n0name newsletter #35 Berlin Mo., 28.05.2001 15:36 CET

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*Inhalt/Contents*

1. Nick. _Roman_ (Fortsetzungsroman) Teil 3
2. [Rezension] _Das aleatorische Spiel_ von Holger Schulze
3. Private Sicherheitsdienste und Polizei
   von Thomas Brunst und Juergen Korell
4. Digitale harte Arbeit
5. n0name auf CD-ROM

28 KB, ca. 9 DIN A4-Seiten, dt.


Warte erst bis die Nr. 36 rauskommt!

Ali Emas


1.

Nick. _Roman_ (Fortsetzungsroman) Teil 3

fuer Douglas Adams †

Der Knowbot legte seine Arme um Roman. Die Human-Android-Differenz war
zwar per Gesetz schon vor 1000 Jahren aufgehoben worden, um juristische
Schwiergkeiten abzustellen, aber dennoch wurden bestimmte Designmerkmale
des Kuenstlichen beibehalten, weil der Markt dafuer sorgte und einfach
weil es cool war, sich mit einem digitalen Androiden zu zeigen.

Teil 4 im n0name newsletter #36

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"Borderline" - Strategien und Taktiken fuer Kunst und soziale Praxis -
8.-10.6.2001 - Museum Wiesbaden
http://www.octopusweb.org/borderline/home.htm
n0name (http://www.n0name.de) wird live! vom Kongress berichten
--------------------------------------------------------------------------

2.

[Rezension] _Das aleatorische Spiel_ von Holger Schulze


Remix aus Zitaten, eigenen saetzen & zufaelligen und gezielten zugriff
durch aufrufen, blaettern u. beliebiges aufschlagen von Christian
Janecke. _kunst und Zufall : Analyse und Bedeutung_ Verlag fuer moderne
Kunst nuernberg, 1995. dm 65,- [Z] + Holger Schulze. _Das Aleatorische
Spiel_ wilhelm fink verlag, 2000. dm 88,- [A] und diversen Internetseiten


random remote/SteinbRuchprInzip

[A] Seite 239 "(...) alle Popkulturen bewundern die Faehigkeit, mit einem
Swing, einer kohaerenzlosen Kohaesion das eigene Leben im Griff zu haben
und locker auf Intentionen zu surfen."

die frequenzskala des radios hin und her durch-drehen funktioniert wie
das beliebige abrufen eines synthezisers, der das radio ja ist, weil es
aus signalen diejenigen herausfiltert und synthetisiert, welche dann
sinnvoll als von einer quelle ausgehend gehoert werden.

[A] S. 241 "Jede Sprache funktioniert nach burroughs als ein mischpult,
das der wahrnehmung vorgeschaltet ist. in diesem _Reality Studio_ werden
nichtsprachliche Wahrnehmungen und Erfahrungen als inkohaerent zensiert
und herausgefiltert. die uebrigen wahrnehmungen werden dann neugmischt
(...)."

was hier mythologisch der negative teil der literarischen theorie ist,
von dessen ewigem reperpetuieren von mustern man sich befreien solle fuer
eine phaenomenologische wahrnehmung, das gefaengnis der endlosen
sprachlichen kombinatorik, ist gerade die technik, die seine grenzen
beschreibbar macht.

[Z] S. 127 "Duchamps Beitrag (...) Denunzierung des individuellen
Schoepferbegriffes."

[Z] S. 178 "(...) sah Adorno in Bildern wie denen Pollocks eine zum
Ausdruck gebrachte Resignation: 'das aesthetische Subjekt dispensiert sich
von der Last der Formung des ihm gegenueber Zufaelligen, (...) es schiebt
die Verantwortung der Organisation gleichsam dem Kontingenten selbst zu
(...)."

[Z] S. 102 "(...) hatte als erster aus zufaellig fallenden
Papierschnipseln ein Bild geklebt, (...).

[A] S. 102 "(...) das kontingente Zusammensetzen einzelner (...)." "Der
Produzent erhaelt die narrenfreiheit, sich selbst zensurfrei neuartige,
(...) Zusammenhaenge zu erfinden."

