digitale' Form der ideologischen Graswurzeltum-Ausbeutung sieht er offenbar als Grundlage fuer das nun aktuelle hippe Modell neo-libertaerer Geschaefte. Obgleich er den Wahlsieg der PP und ihren Einzug ins Europaparlament positiv bewertet, weil so der Lobby getrotzt werde. Das wird sich als truegerisch erweisen. Nicht nur, weil eine Lobby blosz antagonistisch gegen die andere steht. Sondern auch deshalb, weil an dieser Stelle dem parlamentarischen Vorgehen zuviel (illusorisches) Gewicht gegeben wird. Ueber die Legitimitaet legaler Mittel gegen das kapitalistische System kann man streiten. Doch wie kann man die Bewegung diskreditieren, gleichzeitig aber ihren parlametarischen Fluegel gutheissen, wenn dieser seine personalen Wurzeln unter anderem in der rechts-liberalen schwedischen Folkpartiet hat, wie Johan Soederberg selber ausfuehrt? Einerseits geht Soederbergs Vorwurf nicht ueber das Ausmachen von Geschaeftemacherei hinaus, andererseits erkennt er klar, dass die Bandbreite der "Piraten", die von links bis hin zu neoliberal reicht, den Kern der Problematik im Bereich der im-materiellen Gueter, programmatisch verkennt und verdraengt, naemlich den auch hier unaufgehobenen Widerspruch von Arbeit und Kapital. Den die "Piraten" ja auch garnicht aufheben wollen. Wollen sie ihn nur verbessern, korrigieren? Wollen sie ihn zurueckfuhren in den verlorengegangenen Klassenkompromiss bei besserer Entlohnung der Kleinproduzentinnen und neu gesicherten neuen Revenuen fuer neue Kleinkapitalisten, die ideologisch 'ideologiefrei' weder links noch rechts kennen, sondern nur Buergerfreiheit? Freiheit, Gleichheit, Eigentum und Anti-Bentham?[3] Und folgen sie damit nicht dem Modell der Sozialen Marktwirtschaft unter flexiblen, netten, sexy piratischen kapitalistischen Bedingungen? Der Zusammenhang erscheint in sich widerspruechlich und verdreht, streben doch Parlament-Parteien dazu, diese Widerspruechlichkeiten im grossen Ausgleich der Interessen aufzuheben. Und dabei draengen sie sich selbst dazu, die Widersprueche zu verschaerfen, indem sie sie anti-dialektisch einfach abschaffen wollen. In diesem Fall eindeutig prokapitalistisch. Das ist aber wohl nur die Oberflaeche. Kann man vielleicht zwei Dinge dazu sagen?: Der buergerliche Staat, auch der schwedische, ist seiner jetzigen Konstitution, mitten in der Wirtschaftskrise und am Rand seiner angeblich demokratischen Kraefte, ist grundsaetzlich nur zu bereit (weil er muss!), der zwingenden Konkurrenz der Staaten und ihrer Kapitalien untereinander zu folgen und im Zuge dessen seine Armee und seinen Ueberwachungsapparat auf den neusten Stand moeglicher Repression zu bringen. Er muss die eigene Wirtschaft schuetzen, seine Einwohner hinter sich bringen. Das ist ein basales Dilemma fuer seine Oekonomie, da er als ideeller Gesamtkapitalist zwar das nationale Kapital zu schuetzen hat, es aber auch nicht zu vielen Restriktionen unterwerfen kann, da dieses gerade im Hochtechnologiesektor zu einem Rueckstand fuehren kann. Zudem kann er das Kapital und seine Produktion nicht einfach bremsen und kontrollieren oder vollstaendig monopolisieren. Das koennte er nur im totalen Staat. So ungefaehr? Die Balance des Marktes aus guter Ware zu fairen Preisen, wie sie von der Piratenpartei vorgeschlagen wird und deren pseudo-radikale Aussengruppe The Pirate Bay darstellt (die gute Ware zu guten Preisen anstrebt, technisch aber den privaten Konsum-Diebstahl ermoeglicht), soll allen zugute kommen, Besitzern der Produktion wie Verbrauchern. Und so erfuellen sie den scheinbar in sich widerspruchsfreien aber maertyrerischen (weil Widerspruch gegen den momentan aufgestellten Staat hegenden) jedoch polit-politisch und techno-politisch widerspruechlichen Kampf fuer den Staat, dessen Show die parlamentarische Demokratie ist und der auch die »Piratenwirtschaft« zu schuetzen hat. Die er, solange es keine Option auf die totalitaere kapitalistische Diktatur (Faschismus) gibt, dringend aufrechterhalten muss, um seine (in twitterisch) "Follower" nicht zu verlieren und um die Anstrengungen, die mit einem Totalitarismus verbunden sind (Krieg, Buergerkrieg, Staatsterror) nicht aufbringen zu muessen. _________________________ [1] http://www.sts.gu.se/english/staff/soderberg_johan [21.06.2009]. [2] Als englischsprachige E-Mail auf der Mailinglist nettime. http://www.nettime.org/Lists-Archives/nettime-l-0906/msg00038.html [23.06.2009]. [3] Eine Anti-Bentham-Position muss nicht zwingend eine sein, die gegen