|<------ Breite: 72 Zeichen - Fixed Width Font: Courier New, 10 ------>| n0name nachrichten #131 Sa., 25.10.2008 08:00 CET *Inhalt/Contents* 1. radi0.tv "Wohnzimmerkonzerts" 2. CDkritik Classless Kulla und Istari Lasterfahrer "Nein, nein, das ist nicht der KOMMNISMUS!" KOMPLETT runterladbar 3. Das Institut fuer die Vergangenheit der Produktionsorganisation praesentiert 4. Bossblogger 5. Rezension von Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot_ 34 28 KB, ca. 10 DIN A4-Seiten ACHTUNG! Umlaute, Unicode-Zeichen ------------------------------------------------------------------------ 1. Hallo Berta, ich moechte Dich gerne einladen zu (((+))) O /|\ /\ radi0.tv "Wohnzimmerkonzerts" mit Mosh Mosh (Berlin/Zuerich) 39317 alias Guido Braun (Frankfurt/M.) 38317 (Berlin) am Sa., 1.11.2008 um 21 h in der Manteuffelstr. 70 4. Etage 10999 Berlin-Kreuzberg (Naehe Paul-Lincke-Ufer) U 8 Kottbusser Tor / U 1 Goerlitzer Bhf / M 29 Goerlitzer Bhf Der EINTRITT kostet Dich eine Spende* oder ist frei. Getraenke kosten die Haelfte. Das nicht-alternative Radio radi0.tv. ist wieder da und versucht es mal mit Konzerts. Kommt alle zu den Wozikons! Lebend im Leben, oder der Bibliothek, oder im Garten (bei -10°?) ... Aber der Einlass ist begrenzt. Achtet auf die Flyer mit dem hoelzernen Berliner Fernsehturm und dann immer der schleichenden Gentrifizierung nach. Wir haben geladen: Die zwei Glam-Diven Mosh Mosh (www.mosh-mosh.com), direkt nicht aus dem Bankenviertel 39317 alias Guido Braun (www.guidobraun.de) und als Vorvorgruppe 38317 (www.38317.tk). http://www.radi0.tv Es wuerde mich freuen, Dich zu sehen! Gruesse Matze Schmidt _____ * 4,- sind absolut angemessen. Dank an XPECT MEDIA und top e.V. ------------------------------------------------------------------------ 2. CDkritik Classless Kulla und Istari Lasterfahrer "Nein, nein, das ist nicht der KOMMUNISMUS!" Vom Finanzamt kam gestern Post, auf der Briefmarke war der "Arme Poet" von Spitzweg abgebildet. "Der Boss" gab mir dann diese CD in einem Umschlag mit einer Briefmarke 175 Jahre Hambacher Fest (1833 also). Ist das Zufall? Waehrend dienstleistende Gewerkschaften und attac in Anbetracht der momentanen Krisensituation des Kapitals, "Finanzkrise" genannt, wieder das Lied "Nehmt es von den Reichen" singen und breite linke Kulturregierungs-Buendnisse Marx-Lesekreise pushen, kommt hier eine Position, die historische Relevanz der fehlgelaufenen kommunistischen Revolutionen be-rappt (nein, nicht bezahlen, besingen!) und als Titelfolie nimmt. Kein Raubtier- oder Turbokapitalismus-Gesaeufze. Diesen Satz mit dem Kommunismus - wir kennen ihn ganz aehnlich von Knarf Relloem - sagt eine auf bedroehnt oder kleinmaedchenjung hochgepitchte (?) Stimme und endlich stellt einer mal die Sex Pistols einigermaszen froehlich richtig, "I wanna be communism". Alles mit (ich habe meine ausfuehrlichen Aufzeichnungen dazu leider in irgendeinem Ordner dieses der Produktivitaet hinterherhinkenden Rechners verloren und druecke hier damit alles nur noch schattenhaft und klischeeistisch aus) einem Schuss verspielter unterhaltsamer Ernsthaftigkeit. Der rohe Aufschrei als Pose? So ueblich. Verarbeitung eben sogar des leninistisch-stalinistisch-maoistischen Vergangenen. Und Uebergaengiges finden wir nicht? Wenn man fragte, was die Doors in ihrer aus