http://img.kronline.at/hps/upload/hxmedia_slide/2005/02/18/5_22ouNZ39fmwaE_0_343x400.jpg Dr. Motte |<------ Breite: 72 Zeichen - Fixed Width Font: Courier New, 10 ------>| @-) n0name nachrichten #146 Mi., 12.05.2010 15:17 CET *Inhalt/Contents* 1. Negative Booking 2. Mit T-Shirtz kann man keine Politik machen 3. Rezension von Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot_ 43 xx KB, ca. xx DIN A4-Seiten ------------------------------------------------------------------------ Diese Notiz fand 'sich' in der Vorbereitung des nn #146: Wegnehmen und Wegnehmen altes Kinderspiel -- Kreativwirtschaft, Virno -- Selbstvermarktung ist die Kretaivitaet http://www.austinkleon.com/newspaperblackout |<--- Die Breite: 72 Zeichen - Fixed Width ... wird hier verlassen --->| VORSICHT! German Umlauts 1. Negative Booking Der folgende E-Mailpolylog zwischen diversen Protagonisten einer sogenannten Szene spinnt einige querverlaufende Faeden zum Knoten (nicht The Knot) aus Sound, Politik der Stadt und kleinen Buergern mit ihrem Kramladen. "Volkers Kramladen", so hiess einmal eine Autorensendung von Volker Rebell mit ruhiger Stimme im hr, die war so multimulti. Der Farmer Dr. Motte (mit Cowboyhut und Starhabitus) trat bei der Demo "Eintreten fuer den Buergerentscheid" am 12. Mai vor der Liegenschaftsfonds GmbH, Warschauer Str. 41-42 auf und drehte alles so schoen Zurechtgemachte, also den Protest in ihre scheinbar wirklichurselbsteigentliche Richtung der Clubkultur "Wir wollen feiern und tanzen", also das, was er und seine Loveparade Berlin GmbH seit mehr 20 Jahren erzaehlen. Ueberhaupt werden Kultur und Tradition des Standorts bei den eher Politischen und den eher Hedonisten der alten Schule immer zu dem gemeinsamen Nenner des "Wir machen den echten Underground". Folglich machen sie Underunderground? 38317 fragte ja, ob sichs Trommeln fuers Maria lohne. Aus Bens Antworten sollte klar geworden ssin, dass s Maria nicht und nie fuer mich/uns/dich/euch Trommeln wird. Keine Werbetrommel und keine Finger. "Trommeln fuers Maria! Trommelts Maria auch fuer mich?" wird wohl alsbald als Track erscheinen, zusammen uebrigens mit "The Sound of McDonald's" als dem Auftakt-Hit fuer die, ja die Grosse McDonald's Berlin Tour. Problem ist freilich, dass das dann in die Naehe daemlicher Konzernkritik rueckt. Der Ansatz is aber n anderer: Aufzeigen von Grenzen der Rueckeroberung der Stadt. Das sich-selber-Einbuchen in konzertante Raeume, die keine sind, waere damit nicht neu* und wieder nur Underundunderground. Die getrommelte Reportage aus dem Kiezkiez muss erstmal aufgeschoben werden. Oder ist es so wie Ben (nicht der Saenger) und Adorno sagen?: "50er waren Rock'n'roll, 60er waren Beat, 70er waren Rock 80er waren Neue Deutsche Welle oder Punk, und die 90er waren Techno. [...] Wir warten alle 10 Jahre auf neue Musik, im Moment warten wir aber immer noch - bis jetzt ist noch nichts passiert. Es gibt im Moment nur Schnittmengen [...]". Mh, es war und ist wohl eher so: Die 70er/90er waren Jazz oder Punk oder Noise oder Klassik. Der Massenhauptfluss, ist der je gewesen, wie sich das die soziologistischen Kneipiers das vorstellen? Eher so wie diese(s) hier: Es handelt sich beim Textchen "Negative Booking" vor allem um offene Interna der Berliner Clubpolitik, die Hausbaupolitik, die Stadtraumpolitik ist. Frankfurt am Mainer sollte solch kryptisches Material eigentl. interessieren, deshalb ja auch (Zitat:) "was in FFM Frankfurt selbst ist [Westhafen