Benthams Ansatz und den Utilitarismus steht, sie kann diesen ebenso verfolgen, nur eben ohne Ueberwachung. Liberaler als der Liberale, neo-liberaler als der Ordo-Liberale, der Ordnung ins Geflecht des Wildwuches bringt und der wirtschaftlichen Anarchie und dem Chaos Regeln verpassen moechte, die der Staat festlegt, nach denen dieser aber nicht zu spielen habe, weil er nicht mitspielen soll, da er nur Schiedsrichter zu sein hat (das sind in etwa die Aussagen von Hans-Werner Sinn, Praesident des ifo Instituts fuer Wirtschaftsforschung). Im Hinblick auf den "uneigennuetzigen Charakter" (John Stuart Mill) der Theorie der Nuetzlichkeit/des Nutzens (Utilitarismus) gehen Linien zu Sozialismus und Kommunismus, wie man bei Marx finden kann (MEW Bd. 2, S. 139 ff.), zu Robert Owen, und wenn es ganz staatssozialistisch wird neuerdings auch zu José Antonio Abreu und El Sistema (http://fesnojiv.gob.ve/en/el-sistema.html) [23.06.2009], dem kommunitarischen nationalen Symphonieorchester Venezuelas, in dem Armut in Musik aufgeloest wird. Das ist die Digitale Klasse von 2010. Wer/Wo ist das Proletariat?[1] Ist es ein immateriales? Na, zumindest ist es intellektuell und daher Generalintellekt (General Intellect). Aber wer produziert was und wie in der digitalen Welt? Wir erinnern uns, jeder Upload ist wie der Download ein Kopiervorgang. Dieser Vorgang wird von vielen fuer den neusten Ansatz des dezentralsierten IT-Kommunsimus gehalten, da ja jede/r seine Produktionsmittel fuer die Kopier"produktion" bereits besitze. Jeder am Punkt-zu-Punkt-Netz haelt sich fuer einen Kleinproduzenten oder im Fall der Schwarm-Vorstellung fuer Teil eines groesseren sich wandelnden Ganzen. Aber die Grundfunktion des Computer ist jedenfalls nicht (wie Sebastian Luetgert in den goldenen Zeiten von textz.com behauptete) wie Rasmus Fleischer behauptet[2] das Kopieren sondern das Rechnen. Kopieren ist da nur eine seiner Moeglichkeiten. Der Diskurs wird aber ueber diese Kopierfunktion gefuehrt, weil sie assoziiert wird mit dem schraegen Modell der Verknappung und dem Ueberfluss digitaler Gueter. Wir erinnern uns, kein Gut kann digital sein, nur seine Berechnung mittels Computer ist digital. Input, Maschine und Output sind nicht voneinander zu trennen. Speichern Berechnen Uebertragen sind die Grundfunktionen des Computers als Medium. Als Maschine ist er Berechner, egal von was, was sich berechnen laesst. Aber, und das ist entscheidend fuer die Frage nach der Oekonomie, der berechnenden Maschine ist egal was sie berechnet. Die oekonomische Verwertung im Zirkulationsprozess der Ware ist ihr egal. Fleischers Argumentation greift Kellys Gerede von der Epoche der Verknappung, die nun zuende ginge jedoch auf und setzt auf den Ueberfluss der Kopie via Computer. Er und andere halten das fuer den Kern der neuen Produktionsweise, die alle Restriktionen aus dem Industriezeitalter sprengen wuerde. Copyright ist dabei DIE Restriktion und muss daher sterben, weil sie den neuen Moeglichkeiten und Bedingungen der Produktivkraefte nicht mehr entspricht. Kann man sagen, dass diese neue Distribution, also das zentral-dezentrale Kopieren, jedoch nur soetwas wie eine Partial-Produktion ist und damit nicht den Kern der aktuellen Produktivkraefte darstellt? Hinzu kommt das Kultur-Phantasma, das mit dem Upload=Download=Kopieren=Computer verbunden wird, da 'digitale' Ware meist Musik, Film oder Text bedeutet. Diese Sparten der sogenannten Kultur sind nicht Auto, Haus oder Broetchen und repraesentieren somit den Kopefen der Filesharer-Apologeten einen Idealismus, der jenes von diesem trennt und Kultur immateriell macht -- wobei die Musik, das Immateriellste von allem, den Leittakt fuer diese Trennung angibt. Wenn der PC als Produktionsmittel betrachtet werden soll, dann nur in seiner berechnenden medialen Funktion und nur in einem Komplex aus vielen Komponenten und Peripherien. Daten in Datenleitungen aus Glas in Kunststoff durch Schaltkreise (egal aus welchem Material) in Licht oder Schallwellen. Die Daten der Musik kommen zustande aus Arbeit, entlohnt oder nicht, Hobby oder Profession. Die intellektuelle Klasse machts. Und vor ihr macht alles eine andere Klasse, oder wie? Intellektuelles Proletariat ist aber von anderem Proletariat nicht zu unterscheiden, wird nur in Milieus und Status dividiert. Der Bagger, der die Kieselerde, den Kieselstein heranbringt, wer hat den gebaut? Die digitale Klasse der piratischen Blogger behauptet eintraechtig mit den Kapitalisten: der kreative Designer am Rechner oder so. Der Stahl fuer die Baumaschine faellt vom Himmel. Dennoch ist dieser Vorgang (Daten zu Schallwellen) nichtneutral mit der Oekonomie verbunden, da mehrheitlich alle Komponenten des Computer-Komplexes einfach fremdes Eigentum sind, die man erst erwerben muss (egal ob gemietet oder erstanden). Der "Content" scheint da herauszufallen, weil er als liquider Gegenstand erscheint, der im Computer blosz aufscheint. Kein Baecker wuerde sich gefallen lassen, von der Broetchen Bay ueberfallen zu werden und bei Diebstahl der Broetchen im Ueberfluss (!) die Polizei zum Schutz des Eigentums verstaendigen. Nichs anderes tun die Lobbyverbaende der Musikindustrie. Die behauptete endlose und kostenlose Redundanz digital hergestellter Ware ist falsch. Auch wenn dieser Herstellungsprozess in der Distribution zu Hause massenhaft am Kuechentisch geschieht. Man muss klarmachen, dass dieses ach so leichte Kopieren und dieses "Alles ist schon da, man muss es sich nur aneignen", dass dieser Komplex in einem gigantischen Enteignungprozess be- und gefangen ist! Im Widerstand dagegen liegt der Sex von The Pirate Bay, seinem linken Buero und der Partei. Aber nichts gehoert dem Produzenten, jeder Gegenstand (Dienstleistung, MP3 oder Broetchen) ist fremdes Eigentum, dem eigentlichen Hersteller im Kauf seiner Ware Arbeitskraft genommen. Der Gegenstand ist nicht verknappt (das ist ein Tresenwitz der Regulationisten[3], denn vorm Tresen sieht alles aus wie gesperrt und knapp), er ist gestohlen. Alle Justiz und Staatsraeson, haben sie diesen Diebstahl, genannt Privateigentum, nicht zu verteidigen? Diebstahl wird Eigentum. Die hohe Produktivitaet des Kopiervorgangs, mit seinen daran angeschlossenen Individuen, den "Piraten", zeigt aber an, wie hoch und effizient IT-Produktivitaet im Datenbereich ist. Grundsaetzlich gilt aber fuer die neue Produktionsweise[4] eine hohe Materialrate, auf denen die Daten aufsitzen, die, fuer die industrielle Fertigung bereitgestellt, immer nur auf technischer Basis, das heiszt ihrer Umsetzung bestehen. Software ohne Hardware kann nicht _existieren_. Die Ueberbetonung des Immateriellen und der gepimpte Blick auf den sozialen Aspekt der Arbeit, hier der "Intellektualitaet [...] als etwas sich ueber die gesamte Gesellschaft Erstreckendes"[5], blendet die materiale Basis zu oft aus oder verkennt diese als quasi-ueberwundene. Dass die materielle Basis zu den aktuellen Konditionen des Technisch-Organisatorischen einfacher und immer einfacher und arbeitsfreier zu nutzen waere, wird den Ausbeutungscharakter der Lohnarbeit allein nicht abschaffen. Obwohl Produktion und Distribution mit IT automatisiert werden kann und so Produktionsmengen steigert und den Verwertungprozess in seine Widerspruechen steigert bis an Grenzen der Verwertung des Werts. Die Werkbank und der Verbraucher sind immernoch ueber den Verkauf/Kauf, das Eigentum an Produktionsmitteln getrennt. Der Generelle Intellekt, die Wissensarbeit bleibt in der kapitalistischen Produktionsweise Eigenschaft des Kapitals, ihre Oekonomie die des Geldes. Die "Piraten" koennen hoechstens fuer den intellektuellen Sektor behaupten, die Produktionsmittel wuerden in breiter Menge _bereitstehen_. Das aber gilt auch nur fuer die 'wissensbasierten Gesellschaften', sprich die Nationen oder nationale Regionen, welche sog. postfordistische Arbeit im eigenen Land aufhaeufen und fordistische so weit moeglich auslagern. Beides aber unterliegt e i n e m Produktionsbegriff, Denken fuer Geld ist Lohnarbeit. Doch der Software-Ingenieur haelt sich fuer den nur denkenden Planer, waehrend der Software-Pirat sich fuer den nur kopierenden Outlaw oder Kuenstler haelt, selbstverstaendlich jenseits des Systems, oder nein, es eben gegen dasselbe nutzend (WingTsun). Dabei gibt Peter Sunde (The Pirate Bay) zu, gerabeitet zu haben -- fuer Piraten[6] oder eine andere Firma[7], und es ist klar, dass à la Robert Owen der freie Download ohne gesamte Systemaufhebung nur ueber unfreien, also Biz zu bekommen ist. Dann waere der Verkauf von TPB nur der Befreiungsschlag (gewesen), um die Schulden, die Strafe fuer Bisheriges und die Spesen fuer Weiteres bezahlen zu koennen.