[Z] S. 10 "Setzt man 'Zufaelligkeit' hingegen mit 'Unabsichtlichkeit'
gleich, so wird alles 'Absichtliche' als 'unzufaellig' firmieren.
"Hier musz alles als Unabsichtliche als zufaellig bezeichnet werden (...)"

Determinanten, Grund, Ursache, Parameter, Kausalitaet, Klassen.

[Z] S. 163 "Linien- und Flaechengebilde formen flieszende Uebergaenge,
desgleichen Knoten, Punkte und ausufernde Kleckser von auszerordentlicher
Zufaelligkeit."

[Z] S. 49 "Adorno faszt das verbleibende 'aesthetische Fuersichsein' des
Kuenstlers unter dem Begriff der 'Idiosynkrasie' (...)."

[A] S. 99 "Tzara empfiehlt, die Worte eines Zeitungsartikels als
Repertoire zu benutzen und ausdruecklich alle Worte zu aleatorisieren."
"(...) 1920 (...) 'Nehmt eine Zeitung. Nehmt Scheren.'"

sich vom intentionslosen befreien

[A] S. 29 "'Der Zufall befreit Musik von der zufaelligen Subjektivitaet.
Nur so kann - nach Cage - jene Objektivitaet der Musik zurueckgewonnen
werden.'"

[A] S. 11 Inhaltsverzeichnis

die historische + aktuelle dimensionen der aleatorik. mh, zaehlt
Aleatorik (von alea lat.: Wuerfel) auch irgendwie in der oekonomie?

[Z] S. 230 "Zufaellig sind die unzaehligen moeglichen Konstellationen
schon deshalb, weil die meisten der raeumlichen Zustaende, die das Mobile
in den Jahren eines Bestehens durchlief, dem Kuenstler gar nicht bekannt
sind oder auch nur sein konnten. Chaotisch zufaellig sind die Bewegungen,
weil sie mannigfacher Ursachenkomplexion unterliegen."

[A] S. 23 "'Kohaesion: 'sounding'/writing -> wording -> Kohaerenz:
meaning'"

[A] S. 16 zurueck zum Werk(begriff)?!

[A] S. 332 "Die vorbehaltlose Oeffnung fuer alle Zufaelle (...)."

[A] S. 336 "'Alles, was wir sehen, koennte auch anders sein. (...) Es gibt
keine Ordnung der Dinge a priori.'"

[A] 350 S. 350 "der absichtslose Modus des Arbeitens antwortet auf die
Frage: Wie komme ich zu neuen Ideen und Intentionen, zu neuen Kohaesions-
und Koehaerenzmustern?"

[A] S. 352 "Resintention"

[Z] S. 155 "Der Beobachter ist gezwungen, sein Augenmerk von einzelnen
Eindruecken auf eine moegliche Gesamteigenschaft der vielen (...)
umzulenken."

[Z] S. 250 "Gleichung, Kunst = Leben (...), Pygmalions Traum
wahrzumachen!"

[Z] S. 176 "(...) dasz unter der Oberflaeche der Ordnung das CHaos wohnt
(...)."

... und Bedeutungsaggregaten gepraegt war, zeigt Schulze auf. Dass
Avantgarde und Aleatorik als nahezu deckungsgleich aufgefasst werden
koennen, ist der Schluss ...

[Z] 25 "(...) Koinzidenz, worunter das Zusammentreffen bzw. die
Ueberlagerung von untereinander unabhaengigen Kausalketten verstanden
wird."


andere Rezensionen:
http://www.nzz.ch/2001/04/03/fe/page-article76N2F.html [28.05.2001]

weiterfuehrende Links:
http://likumed.fb3.uni-siegen.de/texte/zufall.html [28.05.2001]
http://www.hyperdis.de/txt/alte/archivx/archi008.htm


Matze Schmidt <matze.schmidt@n0name.de>

3.

dieser Artikel ist in "Buergerrechte & Polizei/CILIP 68 (1/2001)"
erschienen.