etc.], wird morgen die Mediaspree [in Berlin], nur fetter, duemmer." > ich verstehe nur "Bahnhof" und nicht mal FFM HBF, ... Ganz wie Dr. Motte -- der auf http://drmotte.de mit einem Track den "Klang der Familie" beschwoert -- mit seinem Beispiel aus Muenchen, dem "Kunstpark Ost" seine Naehe und die anderer Club-Betreiber zur "wunderbaren Clubkultur" und dem Standortfaktor Kultur dokumentiert, wuerde der Rummelplatz fuers Weekend aussehen (Tempelhof?) koennen: "Unter anderem befinden sich dort auf rund 10.000 Quadratmetern 26 Clubs und Bars, auf 30.000 Quadratmetern eine Konzerthalle, ein Kunstforum, Europas höchste Indoor-Kletterhalle, gewerbliche Einrichtungen, bildende Künstler und ein Kindergarten." (http://de.wikipedia.org/wiki/Kultfabrik#Kunstpark_Ost_.28KPO.29) _________________________ * Siehe www.displaced-dilemma.de/Deplazierte-Dilemmas.html, interessant jetzt im Abstand von ein paar Jahren das chaotische Flanieren vom Modernistischen Kleinschreiben und Sich-Vermitteln zum Leck-mich und zurueck im Text. M > Bis heute, um 8, oder? Sagtes Du nicht, Ben haette geschrieben er koenne nicht? Mh, das haette ja ein rehearsal werden koennen und er haette uns buchen koennen, wenn er gekommen waere, haette, wuerde. > Wir können ein Konzert übrigens selbst promoten, denn wir sind alle > erfolgreiche Blogger. > Ich hab am 6.6. übrigens keine Zeit. > Gruß > Robert Richtig, aber 'wir' wollen das ja diskutieren und nicht nur PR machen, zumindest ich. Die Sache in festen Bandrahmen zu denken, ist eher undienlich. Wer wann wie spielen kann ist Free Jazz. Ich bin sowieso dafuer, (in diesem Fall) nur noch fertige Tracks abzuspielen und dann darueber zu improvisieren. Den Ben interessiert das ja bestimmt jetzt 0 und er muss sich das alles ja nicht mehr wirklich durchlesen, denn wie soeben von der AG Spreeufer zu erfahren war, "hat der Steuerungsausschuss des Liegenschaftsfonds in einer vorgezogenen Sondersitzung am 6. Mai 2010 den Verkauf des Maria-Grundstuecks beschlossen." Jetzt kanns Maria also zusehen, ob es die Mille aufbringt oder Peng. Na, beim SO36 dachten ja auch alle, das Geld fuer die Schallmauer bringen die nie auf. Bin also weiterhin fuers Negative Booking. Dort spielen wos keiner erwartet, also nicht loopen auf Flohmaerkten und im Goethe-Institut oder auf der Expo in Shangai. CU im KNAACK bei der Session heute abend sponsored by Deutsche Klassenlotterie (http://www.orwohaus.de/index.php?id=3&L=1%20%20%2F%2Ftemplate...sample.php%3FSite_Path%3D%2F%2Ftemplates%2Fmangobery%2Ffooter.sample.php%3FSite_Path%3D..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2F..%2Fetc%2Fpasswd). Matze > Matze Schmidt wrote: >> Danke fuer die prompte AW. Als Entscheidungsgrundlage hier mal zwei >> uebervolle Demos zum Anklicken. Das erste mit moeglichst 'schlechten' >> aber thematisch passenden Stuecken, das zweite mit den 'guten': >> >> >> Demo I >> >> "Friede Den Palaesten Berlin Vers." >> http://www.n0name.de/38317/berlin/friede_den_palaesten_berlin_vers.mp3 >> >> "Boorlyn" >> http://www.n0name.de/38317/boorlyn/boorlyn.mp3 >> >> "Hauptstadtkulturfront" >> http://www.n0name.de/38317/hskf/hauptstadtkulturfront.mp3 >> >> "Raum Plasmavers." >> http://www.n0name.de/38317/konzert/raum_plasmavers..mp3 >> >> "We play H&M Acoustic" >> http://www.n0name.de/38317/hm/we_play_hnm.mp3 >> >> >> & als Bonus das bereits erwaehnte >> >> >> "FREE PROLET" >> http://www.n0name.de/38317/prolet/free_prolet.mp3 >> >> >> >> Demo II >> >> "Zentrales