[8] _________________________ [1] Max Henninger. "Immaterielle Arbeit, Subjektivitaet und Territorialitaet" [30.06.2009]. http://www.grundrisse.net/grundrisse15/15max_henninger.htm [2] Siehe 13. Absatz in: Rasmus Fleischer. "The Future of Copyright" http://www.cato-unbound.org/2008/06/09/rasmus-fleischer/the-future-of-copyright/ [02.07.2009]. [3] http://www.bpb.de/publikationen/01725746913107258150366106918160,0,0,Freie_Software_zwischen_Privat_und_Gemeineigentum.html [02.07.2009]. [4] Empfehlenswert an dieser Stelle ist von Wolfgang Fritz Haug _High-Tech-Kapitalismus. Analysen zu Produktionsweise, Arbeit, Sexualitaet, Krieg und Hegemonie_. Hamburg: Argument, 2003. [5] Siehe 3. Absatz in: http://www.grundrisse.net/grundrisse15/15max_henninger.htm [6] "[...]6 year free work" http://liquidculture.wordpress.com/2009/07/01/the-pirate-bay-two-important-speculations [02.07.2009]. [7] "[...] Peter Sunde has been busy founding holding companies in the UK for various projects." http://newteevee.com/2009/06/30/5-things-to-know-about-the-pirate-bay-sale [02.07.2009]. [8] "Selling The Pirate Bay may just give them some time to finally launch the Video Bay and some other sites and services they’ve been working on." (siehe Fussnote 7 fuer den Hyperlink.) Wir wissen, der Kaeufer Global Gaming Factory bringt das Geld nicht auf. Ein schoenes Geschaeftsmodell war das, Inhalteanbieter und Urheberrechtsinhaber waeren endlich fair, gerecht und ueberhaupt entlohnt worden. Endlich richtige echte Arbeit 2.0. Und der Verkaufserloes fuer die Bucht waere in eine Stiftung geflossen mit ehrlicher Lobbyarbeit. (http://www.heise.de/ct/Torrent-Tracker-The-Pirate-Bay-wechselt-den-Besitzer--/news/meldung/141299) Das ist eine Insel, die global wird. Robinsons ueberall. Jedem seine Insel. Evolutionistische Ansaetze behaupten die innere Aushoehlung des ... . Von der Pirateninsel aus uebernehmen Kopierfarmen die immaterielle Macht mit Hilfe der Informationstechnologie. Die Getrenntheiten werden problematisch, B2B ist wie P2P und "die private Perfektionierung der Warenproduktion durch Vernetzung wird Ware und allen Konkurrenten gleichermaszen zugaenglich" und die "freie und produktive Kommunikation erleben die e-lancer gemeinsam. In diesem gemeinsamen und produktiven Erlebnis liegt Sprengkraft. 'Die immer hoehere Vervollkommnung der Leitungstaetigkeit', um diesen Begriff aus dem sozialistischen Lager aufzugreifen, ist am Ende."[1] Viele Inseln schlieszen sich zusammen? Schwaermen? Die "neue Produktivkraft der Vernetzung" und wir "Menschen werden die Form der Warenproduktion mittels der als Ware entwickelten Vernetzung aufheben und unsere Beziehungen untereinander und zur Natur neuartig ausbalancieren koennen."[1] Fantastisch? Produktivkraefte und gesellschaftliche Organisation sind nur zusammen zu haben. Aber das hier angeschriebene Ende des Kommandos geht sehr konform mit operaistischen Deutungen immaterieller Arbeit, die, weil kommunikativ, politisch sei oder politischer sei, deren Sonderstatus aber ja gerade in Frage steht. Die Differenz des allgemeinen Symbolarbeiters? Sie kann schlieszlich nur an einem festgemacht werden, am Produkt Kommunikation oder Information, am Produkt Operationstext (Programme), das sie abzuliefern hat, am Geist. Doch dieser kann nur materialsiert erscheinen, auf Basis materieller Technik, so unsichtbar sie auch sein mag. "Gepulste [elektromagnetische] Strahlung von WLAN-Geraeten durchdringt selbstverstaendlich [...] Schaedelknochen!"[2] _________________________ [1] Wolf Goehring. "Mittels Informations- und Kommunikationstechnik die Warenproduktion dialektisch aufheben?" [01.07.2009]. http://www.mxks.de/files/streitpunkte/ks0602.Goehring.MittelsITWarenproduktionDialektischAufheben.html [2] www.buergerwelle.de/pdf/dect.pdf [02.07.2009]. Das Internet ist universal und Freiheit universell. Diese Party behauptet folgendes: "Immaterielle Gesetze koennen immateriellen Werten materielle Eigenschaften zusprechen." Gut, was sind immaterielle Gesetze? Gesetze sind Ideen, die den gesellschaftlichen Verhaeltnissen folgen. Sie sind notwendigerweise nicht materiell, hoechstens materialistisch. Dieser Dualismus aus Materiell|Immateriell, der alle Daten ihre eigene ontische Stelle zuweist, mischt Werte und Eigenschaften. Das will die P.Partei sauber auseinanderhalten. Ideen (immaterielle Gesetze) sollen schlieszlich Ideen (immateriellen Werte) nicht vorschreiben, wie sie zu sein haben, schon garnicht materielle. Sind sie doch immateriell, nicht wahr? Weiter sagt die Party: "Ideen, Wissen und Information sind aber von Natur aus nicht-exklusiv und ihr gemeinsamer Wert liegt in der ihnen innewohnenden Faehigkeit geteilt und verbreitet zu werden." Mh, wenn sie verteilt werden, kostet das Arbeit, wenn sie wirklich ein immanentes Vermoegen haetten, koennten Texte von alleine laufen. Bilder brauchen meistens einen Montor dazu und ausgefeilte Techniken, die das ermoeglichen. Die Party sagt: "Wir verlangen Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie fuer alle Buerger." Also wirklich fuer alle? Und welche Freiheit? Die das Geschaeft zu machen und die Arbeit frei kaufen und zu verkaufen? Aber vor Gericht enden alle Ideologien und universellen Solidaritaeten, da geht es um die Haut des anderen: "'Wir sind die falschen Angeklagten', liesz daher Pirate-Bay-Gruender Neij seinen Anwalt erklaeren. 