dem Blues aufsteigenden Wunschlust bei "L.A. Woman" mit den Dub-Echos hier zu tun haben, koennte man auch behaupten: Mann, das verhallt hier blosz. Doors 1971, als die grosse Depression, der Rueckzug und die Verradikalisierung in den aufgeklaerten Mittelklassebildungsschichten eintraten und die Arbeiter weiter arbeiteten. Kommunistischer Anarchismus war gemeint, vermeintlich das beste zweier Pole. Nur was wir planen zaehlt, jetzt im Sinne von was wir vorhaben oder was getan werden muss? Ist das zu Kommutronic? Ist es zu wortspielerisch Dada und Wortgeklingel "Ding!" beim Geldgeklingel in z.B. "Der Takt des Geldes"? Was treibt hier an? Der Blick aufs Geld etwa, der damit ein verstellter Blick wird? Immerhin kein SPD-Rock. Stattdessen doch wieder etwas Werttheorei. Ich enthalte mich mal der aktuellen aesthetischen Einordnung und dem Vergleich mit Tocotronics und Deichkinds Versuchen, und Die Sterne haben auch ... Ich habe die Scheibe sowieso nicht voll durchgehoert. Das muesst ihr schon selber machen, sagte auch einmal Isaac Hayes zu seinen Bruedern vor oder nach "Shaft", also vor oder nach dem Supererfolg. Was man alles so zusammensamplen kann. Der (Pop)musikalische Text hier ist weitlaeufig und die Tradition des Zitierens/Umdeutens greift auf einen grossen Fundus zu. Kulla blogbekannt (http://www.classless.org) mit dem Daumen raus auf der Strasse, antiverschwoerungstheoretisch (gut!!), nur Politclown zur Abendunterhaltung? Man hoert. Und man liest im ausfuehrlichen Beiheft vom Braindrain aus dem Osten ins Nirgendwo, vom Mitfahren, dem Dissen der Popstars, von freier Assoziation als Party, dem Verlieren unschuldiger Borniertheit, Geschichte als doofem aber dialektischem Prozess. Und wie koennte es anders sein, Besprechen (Betippen) ist das Eine, klauen, mopsen ("hab ich mir geholt") das Andere. Richtige Kritik versucht ohnehin in die Struktur einzugreifen. Hier ist die ganze CD bestellbar: http://sozialistischer-plattenbau.org/catalog/product_info.php?products_id=1033 - die haben auch ihre Bestsellers, "a large growing e-commerce community" - und hier KOMPLETT, sorry Daniel Kulla und Kollegen, runterladbar: http://www.n0name.de/news/01-kulla_u._lasterfahrer-am_strassenrand_der_xxxxxxxxxxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/02-kulla_u._lasterfahrer-uplifting_hardcore_xxxxxxxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/03-kulla_u._lasterfahrer-ballade_von_xxxxxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/04-kulla_u._lasterfahrer-erleuchtung_und_xxxxxxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/05-kulla_u._lasterfahrer-was_xxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/06-kulla_u._lasterfahrer-flucht_aus_dem_xxxxxxxxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/07-kulla_u._lasterfahrer-sexist_motherfucker_xxxxx_xxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/08-kulla_u._lasterfahrer-buffy_the_slayer_and_the_xxxxx_xx_xxxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/09-kulla_u._lasterfahrer-mass_xxxxxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/10-kulla_u._lasterfahrer-d-i-x-x-x.mp3 