Randlager" >> http://www.n0name.de/38317/berlin/zenlager.mp3 >> >> "Telekommi" >> http://www.n0name.de/38317/telekommunist/telekommi.mp3 >> >> "The medium is the profitage Extension" >> http://www.n0name.de/38317/medium/the_medium_is_the_profitage-extension.mp3 >> >> "New Wave (of Immaterialism) Wilsonvers." >> http://www.n0name.de/38317/newave/new_wave_of_immaterialism-wilsonvers.mp3 >> >> "Der Tod ist ein Weltmeister aus Deutschland Finale Vers." >> http://www.n0name.de/38317/wmausd/der_tod_ist_ein_weltmeister_aus_d-finalevers.mp3 >> >> >> Dazu ein Zwischenfazit -- ohne allzu frech zu werden: Wir koennten also >> gerne spielen wenn die Musik gut ist und Euch gefaellt, Ihr aber nichts >> damit verdient. Und wir koennten noch wahrscheinlicher gerne spielen, >> wenn die Musik gut ist, Euch gefaellt und Ihr was damit verdient ... >> normal. >> >> Der 03.07. "muss" es natuerlich auf jeden Fall sein. Negative Booking >> eben. >> >> Wenn Dus als Joke auffasst, brauchst Du nicht mehr antworten ;) Ich >> bleibe beim Angebot, es passte auch der Tag nach dem Protesttag des 5.6. >> = der 6.6. >> >> Gruss >> >> Matze >> >> >> Am Monday, May 10, 2010, 8:00:40 PM, you wrote: >> >>> Ich kann mir vielleicht vorstellen das ihr spielt, wobei ich gerne wüsste, >>> was ihr spielt. >>> Negative booking in Ehren, wir sind eben kein soziokultureller Verein, >>> sondern so etwas wie ein Inhabergeführtes Fachgeschäft. >>> Sprich wenn Musik gut und uns gefällt immer gerne, wenn wir was damit >>> verdienen noch besser, wenn gar nicht geht`s nicht. So einfach kann das >>> sein. Das wir zufällig an der Spree ansässig sind verleitet da eher zu >>> Vereinnahmung verschiedenster Interessen, die nicht ursächlich unsere sind >>> oder sein müssen. >>> >> >> >>> Am 03.07. Passt es definitiv nicht, soviel dazu. >>> Best >>> Ben >>> >> >> >> >> >>> Am 10.05.10 19:49 schrieb "Matze Schmidt" unter : >>> >>>> ------------------------------Selbstanzeige----------------------------- >>>> >>>> "Haupt Stadt Kultur Front" >>>> >>>> Front der kulturellen Hauptstadt, oder Hauptstadt der Kulturfront, >>>> oder Hauptstadtfront der Kultur, oder Stadt der Fronthauptkultur. >>>> >>>> -----------------------------www.-shirtz.org---------------------------- >>>> >>>> >>>> Datum: Mo., 10. Mai 2010 19:38:48 >>>> Von: Matze Schmidt >>>> An: ben@clubmaria.de >>>> Betreff: "Booking" Anfrage >>>> >>>> Hallo, >>>> >>>> ich moechte gerne am Fr., 3.7.2010 um 16:30 Uhr anlaesslich der >>>> Veranstaltung "Heimat Metropole - Sozialdemokratische Politik fuer >>>> moderne Grossstaedte" (im Nachbar Radialsystem ;) ) mit meinem >>>> Bandprojekt 38317 im Maria spielen. Wir "performen" ca. 1 Stunde, ohne >>>> Gage und vermutlich soetwas: www.n0name.de/38317/prolet >>>> >>>> Technisch benoetigen wir nichts, ausser etwas Strom. Bei gutem Wetter >>>> spielen wir gerne auch draussen. Freigetraenke waeren cool. >>>> >>>> Die Anfrage ist bewusst etwas knapp & dreist formuliert, jedoch ernst >>>> und nicht nur metaphorisch gemeint. Sozusagen ein negatives Booking. >>>> "Negative Booking" ist das Neuste aus London, dort bucht man sich >>>> neuerdings selbst in die Konzerthallen, in denen man schon immer mal ... >>>> aber den Eintritt nie ... . Ich denke, die "nichtkommerzielle >>>> experimentelle Nutzung" des Spreeraumes, die z.B. Mediaspree Versenken >>>> -- auch im Hinblick auf den Verkauf des Grundstuecks am Ufer -- >>>> zitieren, kann auf diese Art locker eingloest