Private Sicherheitsdienste und Polizei

Von der verdeckten zur vertraglichen Kooperation

von Thomas Brunst und Juergen Korell

Seit einigen Jahren expandieren private Sicherheitsunternehmen und
dehnen ihre Einsatzbereiche bis in den oeffentlichen Raum aus. In
Deutschland sind - so das statistische Bundesamt - 2.500
Sicherheitsunternehmen mit 130.000 MitarbeiterInnen und einem
Jahresumsatz von 5,4 Mrd. DM taetig. Demgegenueber stehen den
Laenderpolizeien (237.000), dem BGS (32.200) und dem BKA (3.300)
insgesamt 273.000 Planstellen fuer PolizeibeamtInnen zur Verfuegung.

1988 loeste die Stadt Muenchen ihr Vertragsverhaeltnis mit dem Zivilen
Sicherheitsdienst (ZSD). Die Schwarzen Sheriffs waren seit 1973 -
bekleidet mit schwarzen Uniformen, schwarzen Lederjacken, schwarzen
polizeiaehnlichen Muetzen und ausgeruestet mit Schlagstoecken,
Handschellen und zum Teil mit Revolvern - durch die U-Bahnen der
bayerischen Landeshauptstadt patrouilliert. Sie hatten wegen ihrer
Brutalitaet fuer Schlagzeilen gesorgt und wurden nun abgeloest durch
die teurere, aber weniger martialisch auftretende Wach- und
Schlieszgesellschaft.

Waren die Schwarzen Sheriffs noch ein Skandal, so hat insbesondere der
Einsatz privater Sicherheitsunternehmen in Einkaufspassagen die
Hemmschwellen bei den staedtischen Verwaltungen sinken lassen. Verlockend
ist fuer sie vor allem das Kostenargument: Eine Arbeitsstunde bei der
Polizei kostet ca. 120 DM, bei den privaten Sicherheitsdiensten ca. 40 DM.
Vergessen wird dabei, dass die privaten Sicherheitsunternehmen mit einem
Brutto-Stundenlohn, der Anfang der 90er Jahre bei gerade 11 DM lag, keine
qualifizierten Kraefte einstellen koennen und vielfach - wie der Hamburger
Buergerschaftsabgeordnete Manfred Mahr bemerkte - "verkappte Schlaeger in
Uniformen gesteckt werden". Dass die Sicherheitsfirmen auch heute nicht
unbedingt zimperlich vorgehen, zeigt ein Beispiel aus Berlin, wo ein
Kaufhausdetektiv zwei Auslaendern den Firmenstempel des
Sicherheitsunternehmens mit dem Hinweis "Ladendieb" in Ausweis und
Fuehrerschein stempelte. In Hannover wurde der hausinterne
Sicherheitsdienst von einem Kaufhauskonzern beauftragt, die Drogenszene
um das Kaufhaus herum mit Videokameras aufzunehmen, die Verdaechtigen
festzunehmen und sie zusammen mit dem Filmmaterial der Polizei zu
uebergeben. Die Betroffenen haben selten eine ausreichende
Beschwerdemacht, und eine Mehrheit der Bevoelkerung stellt sich die Frage,
was daran schlecht sein kann, wenn Kriminalitaet aufgeklaert
und Sicherheit produziert wird.

Dies legt u.a. eine Untersuchung im Auftrag des BDWS (Bundesverband
Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen - Wirtschafts- und
Arbeitgeberverband e.V.) nahe, bei der 2.540 BuergerInnen befragt wurden,
ob bestimmte Aufgaben eher von privaten Sicherheitsdiensten oder der
Polizei ausgefuehrt werden sollen. Danach befuerworten 73,2%, dass der
Ordnerdienst bei Sportveranstaltungen von privaten Sicherheitskraeften
geleistet wird. 61,5% wollen die Privaten beim Streifendienst in
Einkaufspassagen sehen, 58,6% beim Objektschutz von oeffentlichen
Gebaeuden, 57% bei Kontrollen im oeffentlichen Nahverkehr, 55,6% bei
Personenschutzaufgaben, 53,6% bei der Schwertransportbegleitung und 52,6%
bei der UEberwachung des ruhenden Verkehrs. 44,1% wollen ihnen den Schutz
von Wohnvierteln und 42% den Streifendienst auf oeffentlichen Wegen
ueberantworten. Dass Bagatell-Unfaelle von privaten Sicherheitsleuten
aufgenommen werden, finden nur noch 34,8% gut. Lediglich 22,4% der
ProbandInnen wollen eine private Unterstuetzung der Polizei bei der
UEberwachung des flieszenden Verkehrs. Sobald die Befragten
durch den Einsatz privater Sicherheitsdienste eine persoenliche
Beeinflussung sahen, nimmt die Zustimmung offensichtlich ab.