'Der einzelne Anwender unserer Boerse hat die Verantwortung fuer die Einhaltung des Copyrights.' Denn man schaffe ja nur die technische Moeglichkeit zur Verbindung zwischen Computern, auf denen das Material gelagert werde. Anwalt Jonas Nilsson meinte weiter: 'Kein einziges urheberrechtlich geschuetztes Dokument ist je durch die Server von Pirate Bay gegangen.'" (Handelsblatt 25. Februar 2009) Infrastruktur ist ploetzlich doch neutral? Dem Rechner ist es ja egal um welche Dateien es sich handelt. Nicht das Netz ist schuld, der Miszbrauch ists gewesen. Das Recht des Technikers der Produktivkraft prallt ab am der Produktivkraft nicht angepassten Recht? Waehlen gehen! Soll man Selbstaendigen,[1] Programmierern und IT-Administratoren[2], Software-Entwicklern und Datenschutzbeauftragten,[3] Informatikern[4] und Maschinenbauern[5] also den "neuen Gruenen"[6] das (WAS?) ueberlassen? Wo sind die Hausfrauen und Stahlarbeiter, die den "[...] kreativen Schoepfungsprozesses, technologischer wie kultureller Errungenschaften und deren Nutzung [...]"[7] ausschoepfen, schoepfen -- es faellt schwer das zu formulieren -- daraus schoepfen ? Der ideelle Ideen-Arbeiter als Kandidat beschraenkt sich zunaechst einmal darauf, dem General Intellekt die Schultersterne zu verpassen und die "Wissensgesellschaft" Standort sowieso zu staerken und die freiheitlich demokratische Grundordnung zu schuetzen,[8] gegen die Rechteindustrie.[9] Freiheit bedeutet hier die Flexibilisierung des Marktes ("GEMA 2.0") fuer den kleinen Produzenten, den Kleinbuerger. 229 117 Stimmen koennen irren (das waren 0,9 Prozent bei der EU-Wahl im Jahr 2009 fuer die deutsche P.-Partei). _________________________ [1] http://ich.waehlepiraten.de/wetterau [06.07.2009]. [2] http://ich.waehlepiraten.de/stuttgart-2 [06.07.2009]. [3] http://ich.waehlepiraten.de/stuttgart-i [06.07.2009]. [4] http://ich.waehlepiraten.de/frankfurt-am-ii [06.07.2009]. [5] http://ich.waehlepiraten.de/ludwigshafen [06.07.2009]. [6] Handelsblatt. "Radikal digital", 17. September 2007. [7] http://ich.waehlepiraten.de [06.07.2009]. [8] "Die Frage des 21. Jahrhunderts lautet nicht 'rechts' oder 'links', 'konservativ' oder 'sozialdemokratisch'. Es geht um Freiheit oder Autoritarismus. Wir positionieren uns ganz klar auf der Seite der Freiheit. http://wiki.piratenpartei.de/H%C3%A4ufig_gestellte_Fragen#Seid_ihr_links.2Frechts.3F [06.07.2009]. [9] Z.B. die Motion Picture Association of America (MPAA), siehe dazu http://wiki.piratenpartei.de/GEMA_2.0#Rechtfertigung [06.07.2009]. Die Nation ist fuer oder gegen Piraten. Ist das Verhaeltnis von Nationalstaat, legalem und geduldetem illegalem Handeln in ihm und fuer ihn ersichtlich? Piraterie von oben kann aussehen wie welche von unten, kann ploetzlich erkannt werden als Kriegsmittel und alternative wirtschaftliche Methode (Raub und Diebstahl). Eingesetzt von den Herrschenden gegen allzu korrupte und durch die Gross-Gourvernementalitaet nicht mehr kontrollierbare Klein-Gourvernementalitaet und gegen den Angriff von aussen[1]): In _Piraten!_ baut Celia Rees Figuren und Figurationen auf, die dem romantischen Bild eines rebellischen Piratentums nur bedingt entsprechen. Eine barbarische Piratenschaft, ein bestimmter Teil der untereinander konkurrierenden Mafia zur See, die nur abschoepft, d.h. stiehlt ohne zu produzieren, verbuendet sich in der Person des gesettleten schwarzen (Ex-)Piraten mit der Sklavenhandel treibenden offiziellen Wirtschaft des Fruehkapitalismus im britischen Empire und setzt das 'freie' Piratenleben, das aus Not zum Diebstahl gezwungen, die Gewinne der offiziellen Wirtschaft bedroht, in ein anderes Verhaeltnis als das schlichte von Ausbeutung und Widerstand. Wenn der gesettelte schwarze Ex-Pirat, quasi faschistoisiert, die Geflohene nicht zurueckholt, sondern zur Strafe morden will, bildet die durch ihn geschlagene Piraten-Subwirtschaft eine Art dritte moralische Moeglichkeit von Wirtschaft selbst, die aber nur ueberlebt, weil sie nicht maszlos vernichtet wie der dunkle Anteil der offiziellen Wirtschaft, repraesentiert durch den schwarzen Piraten, sondern nur zu Subsistenz-Zwecken toetet, also 'maszvoll'.