werden. >>>> >>>> Was meint Ihr? Draengen wir uns rein? Seid Ihr kein Kultursozialverein? >>>> Es ist naemlich garnicht so einfach alle Spreepiraten >>>> aus ein ander zu halten. "Lassen Sie uns gemeinsam fette Beute machen", >>>> sagen die Spreepiraten der EU auf www.spreepiraten.eu, die Spreepiraten >>>> sind aber auch "die 14-jaehrigen Zwillinge Marie und Louise, ihr Bruder >>>> Matze [nicht ich] und ihre Schwester Trinchen. Zusammen erleben sie >>>> viele Abenteuer in Berlin", meint jemand ganz ganz Fan hier: >>>> de.wikipedia.org/wiki/Spreepiraten, "und die letzten Partygaeste >>>> verlieszen den Laden gegen 16.00 Uhr!" tippten die echten (?) >>>> www.spreepiraten-berlin.de, waehrend kreuzberg-info.de/pirati als Teil >>>> des www.antifa-versand.de/zoom.php?produkt=317 auf einer Liste mit >>>> Andrej Holm sehr nahe am, kapitalistische Verhaeltnisse verkuerzenden, >>>> Soziologen-Begriff der Gntrfzrg unter Ihrem Label AG Spreepirat_innen >>>> stehen. >>>> >>>> Verdraengung ist ja nur der Effekt, das Phaenomen. Luft und Wasser sind >>>> spaetestens seit ihrer industriellen Nutzung privat und kaeuflich. Die >>>> industrielle Nutzung, sprich die Ausbeutung der Ressourcen fuer den >>>> notwendigen Profit der Einzelkapitale gegen alle anderen Kapitale, >>>> spielt sich vor allem im Stadtraum ab, dessen Produktion nicht denen >>>> gehoert, die sie machen (zumindest das kann man bei einer kritischen >>>> Lektuere von Henri Lefebvre lalala lernen, aber eher nicht von z.B. >>>> Jochen Becker). Ja, und mediaspreeentern.blogsport.de haben Johnny Depp >>>> von irgendwo vor Kubawood als Besetzer des 5. Juni auf dem Plakat. An >>>> jenem Samstag kann ich aber leider nicht, da muss in Tuebingen der >>>> Vortrag "Noise, eine Diskussion anti-revolutionaerer Revolutionaere" >>>> gehalten werden, u.a. ueber Jacques Attali und die Rolling Stones. >>>> Danach gehts aber schnell wieder in die noch nicht bezahlte Wohnung nach >>>> B zurueck. >>>> >>>> Ueber eine Zusage wuerde ich mich sehr freuen! >>>> >>>> Mit vielen Gruessen >>>> >>>> Matze Schmidt >>>> >>>> >>>> >>>> __ __ __ __ >>>> __| |__| __| | | >>>> __| |__| __| | | >>>> >>>> "NEVER STARTING TOUR" >>>> www.38317.tk >>>> >>>> May >>>> 12 Berlin, Germany.............................."Trommeln fuers Maria! >>>> Trommelts Maria auch fuer mich?" >>>> Mediaspree Versenken! >>>> STRSNMSK vor Warschauer Str 41-42* >>>> >>>> Was ist denn ein "amtlich festgestellter Buergerwille"? (ms-versenken >>>> .org) Offensichtlich genau das, die Hoffnung auf die Zubilligung >>>> buergerlicher Rechte, die per Petition usw. Unds Maria? (clubmaria. >>>> de) Was kostet da nochmal der freie Eintritt, Ihr Spreepiratinnen? >>>> (kreuzberg-info.de/pirati) >>>> _______________ >>>> * Nur bei (auch psychisch) gutem Wetter! >>>> >>>> Boom Crash Bang >>>> www.n0name.de/38317/boomcrash >>>> >>>> Sponsored by t-shirtz.org >>>> ------------------------------------------------------------------------ 2. Matze Schmidt Mit T-Shirtz kann man keine Politik machen Aufsatz in progress, Onlinevers. Kein Aufdruck auf dem T-Shirt schuetzt vor Kaufzwang und Verurteilung, kein Abdruck eines Springerstiefels auf einem Hemd ist Garant fuer authentisches Naziopferdasein. Alle Mode scheint nun zeitlich, weil Mode, zu relativieren, was auf sie aufgetragener Inhalt ist. Die aufgetragenen Inhalte, analog im Feld Graffitti die Parolen und Spontisprueche, werden aber aktuell mehr zum tiefensymbolischen Koerperdekor. Das ganze T-Shirt