UEbernahme hoheitlicher Aufgaben

Privaten Sicherheitsunternehmen stehen bislang keine speziellen
Eingriffsbefugnisse zu. Sie koennen nur wie alle BuergerInnen die
sogenannten Jedermann-Rechte in Anspruch nehmen. Trotzdem findet die
Verlagerung hoheitlicher Aufgaben stillschweigende Duldung. Stellenweise
war sogar daran gedacht, oeffentliche Plaetze an Geschaeftsleute zu
verpachten, um so die Moeglichkeiten des Einsatzes privater
Sicherheitsunternehmen zu erweitern. Die Hamburger Innenbehoerde pruefte
1997 einen entsprechenden Vorschlag des Geschaeftsfuehrers der Allgemeine
Sicherheitsdienste GmbH und frueheren Innensenators Werner Hackmann. Der
damalige Vizepraesident des BKA, Gerhard Koehler, dachte Angang der 90er
Jahre gar an eine Beleihung hoheitlicher Aufgaben, womit er deren
UEbertragung auf Sicherheitsunternehmen meinte. Die Legitimitaet solcher
Forderungen wird erhoeht, wenn die Qualifikation und die Ausbildung der
MitarbeiterInnen solcher Unternehmen verbessert wird - eine Forderung, die
nicht nur der BDWS, sondern auch Bundesinnenminister Otto Schily erhebt,
der die gesetzlichen Grundlagen fuer private Sicherheitsdienste
neu regeln moechte.

Zwar wird immer wieder beteuert, dass das staatliche Gewaltmonopol
unangetastet bleiben muesse und privaten Sicherheitsunternehmen keine
polizeilichen Befugnisse zukaemen. Die Grenzen sind allerdings flieszend.
Nach Auffassung der Hamburger Innenbehoerde nehmen Mitarbeiter von
Sicherheitsunternehmen hoheitliche Aufgaben wahr, wenn sie beispielsweise
fuer die Deutsche Bahn AG arbeiten. Die Bewertung gruendet auf einer
Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamburg vom 2. November 1983, wonach
Mitglieder einer Ordnungsgruppe eines unter staatlichem Einfluss stehenden
Verkehrsbetriebes im strafrechtlichen Sinne Amtstraeger sein koennen.
Polizeiliche Befugnisse lassen sich aus der Amtstraegereigenschaft im
strafrechtlichen Sinn nicht ableiten. Fuer Amtstraeger gilt jedoch nach
§ 113 StGB das Privileg des sogenannten strafrechtlichen
Rechtmaeszigkeitsbegriffs. Notwehrhandlungen gegenueber den Amtstraegern
sind unzulaessig, solange die Diensthandlung den wesentlichen
Foermlichkeiten entspricht und nach pflichtgemaeszem Ermessen
vorgenommen wird. Die Amtstraegereigenschaft ist allerdings in jedem
Einzelfall zu pruefen.