[2] _________________________ [1] Captain Blood, alias Errol Flynn, wird in _Unter Piratenflagge_ von der sich gerade herausbildenden herrschenden Klasse Englands vom Piraten zum Gouverneur gemacht, exakt dann als das Imperium von seinem Konkurrenten Frankreich angegriffen wird. http://de.wikipedia.org/wiki/Unter_Piratenflagge [21.06.2009]. [2] Aus: n0name newsletter #132. http://www.n0name.de/news/news132.txt [21.06.2009]. Das hat mit dem allgemeinen Verstand zu tun. Ja? Ja und ja und nein. Ja, weil Netzwerken (Serverrechner einrichten, Bandbreite kaufen, Skripte schreiben, Hoch- und Runterladen) nunmehr gerne als "allgemeines Wissen" oder "allgemeiner Verstand" angesehen werden, ganz so wie Karl Marx das im sogenannten "Maschinenfragment"[1] von 1858 beschrieben hatte. Dieses Textfragment wird meist zu seinen "Grundrissen" (1859) gezaehlt, also einer Schreibphase, die weit vor der Ausarbeitung des _Kapital_ (1867) liegt. Dieser _general intellect_ wird von Marx als direkt wirksame Produktivkraft angsehen, er ist Wissen angewandt und vergegenstaendlicht im automatisierten Produktionsprozess. Also ein zweites Ja, denn Netzpiraterie ist produktiv, aber -- hier kommt das Nein -- sie ist nicht die Produktion, sondern die Reproduktion. Das ist keine Spitzfindigkeit, denn die gesamte Reproduktion, der simple Kopiervorgang greift ja auf Apparate und Maschinensysteme zu, die ihm vorgaengig sind und seine Arbeitsmittel darstellen. Vom Endprodukt will man im Netzwerkdenken mittlerweile absehen (der Ursprung dieser These ist uns leider momentan entfallen), die Kopie sei nur eine Einheit in einer unterschiedslosen Kette vom Rohstoff ueber Produkte zum Konsumenten -- und wieder zurueck? Matthew Fuller[2] der das Maschinenfragment offenbar nicht ganz gelesen hat, dreht unter Berufung auf Paulo Virno[3] nun den darin erwaehnten _general intellect_ auf einen Intellekt als blosze Produktivkraft und laesst den kapitalistischen Charakter und ihren Status in der Warenproduktion beiseite. Ohne rein textexegetisch vorzugehen, kann man hier auf ein allerwichtigstes Manko hinweisen. Marx selbst naemlich schrieb im Fragment wie die Akkumulation des Wissens unter die Zwecke des Kapitals faellt und von diesem absorbiert wird. Das Kapitalverhaeltnis waere netz-operaistisch demnach noch lange nicht aufgehoben, nur weil jetzt 'alle' die neue Literarizitaet am Rechner erlernen. Alles was zur sich abzeichnenden Produktivkraft aus der symbolverarbeitenden Maschinerie gesagt werden koennte, waere vielleicht, dass mit ihr die Produktionsweisen auf hoehere automatische Stufen gehoben werden und die vernetze Arbeit in der Programm-Herstellung und im Marketing eine hoehere Produktivitaet besitzen als noch vor 15 Jahren. Muesste man das nicht statistisch untermauern? Wenn die Wissensarbeit einerseits in der Maschinerie 'steckt' und in der Herstellung des Produkts benoetigt wird, die nichts anderes ist als die Gebrauchswertproduktion fuer die Kapitalselbstverwertung, dann kann Wissen unter den historisch heute gegebenen Bedingungen nicht frei verfuegbar, nur gebunden an den Verwertungsprozess sein. Und dennoch entsteht natuerlich Wissen auch ausserhalb desselben und scheint als 'freies Wissen' nicht in die Amortisierung (wie Fuller meint[4]) einzugehen und stattdessen als Free Software immer wieder aufzuerstehen. Dass dieses verwertungsfreie Wissen gerne als Kunst bezeichnet wird, und Programmieren zur allerletzten Bastion bzw. im Gegenteil gerade nicht zur Festung aber schwammig zum Schwarmgrasswurzelrhizom erklaert wird welches nun alles durchdringe, bezeugt den immaterialistischen Wahnsinn der nachbuergerlichen Theoretiker aus der gutbuergerlichen Epoche Westeuropas. Die Revenuen und Zeitressourcen der kapitalistischen Produktion halten jedoch offenbar soviel Spielraum bereit, beziehungsweise erfordern die Anforderungen der weltweiten Produktion, dass eine neue Art der elektronisch integrierten Massenproduktion im Bereich einer der Sektoren der Schluesselindustrien ermoeglicht wird, die natuerlich kommerziell ist, ob Windows, Google oder Linux als Betriebssystem. Diese Massenproduktion waere vorlaeufig vielleicht zu unterteilen in originaere Produktion (das Programm, das Musikstueck als Computerdatei usw.) und in Reproduktion (die Kopie). Der allgemeine Verstand teilt sich so auf in mindestens zwei Gebiete, den hoeheren Intellekt fuer die originaere Produktion und den niedrigeren Intellekt fuer die Kopie. Das waere dann die Diskussion um Arbeiterverelendung und -qualifikation, Arbeiteraristokratie. Es sind hier (mit Marx) Maschinen, die Maschinen bauen in die Wissen eingegangen war. _________________________ [1] -> http://www.wildcat-www.de/dossiers/empire/maschinenfragment.pdf [30.06.2009] [2] Fuller veroeffentlichte vom daenischen Digital Aesthetics Research Center der Aarhus Universitaet aus seinen Text _Softness: interrogability; general intellect; art methodologies in software_, er ist herunterladbar hier: http://darc.imv.au.dk/wp-content/files/13.pdf [30.06.2009] [3] Paulo Virno verkleinert in _A Grammar of the Multitude_ den Verstand auf das linguistische Vermoegen, die sprachliche Kognition. [4] Fuller erkennt die Abhaengigkeit der kongnitiven Arbeitsebenen von den materiellen (wobei diese Trennung problematisch ist, da auch handwerkliche Arbeit Kognition erfordert), von materialisierter Arbeit, doch die Amortisierung ins Kapital laesst er, so waere zu schliessen, nur fuer Bereiche ausserhalb der Kunst zu -- womit er ganz Recht behielte -- z.B. wird Jaromils Programmiertaetigkeit gesponsort und nicht entlohnt: "[...] whilst art depends upon a significant amount of materialized labour, such work is never simply amortized: far more than software, which is itself usually a process, always in development, it never becomes strictly 'dead'." (s.o. S. 10). Fuller meint hier aber genaugenommen die allgemeine intellektuelle Arbeit ("the capacity to abstract and communicate"), die nie so richtig unters Kapital faellt. Letztlich (letztlich, nicht netzlich!) zielt Fullers Logik darauf ab, die Sonderstellung von Kultur fomulieren zu konnen, die zur Industrie der Produktionsmittel werde: "[...] culture becomes the industry of the means of production. Marx used this term to describe the manufacture of machines to make other machines." (s.o.) Man koennte mit so vielen Kuenstlern der "Laptopgeneration" sagen: "Let machines do the art/the work." Aber sind, mal abgesehen vom zu begruessenden Entlasstungsmoment der Maschine, Arbeit und Kunst dasselbe? http://wirnennenesarbeit.de sagt dazu ja. Matthew Fuller aus der "Creative Class" jedoch erweist sich als theoretischer Prolieferant der z.B. Lessig'schen Neuen Kulturindustrie. Einer Kreativwirtschaft in der Wissensgesellschaft, die auf sichtbarer Ebene alle Metropolen wandeln soll, muss, wird. Max Henninger rueckt die 'revolutionaere Energie', welche man bei der sich damit bildenden Schicht vermuten moechte, zurecht, siehe "Immaterielle Arbeit, Subjektivitaet und Territorialitaet" (http://www.grundrisse.net/grundrisse15/15max_henninger.htm [30.06.2009]). _Arbeit und Kunst_ ist ja die falsche Gegensatz, er muesste lauten _Lohnarbeit und Kunst_, und selbst dieser waere falsch, da Kunst also hoechste Kreativitaet, als Fullers Produktivkraft, Lohnarbeit ist. Das wuerde er jedoch leugnen, da diese Kreativitaet nicht unters Kapital zu bringen ist sondern Kunst ist, also doch keine Produktivkraft darstellt? Man sieht, es fehlt am Begriff des Kapitals, was es kann was es macht und es fehlt an einer Bestimmung der gesellschaftlichen Funktion der Kreativitaet. bei Fuller ist diese Bestimmung schon geschehen, sie ist das von aller Verwertung getrennte Intelektuelle aber gleichzeitig "Industrie der Produktionsmittel" -- ein Widerspruch? Ein neutralisierendes Reinwaschen und Ueberhoehen des Intellektualen (des wissenschaftlichen Verstandes) durch den Intelektuellen. Das Netz ist generativ. Voerst laesst sich festhalten: Es wird ein Denken artikukiert, mit dem das elegante Generative der Codes (Die Eleganz von Computer-odes sind fuer Florian Cramer Qualitaetsmerkmal aesthetischer Kriterien-Kuratorenschaft) 'postindustriell' in Anschlag gebracht wird, gegen das dumpfe bloede Industrielle. Das geht bis zu Hymnen der Weltkonstruktion durch die schaffendende poetische Kraft und die Autopoiesis.[1] U.a. bei Felix Stalder muesste man nachlesen, wie sich das in eine Theorie backen laesst. Fixes Kapital soll ageloest werden von intellektuellem Kapital, oder wie? Wie undifferenziert ist das denn? Und wie immer generiert wieder das Netz abstrakt den Wert? _________________________ [1] "The material of a poet is life [...]