ist nunmehr Zeichen (Kill Ed Hardy) und nicht mehr Zeichentraeger. Und die Traegerin des T-Shirts wird ihrerseits Zeichen, wobei streng zwischen Frauenshirt und Maennershirt geschieden wird -- ach es gab ja noch Unisex, oder Bisex[1]? ICH FAHRE Silvio B. wollte im Fruehjahr 2010 mit dem Aufdruck "ICH FAHRE SCHWARZ"[2] auf seinem T-Shirt den legalistischen Weg gehen und den Dienstleister Bahn, also den Vertragspartner im Geschaeftsverhaeltnis ueber seine Zahlungsweigerung, ueber den Vertragsbruch offen informieren. Er verlor vor Gericht mit der Begruendung, der Kontrolleur haette die Aufschrift nicht bemerkt. Information ist demnach nur dann Information, wenn sie "an den Mann gebracht" wird und gelesen/verstanden wird. Oder anders: Informationen unterliegen Hierarchien. Nicht jede Jenny Holzer darf informieren und die Phrase "in letzter Instanz" bekommt hier wieder einen Sinn. In letzter Instanz naemlich entschied den Fall nicht ein Zeichnen der Zeichen, man klaerte fuer das eigentuemliche Verhalten der Ware Dienstleistung und den Schutz ihres Prinzips. Das ist offenbar der erste _patron général_ , gegen Levi-Strauss' ewige Struktur, auf die Modelle der Wirklichkeit des Sozialen aufgebaut werden. Levi's Jeans ist auch dann noch Jeans, wenn sie ohne Markenzeichen laeuft.[3] Die Hose ist weder nur eine Nachricht, die getauscht wird, noch nur modisch. Sie ist Signal, meine Jeans von Levis. Sie ist aber auch nicht sofort meine Levi's Jeans, sie ist vor ihrer Aneignung nie sofort meine Jeans. Baudrillard's Jeans oder Deine Hose? Baumwolle ist ontologisch gebrauchbarer Stoff und nicht stoffloser Stoff des idealen Zeichens Jeans. Aus dem voreilenden juristischen Trickgehorsam machten wir gerne ein einfaches freies ICH FAHRE. Levi-Strauss, Levi's In Winfried Noeths _Handbook of Semiotics_[4] kann zusammengefasst nachgelesen werden, wie von Semiotikern, auch in Bezugnahme auf Marx, das analytische Modell von der Trennung der Ware in Gebrauchs- und Tauschwert auf die Seite des Tauschs gezogen wird und damit die Wertform-Analyse der Ware enthoben wird. Wert wird zu einer ganz anderen Kategorie, indem behauptet wird, sog. Zeichen erhielten ihren Zeichen-Wert nur im Austausch, ihre praktische Subtanz sei woertlich wertlos, nur im Spiel ihrer Differenzen und im Gebrauch komme ihnen ihr Essentielles zu. Ihre Warenfunktion ist damit losgeloest von jeder Funktion der Ware. Genau das wird aber bestritten. Ware wird fuer diese Post- und Strukturalisten zur Ware durch ihre differentielle Zeichen- bzw. Sprachfunktion. Auf dem modernen Markt der Markenunterschiede seien Brands entscheidend fuer diese Wertzuweisung. Das Brand wird dem Gebrauchswert-Ding in seiner Tauschwertabhaengigkeit jedoch aufgedrueckt, eingebrannt. Der Firmengeschichte von Levi's sind Probleme der Vermarktung der mit Nieten zusammengehaltenen Hose aus Denim zu entnehmen und, dass sich Levi Strauss letztlich nur gegen andere Hersteller durchsetzen konnte, weil er ein ledernes Label zur Unterscheidung von anderen Produkten gleicher Art einzusetzen begann. Eine Levi's Jeans ist nur dann eine Jeans von Levi's, wenn sie mit Markenzeichen laeuft.