1994 forderte der Vorsitzende der Douglas Holding, Joern Kreke, dem
Einzelhandel in Hamburgs City Hausrechtsfunktionen in Fuszgaengerzonen und
Einkaufsstraszen einzuraeumen, "um in eigener Regie gegen Kriminalitaet,
Ruepeleien, Verunreinigungen und andere Auswuechse vorgehen zu koennen".
Der Vorschlag stiesz damals auf wenig Resonanz. In einigen Staedten hat
man ihn jedoch praktisch umgesetzt. So traten 1991 Einzelhandelsgeschaefte
in Bochum, unterstuetzt von der lokalen Industrie- und Handelskammer, mit
einem "Sicherungskonzept Innenstadt" (SKIB) hervor, das von einem "Verein
zur Bekaempfung organisierter Ladendiebstaehle in der Bochumer Innenstadt
e.V." getragen und ueber die Beitraege der Kaufleute finanziert wird.
SKIB koordiniert die Aktivitaeten stationaerer Ladendetektive in den
Geschaeften und mobiler im oeffentlichen Straszenraum, der von den
professionellen Dieben als Ruheraum genutzt wuerde. Der Verein wertet
monatlich die Einsatzprotokolle der Koordinierungsstelle aus und erstellt
fuer seinen Bereich eine Art Kriminalitaetslagebild. Monatlich seien
dadurch "ein bis zwei Dutzend professionell arbeitende Ladendiebe"
festgenommen worden.

Kooperativen von Ladenhausdetektiven gibt es anderenorts. Mit modernen
Kommunikationsmitteln und koordiniert ueber eine Zentralstelle mit
Verbindung zur Polizei geben sich die Detektive nicht mehr damit
zufrieden, Ladendiebe bei einem Diebstahl zu fassen. Sie wollen groeszere
Erfolge, observieren Verdaechtige in verschiedenen Geschaeften und auf der
Strasze und greifen erst nach mehreren Taten zu. Die Polizei freut das,
bekommt sie doch gleich mehrere geklaerte Faelle frei Haus geliefert und
kann ohne eigenes Tun ihre Aufklaerungsquote aufpolieren.


Kooperation mit der Polizei

Dass die Polizei die Scheu vor den "Privaten" verloren hat, ist
offensichtlich. Der Grundstein fuer eine foermlichere Zusammenarbeit wurde
1993 an der Polizei-Fuehrungsakademie (PFA) in Muenster-Hiltrup gelegt.
Dort trafen sich Polizeifuehrer mit Vertretern des Sicherheitsgewerbes
unter dem Kuerzel BOS (Behoerden und Organisationen mit
Sicherheitsaufgaben). Wegen der staendig wachsenden Kriminalitaet und
der schwindenden Personalstaerke bei der Polizei, so hiesz es dort, sei
die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsunternehmen ein Gebot der Stunde.
Man befuerwortete die Vereinbarung einer engen Zusammenarbeit mit
verteilten Rollen als sogenannte Sicherheitspartnerschaften.
Wie das aussehen kann, zeigt die Vereinbarung ueber eine
Ordnungspartnerschaft, die Bundesinnenminister Schily als Dienstherr
des Bundesgrenzschutzes (BGS) im vergangenen Jahr mit dem
Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, schloss.
Sichere, saubere und ordentliche Bahnhoefe erforderten eine enge
Verzahnung bahnpolizeilicher Masznahmen und der Sicherheitsvorsorge der
Deutschen Bahn, liesz Schily die OEffentlichkeit wissen. Der bahneigene
Sicherheitsdienst (BSG) solle daher zusammen mit BGS-BeamtInnen auftreten.
Die Bundespolizei BGS wird bei der Zusammenarbeit mit den privaten
Diensten durch deren Wahrnehmung des Hausrechts unterstuetzt. Gleichzeitig
soll der Informationsaustausch zwischen den Fuehrungsebenen des BGS und
der Bahn intensiviert werden. Aus gemeinsamen Lagebildern sollen
entsprechende Masznahmen abgeleitet werden, bei denen der BGS die
Einsatzleitung zu uebernehmen hat. Man fuehrt gemeinsame UEbungen durch
und unterstuetzt sich gegenseitig bei der Fortbildung der
MitarbeiterInnen, um fuer Ad-hoc-Lagen und Schwerpunkteinsaetze gewappnet
zu sein.