." http://www.generativeart.com/on/cic/papersGA2004/b14.htm [10.07.2009]. Hier muss der funktionale Status der Programme in Unterscheidung und Bezueglichkeit von Code, Software, operativem Text, Hardware in der Maschinerie der Informationstechnologie genauer geklaert werden! Zunaechst gilt: Ohne Hardware keine Software, kein Output, kein Input. Wir schaffen es, dass Linke, Aufgeklaerte und kritisch Denkende an den Parlamentarismus glauben. Wie macht Ihr das? Die Moral ist auf unserer Seite. Pirate Bay ist eine Boerse und spaltet ganz im Gegensatz zur Ideologie der Community. Die Macher sind die falschen Angeklagten und die Nutzer die richtigen? Die Pirate-Bay-Macher Fredrik Neij (30), Gottfrid Svartholm (24), Peter Sunde (30) und Carl Lundstroem (48) strahlten am ersten Prozesstag Gelassenheit aus. "Wir sind die falschen Angeklagten. Der einzelne Anwender unserer Boerse hat die Verantwortung fuer die Einhaltung des Copyrights", liesz Neij seinen Anwalt erklaeren. Was scheint aber dennoch auf in den Anti-Pro-Copyright-Fantasien der Piraten? Siehe Friedrich Engels im Anti-Duehring die Stelle unter dem Suchbegriff "Moralgebot". Wo Privateigentum gilt, gilt: Du sollst nicht stehlen!" Dass dieses nicht ewig galt und gelten kann, sprechen die "Piraten" an, aber so, dass sie offenbar weder Klassenmoral begreifen noch ihre eigene Rolle zur Rettung dieser, indem sie als Repraesentanten der unterdrueckten Gruppe der Designer-Kraemer-Klein-Technologen deren Empoerung ueber Ihren Ausschluss von den Technomaerkten zum Ausdruck bringen und ihre eigene Moral, die der Informationsfreiheit hochhalten. Aber worauf bezieht sich diese Informationsfreiheit. Nur auf die staatliche Ueberwachung der Kommunikation, deren un-ureigenstes Terrain das der Piraten (in " ") und ihrer ueberlegenen Konkurrenten (Filmindustrie, Apple) ist. Denn Demokratie ist fuer diese Partei was sie eben ist, der Standort. Den Widerspruch der Produktivkraefte im Gegensatz zur Produktivitaet, die, gefangen in der Warenproduktion, nur fuer G' existiert sehen sie halblind únd reformerisch in der Beschneidung der Produktivkraefte durch falsche Gesetze. Siehe auch: Karl Heinz Roth ueber Auswirkungen der Neuen Technologien fuer die Weltoekonomie (http://www.jungewelt.de/2009/07-16/050.php). Wenn The Pirate Bay sagt, sie wuerden User nur verbinden ("[...] connect through so-called torrent files to download content."), geben sie dann selbst zu, nur der mediale Markt zu sein, oder wird hier auch ein zukuenftiges Modell kooptiver Handlungen angesprochen? (http://timesonline.typepad.com/technology/2009/02/pirate-bay-tria.html) Die Kopie ist Menschenrecht. Menschenrechte und boeses Kapital werden gegeneinander aufgestellt. Ist das Recht auf Nahrung auch ein Internetding? Quaelt man sich die Logik rein, ergibt das eine Karikatur: Es werden aufgelistet die ueber die technologischen Epochen und Aeras verteilten Neuerungen der Informationstechnologien, vom Radio ueber das Fernsehen und Compact(audio)cassetten, Videokassetten bis zum Internet (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:The.Pirate.Bay.Cartoon-small.png). Aber seid wann hat der Lohnempfaenger ein Recht auf die Ware? Zumal der Cartoon ueberholt ist. Das Internet Uaah! ist kein rechtsfreier Raum, er ist genauso Alltagsmisere und Potentialitaet wie jede andere Beduerfnisse befriedigende Organisationsstruktur unter den Bedingungen des Kapitals, oder wie die deutsche Piratenpartei formulieren wuerde, unter den Bedingungen der modernen Wissensgesellschaft in einer freiheitlichen und demokratischen Ordnung. Und im Kurzschluss: "Dies wird durch eine Anpassung des Urheberrechts gewaehrleistet." (http://www.piratenpartei.de/tmp/Wahlprogramm_Bundestagswahl2009.pdf S. 18) Alles weitere zu den Forderungen zur Foederung des neuen Mittelstandes steht auf Seite 19 und 20 ff. Infrastruktur, Infrastrukur, Infrastruktur. Und Bildung, Bildung, Bildung fuer Deutschland. Leistung und Kreativiaet jetzet! Schluss mit Wettbewerbsverzerrendem. Endlich her mit der Gesellschaft, die die deutsche vorlaeufige Verfassung verspricht? Gemeint ist das gruendliche "Grundgesetz in der grundsaetzlichen Form, wie es unsere Gruendungsvaeter [grundsaetzlich] 1949 ausgearbeitet haben." (http://www.piratenpartei.de/tmp/Wahlprogramm_Bundestagswahl2009.pdf S. 4, siehe auch http://wiki.piratenpartei.de/Bundestagswahl_2009/Wahlprogramm) . . . * Frequently Questioned Answers Aenderungen vorbehalten! Susi Meyer/Ali Emas/Matze Schmidt