[5] Die Differenzen der Jeans am Markt sind aeuszerlich eben minimal und qualitativ im materialen Ergebnis doch gegeben. Die Politische Oekonomie der Zeichen, die Lefebvre, Rossi-Landi, Baudrillard, Barthes usw. und auch neuerdings Winkler betreiben, vergisst dabei nicht nur das allgemeine Aequivalent Geld, welches den Tausch nicht blosz vermittelt, sondern auch wertakkumulierendes Mittel ist (G-W-G'), aber das waere eine allein zu monetaere Kritik. Sie abstrahieren von einer Sprache der Ware auf Zeichensysteme und wollen diese dann zurueckschlagen lassen auf die Ware in Produktion und Tausch selbst. Nebenbei wird der Konsument der Zeichen dann zum Produzenten derselben, was nur zum Teil auf der Hand liegt, da das Buch ersteinmal geschrieben werden muss. Die Zeichen-Werttheoretiker schreiben auszerdem den wertsetzenden Tausch fest -- der Zeichen-Warenwert entsteht ja bei ihnen wiederum durch Zeichen nicht durch Produktionskosten -- und dieser ist, da Zeichen universell kulturell sind, unueberschreitbar. Kommunikation ohne Tauschfunktion, verstanden als strukturale produktive Differenz der Zeichen von- und zueinander, erscheint ihnen undenkbar. Tausch ist aber hier nicht der oekonomische Tausch, da der Warenmarkt ja auch kein einfacher Aequivalententausch verschiedener (differenter) aber gleichwertiger Dinge mehr ist. Waere der Markt, sein Ware-gegen-Geld-Tausch mit seiner nicht offensichtlichen Metafunktion von Geld-gegen-Ware-fuer-mehr-Geld und sein Vorgaengiges, das Privateigentum an Produktionsmitteln, schlieszlich am Ende, koennte der oekonomistische Entwurf der getauschten Zeichen unhaltbar werden. Sie wuerden dann schlicht uebermittelt, angeeignet und prozessiert. Die bisher ueberproduzierte Jeans, der BH, das T-Shirt ohne Geldbindung, allein auf der Grundlage des Arbeitsaufwands. Street Art ist keine Loesung Wenn Kunst ein Werkzeug und auch mal Reflektionsmedium ist, wird dieser zweifache normative Anspruch selten erreicht. Alle gestalten, nichts erscheint gestaltet zu sein. Wie die Stadt zum Superzeichen wurde fuer die nette grafische Strassenkunst[6], in der zweiten Haelfte der 1980er die schoen bunte Berliner Mauer mit einem desillussionierenden weiszen Strich versehen wurde[7], die Gruppe Splash die Kunstwerkattituede stoert, wie die Mekkas der "Rebellion der Zeichen" gereinigt werden und doch mit ihnen stadtmarketingmaeszig geworben wird.[8] Diese apodiktische Feststellung, dass nichts mehr geht, kann verstaendlicherweise nur dialektisch verstanden werden. Mit jeder tragbaren Zeile ist es "selbstredend" moeglich, politisch zu handeln.[9] Theorie wird manchmal ja zur Waffe, und gerade dann auf Baumwolle, wenn andere Medien lange schon vermediatisiert, kanalisiert, veraesthetisiert wurden. Ganz so wie T-Shirts, die das »Internet des kleinen Mannes« sind, die spreadshirtig in der Community gestaltet und die Konsumentenproduktion repraesentieren. Jetzt im Maerz, wo wir in der groszen Stadt auf die Klebeband-Graffitty warten, werden eng anliegende und Zu-Sagendes vielleicht einen kleinen Fruehling erleben. T-Shirts mit wirklich hautfreundlichen, koerperlichen Displays, wann werden sie das monumentale urbane Bebildschirmen des Multitudischen ins Konkrete aufsteigen lassen? Wir geben ein: www.t-shirtz mit "z" Punkt org. __________________________________ [1] BMW zeigt auf seinen accessoires/tshirts-Webseiten fuer Motorraeder das gleiche T-Shirt, einmal von einer Frau ohne Kopf getragen, so, dasz man die Nippel sieht, und einmal von einem Mann mit Kopf getragen, bei dem man die Nippel nicht sieht: http://specials.bmw-motorrad.com/_common/img/riderspoint/accessoires/tshirts/tshirt_silverfunction3_gelb.jpg , http://specials.bmw-motorrad.com/de/de/products/riderspoint/img/vis_accessoires_tshirts_tshirtsilverfunction3.jpg [2] Frankfurter Rundschau, 24. Februar 2010, http://www.fr-online.de/_em_daten/_multicom/2010/02/24/100224_pan_schwarzfahren.jpg . [3] Bekannt ist eine Levi's Werbung mit dem Foto eines nackten Frauenpos mit aufgemalter charakteristischer Hosentasche (http://farm4.static.flickr.com/3194/3117878678_69728e1e99.jpg), unbekannter ist jede andere Jeanshose (http://d.yimg.com/eur.yimg.com/xp/ediets/20060811/10/458973488.jpg). [4] Kapitel "The Language of Commodities". [5] Ein Revival der nackten Miss Levi's zeigt einen aehnlichen Po, jedoch mit aufgebrachten Hosentaschen aus blauem Jeansstoff: http://lh4.ggpht.com/_uFjqbBrURRc/SaUfq2rrisI/AAAAAAAAB6M/NVgJxsxAMUo/700levis%20-%20naked%20jeans.jpg . [6] "Le travail du Jeff Aerosol" haengt in den Gallerien. Die Nicht-HiHop-Graffity Szene erleidet den gleichen Werdegang wie die fruehen Sprueher New Yorks. [7] Die "Aktion Weisser Strich" genannte Aktion fand 1986 von Berlin Kreuzberg aus ihren Ausgang: http://einestages.spiegel.de/hund-images/2009/11/05/70/3f284a2e375db5ac44d555c75cc86ad8_image_document_large_featured_borderless.jpg . [8] Der englischsprachige Wikipedia-Artikel http://en.wikipedia.org/ wiki/Graffiti zeigt die Entfernung von Tags auf einem Ticketautomaten, mit wahrscheinlich unzureichender Atemmaske, und zugleich titelte 2009 glaube ich der Berliner Tip sinngemaesz: "Von Nofretete bis Street Art" (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/56/Graffiti_removal_berlin.jpg/400px-Graffiti_removal_berlin.jpg). [9] http://www.so36.de/merch.htm bzw. http://www.so36.de/clip/merch/gro%DF/Sobleibt_schwazr.jpg . ------------------------------------------------------------------------ 3. Rezension von Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot_ 43 Diesmal nur ein Resample aus dem letzten n0name: "Anzumerken waere an dieser Stelle, dass der "moderne Eigentumsbegriff" den Verhaeltnissen folgt und nicht umgkehrt." Anzumerken waere an dieser Stelle, dass der "moderne Eigentumsbegriff" die Verhaeltnisse ist und der Enteignungsmacht der herrschenden Klasse folgt. Ali Emas/Susi Meyer ------------------------------------------------------------------------ 38317.tk Kiste(n) live Behauptet wurde, eine Kiste sei ein vulgaerer Begriff fuer eine Entitaet oder Maschine. Auf ihr herumzuklopfen bedeute nicht, sie zu aendern. Aber und ja: Genaugenommen ist das Ding nicht der Begriff. Der Begriff umfasst das Ding -- kann aber das Ding auch den Begriff umfassen? Materialiter auf dem Weg zum temporaeren Raum wurden Kisten usw. gesammelt und vor Ort bespielt. Der nicht zwingendermaszen vorhandene Klang wurde (alt)modisch gesamplet und der Loop dann techno-traditionell gestoppt. Aufgenommen in der tmp.plate kunst.klause in Berlin am 7. Mai 2010. Vielen Dank an Nina Korolewski und Mathieu Dagorn! http://www.slash-tmp.de Fotos u.a. mit freundlicher Genehmigung von JRG. "Kiste(n)" Studiovers.: www.n0name.de/38317/boomcrash/kisten.mp3 www.n0name.de/38317/kisten Sponsored by t-shirtz.org ======================================================================== Sie erhalten den n0name newsletter, weil sie da sind!/You get the n0name newsletter, because you are there! *Bitte weiterleiten!/Please forward!* Archiv: http://www.n0name.de/newsletr.html (c) 1999-2010 n0name, die Autorinnen & Autoren und die Maschinen Unterstuetzt von XPECT MEDIA http://www.xpect-media.de Sponsored by FONDS Dank an >top e.V. ------------------- Ende des n0name newsletter #146 --------------------