Die gemeinsamen Einsaetze erfolgen nach unterschiedlichen Modellen: Sie
reichen von der oertlichen und zeitlichen Abstimmung der jeweiligen
uniformierten Streifen von BGS und BSG in einem Einsatzraum bis zu
gemischten Streifengaengen. Auf diese Art verbinden sich das
kostentraechtige Know-how der Polizei mit der Wirtschaftlichkeit des
privaten Sicherheitsunternehmens. Die Vereinbarungen werden von einer
Koordinierungsgruppe ueberprueft. Bei der Security der Bahn AG ist ein
Verbindungsbeamter des BGS eingesetzt.

Die Polizeigewerkschaft im Deutschen Beamtenbund (DPolG) warnte vor den
gemischten Streifen. Sie sieht darin eine potentielle Gefaehrdung der
PolizeibeamtInnen und befuerchtet, dass sich Kriminelle ueber die privaten
Sicherheitsunternehmen in die Polizei einschmuggeln und als Spitzel
Einsatzplanungen und Funksprueche erkunden. Die Gewerkschaft der Polizei
(GdP) bezweifelt, dass es den gemischten Streifen moeglich ist, Recht und
Gesetz in der taeglichen Praxis einzuhalten. Trotzdem spricht sich die GdP
nicht gegen eine Zusammenarbeit mit den Unternehmen aus, sondern tritt
vielmehr fuer eine "enge Zusammenarbeit aller Institutionen und Kraefte"
ein, "die zu einer Verbesserung sowohl der objektiven Sicherheitslage wie
auch des subjektiven Sicherheitsgefuehls beitragen koennen".

Die geballte Praesenz von Sicherheitsleuten in Bahnhoefen offenbart den
Anspruch der Wirtschaft auf ein ungestoertes Konsumverhalten ihrer
Kundschaft. Den Bahnreisenden koennen innerhalb weniger Minuten drei
Doppelstreifen in den Bahnhoefen begegnen. Sechs PolizeibeamtInnen - das
entspricht oftmals der Dienstschichtstaerke eines fuer 40-50.000
BuergerInnen zustaendigen Polizeireviers. Entgegen anderer Verlautbarungen
ist Sicherheit nicht in erster Linie Teil des gesellschaftlichen
Zusammenlebens, sondern mehr und mehr Faktor wirtschaftlicher Interessen.

Vertragliche Kooperation zwischen Polizei und privaten
Sicherheitsunternehmen gibt es auch auf der Ebene der Polizeipraesidien.
Anfang Juni 1999 vereinbarten die Duesseldorfer Sicherheitsfirmen
Securitas, Koetter Security, WSD (Wach- und Sicherheitsdienst) und
Bewachungsdienst Rheinland ein zeitlich befristetes Pilotprojekt mit der
Polizei der nordrhein-westfaelischen Landeshauptstadt.
Nicht befristet ist der Vertrag, den am 17. Juni 1999 der damalige
Frankfurter Polizeipraesident Wolfhard Hoffmann mit der Landesgruppe
Hessen des BDWS schloss. Die Sicherheitsunternehmen sind danach gehalten
zu beobachten, zu erkennen und zu melden. Im Gegenzug erhalten sie
die entsprechenden Informationen, z.B. ueber Fahndungen, von der Polizei.
Gleichzeitig teilen die Sicherheitsdienste der Polizei ihre Einsatzgebiete
und uebernommenen Aufgaben mit. Zur Gewaehrleistung des
Informationsaustausches wurde von den privaten Sicherheitsunternehmen eine
gemeinsame Informations- und Ansprechstelle (IAS) eingerichtet, die eine
direkte Verbindung zum Fuehrungs- und Lagedienst der Polizei unterhaelt.
Anlassbezogen kann ein Mitarbeiter der IAS zur woechentlichen Montagsrunde
im Polizeipraesidium Frankfurt eingeladen werden, an der auch Vertreter
von BGS, Ordnungsamt und anderen Organisationen teilnehmen. Im vergangenen
Jahr haben auch das Wiesbadener Polizeipraesidium und die Landespolizei
von Mecklenburg-Vorpommern Vereinbarungen mit dem BDWS unterzeichnet.
Frankfurt hat mit dem Vertrag zwischen Polizei und BDWS das Beispiel
abgegeben, dem auch weitere Polizeipraesidien und Laenderpolizeien folgen
werden. Die Erfahrungen mit den privaten Sicherheitsdiensten scheinen
jedoch auch in der Mainmetropole nicht immer gut. Die Stadt beschloss
1999, die Securitas nicht laenger mit der UEberwachung des ruhenden
Verkehrs zu betrauen, und greift wieder auf staedtische Beamte zurueck.
Ein Gutachten hatte festgehalten, dass die Ausgaben fuer die privaten
Hilfspolizisten 1998 die Einnahmen um 104.227 DM ueberschritten.
Geruegt wurden zudem das wenig buergerfreundliche Verhalten sowie die
mangelnden verkehrserzieherischen Erfolge der privaten
Verkehrsueberwacher. Die Gutachter fuehrten dies auf die mangelnde
Ausbildung zurueck. Anzeigen seien fehlerhaft aufgenommen, Parkscheine
und Ausnahmegenehmigungen nicht sorgfaeltig genug geprueft sowie
Verkehrszeichen fehlinterpretiert worden.


Kommunizierende Informationsroehren

Der Verschmelzungsprozess zwischen den privaten Sicherheitsdiensten und
der Polizei ist in Gang gesetzt. Von dem Informationsaustausch und der
Partnerschaft zwischen den "BOS" duerften jedoch in erster Linie die
"Privaten" profitieren. AEhnlich verhaelt es sich bei den privaten
Fahndungsbueros, deren Mitarbeiterinnen zu einem Groszteil ehemalige
PolizeibeamtInnen sind.
Die Koetter Unternehmensgruppe versucht die Verbindungen zu Polizei,
Bundeswehr und Justiz durch einen Sicherheitsbeirat zu intensivieren.
Geschaeftsfuehrer Friedrich P. Koetter moechte damit auf die
"unveraendert labile Sicherheitslage" reagieren. Mitglieder des
Sicherheitsbeirates wurden der ehemalige GSG 9-Chef Ulrich Wegener, der
Bundesvorsitzende des Bundesgrenzschutzverbandes in der GdP Hubertus
Gruetzner und der Erste Polizeihauptkommissar a.D. Klaus Homeyer. Ziel des
Sicherheitsbeirates ist es, zukuenftig eine "moeglichst reibungslose und
vernetzte Zusammenarbeit oeffentlicher und privater
Sicherheitsdienstleistungen herbeizufuehren".

Private Ermittler profitieren nach eigenen Angaben immer wieder von
schlampiger Polizeiarbeit, die gerade bei den sogenannten Alltagsdelikten
festzustellen sei. Geschaedigte Unternehmen wenden sich an private
Ermittler, ohne die Polizei einzuschalten, weil es letztendlich zwischen
den Arbeitsweisen der polizeilichen und privaten Ermittler keine
prinzipiellen Unterschiede gibt. Darueber hinaus sind die Interessenlagen
von Geschaedigten und der Polizei unterschiedlich. Der Polizei geht es in
erster Linie um die Taeterermittlung, waehrend die Geschaedigten in der
Regel mehr Wert auf die Schadenswiedergutmachung legen.
Private Ermittler brauchen keine Informationsdefizite zu befuerchten.
Verbindungen der Ex-PolizistInnen zu ihren frueheren Kollegen - das
"Old-Boy-Network" - kann solche Maengel in der Regel auffangen. Lothar
Mahlberg verweist darueber hinaus auf die Praxis des "Moonlighting", bei
der polizeiliche Fahnder gegen Bezahlung einzelne Fahndungsaufgaben von
ihren privaten Kollegen uebernehmen. Die Grenze des legalen
Informationsaustausches wird dabei sehr schnell ueberschritten. Solche
Praktiken machen deutlich, wie zwingend eine enge gesetzliche Regelung
privater Sicherheitsaufgaben ist. Dabei muessen der Datenschutz sowie die
oeffentliche Kontrolle privater Sicherheitsunternehmen im Vordergrund
stehen.

Thomas Brunst ist Vorstandsmitglied der BAG Kritischer PolizistInnen
(Hamburger Signal) e.V.; Juergen Korell ist Polizist und Mitautor des
Buches "Polizeiskandal - Skandalpolizei", Verlag Westfaelisches Dampfboot.

Infos: Thomas Brunst <safercity@hotmail.com>, http://www.safercity.de

4.

Digitale harte Arbeit

Es war einmal eine Gewerkschaft (IG-Metall Chemnitz), die wollte auch
Netzkunst ...
"Wer bin ich heute? Was werden wir morgen tun?" wurde gefragt,
um kuenstlerische Projekte zu foerdern, die das Internet als
kommunikativen Raum fuer die Auseinandersetzung mit Themen der Zukunft
nutzen. Dafuer gab es 8.000,- EURO Preisgeld, das ganze hiesz
"Internetkunstpreis 2001". http://www.NET-Z-LAB.de

Die zweiseitige Rolle der Metaller - als Vermittler zwischen
Groszapitalist und Kleinkapitalist - die z.B. in der Stahlstadt Dortmund
zur aussterbenden 'Arbeiterrasse' gehoeren (dort will man demnaechst
Netzkunst sammeln), bindet sich hier heikel mit einem Anschluszversuch an
die Diskussion um die Skills jugendlicher Informationsarbeiter, die nicht
nur abgefragt werden: "Die nominierten Beitraege werden fuer
Dokumentations- und Forschungszwecke zehn Jahre lang auf dem Server
archiviert."!

Inwieweit entfernt sich die IG von der vorherrschenden Idee der Arbeit,
oder vollzieht die Transformation derselben in einen pauschalen
Kreativitaetsbegriff im Zeitalter immaterieller Werte?
Und warum ruesten Staedte (Veranstalter: IG Metall Chemnitz, Stadt
Chemnitz Kulturamt Partner: TU-Chemnitz/ Institut fuer Print- und
Medientechnik, Saechsisches Industriemuseum Sponsoren: artemedia ag)
jetzt wenigstens die Kunst digital auf?
Genau diese Stelle bearbeitete francis aus Leipzig mit:

Digital Work


# What?

From 1st of March till 30th I produced files
working for one hour each day.
The file consists of one or two statements
wich will be copied into it again and again
until one hour has passed. The pasting happened
by pressing Strg+V and Enter during that hour.


# The statements

The statements are thoughts about the status
of digital work and general reflections on
the use of computers within a production-
environment. It turns out that creativity is
the main myth of the digital age, while most
digital work is repetetive (although it is
complex). Further ideas You'll get when
directly browsing an reading the files 1.txt -
25.txt.


# Live action

On 29th I did the copy&paste-work at the "Shop
For Nothing", a small galeryspace in Leipzig.
I worked for 5 hours while people were around
watching the situation or talking. You can have
a look to images in the DOCU folder 1.jpg - 7.jpg
or start a 2 minute video by pointing to
digitalwork.ram (realvideo).


# Further material

Within the mail-folder You'll find my e-mail exchange
on the digital work topic during march 2001.

Within 30 days I've produced 16,1 Mb (16.933.856 Bytes)
on different computers.


For any questions You may contact me at francis@hgb-leipzig.de.

francis


Ali Emas <ali.emas@n0name.de>

5.

Alle n0names jetzt auf der CD-ROM _1.4_ plus Datenmuell und Surplus!

mit schoenem edding-Cover von X .

erhaeltlich fuer DM 5,- (plus DM 3,- Porto) bei n0name, c/o Matze Schmidt,
Manteuffelstr. 70, D-10999 Berlin (Kreuzberg), Germany, +49(0)170/5370633
(D1), label@n0name.de oder susi.meier@n0name.de

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D-10999 Berlin (Kreuzberg), Germany, +49(0)170/5370633 (D1),
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n0name is a Open Profit/Non-Profit Content-Provider & Sampling System.
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