http://www.n0name.de/news/11-kulla_u._lasterfahrer-communism_stole_my_xxxxxxxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/12-kulla_u._lasterfahrer-der_xxxxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/13-kulla_u._lasterfahrer-germany_might_trick_xx_xxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/14-kulla_u._lasterfahrer-jede_xxxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/15-kulla_u._lasterfahrer-dresden_xxxxxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/16-kulla_u._lasterfahrer-dumme_xxxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/17-kulla_u._lasterfahrer-shenai_crumbles_the_xxxxxxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/18-kulla_u._lasterfahrer-der_takt_des_xxxxxx.mp3 http://www.n0name.de/news/19-kulla_u._lasterfahrer-kontrollverlustxxxxxxx.mp3 [Vergiss den Kommunismus voluntaristischer Art, das hier ist zunext mal ganz schlichte Raubkopie! Tschuess Artistic Appropriation & Fair Use und (symbolische) Umdeutung!] Naja, wir haben, ums den echten Fans etwas schwerer zu machen, die vollstaendigen Dateinamen zum Teil gechwaerzt. Wers schafft, die "x"e mit den richtigen Buchstaben zu fuellen und den Tracktitel so vervollstaendigen, hat gewonnen. Machen einfach mal die Marketingmethoden der Buergerlichen nach, deuten die um. Oder anders gesagt, du hast es noch nicht. Es gibt ihn noch nicht. Qué Será. Mal sehen wie lange wir das psychorechtlich durchhalten. n0name ueberweist dafuer 10.00 EUR an die Firma sozialistischer plattenbau.org nach Hamburg, am besten indem wir eine CD bestellen. Damit ist eine umsonst fuer die Kritik drauf gegangen und eine fuers independend Kleinkapital, das man nicht zwingender unterstuetzen muss als das grosse. Auch die antifaschistische Stadtkommune Berlin will ja nicht laenger warten und den K gleich heute. Fettes cooles tolles amerikanisches 'rollin' r' uebrigens in "Mass History" und dieser leicht englische Akzent. Track 11 etwa, ein Erweckungsstueck? Ausgerechnet mit Robert Anton Wilson, dem Koenig der Verschwoerer-Aufklaerer-Verschwoerer. Der schmale Grad zwischen Paedagogie und Nu-Paedagogie. Um einen Kritiker auf dem Blog zu zitieren, "ein biszchen Kommunismusgegroehle mit Elektrosounds?" Mal klaeren, ob das referentiell nach Korn klingelt. Gut, gut, weil wohl offenbar nicht-anti-deutsch oder nicht so anti-deutsch (wer blickt das noch?), das revolutionaere Urteil ueber den bestaendigen Kapitalismus-Aufheben-Abschaffen-Slogan-Zwang ("Germany Might Trick Me Once"). Nur, was soll die Aufrufung von Babylon darin? Braucht es den Topos eines neuen antibuergerlichen, uneindeutige, queeren, globalen Zions, als Referenz zur eben babylonisch-mythischen in sich vielfaeltigen aber Ur-Gemeinschaft? Ist es das, ein gepitchtes, gepimptes Bayblon? Don't try to be german, be as multi as possible. No Learning Deutsch. Wenn der Mob die Pizzeria stuermen will, in Dresden, in Muegeln (2007), in Berlin. Wenn der Mob die Supermaerkte stuermen wird. The Clash calling. Der Stil: Aneignung von was geht im Feld undsoweiter, vor allem aber Verschiebungen wie vom Rasta zum Lasta zum Laster. Viel Triplehip-Schnickschnack und es ist schon Jugendkultur-Agit mit zum Teil klarer Kenntnis (Unsere Wertung: ******) der Verdraengungen, Dresden Calling Frauenkirche Revisionismus angreifend, und einem Hang zur (Unsere Diagnose: 12345%) Selbstbewaffnung. Kann Tanz in eine andere Qualitaet umschlagen, nicht wie in Muegeln, und so aus dem "Takt des Geldes" (Unsere Wertung: 2-) und der Arbeit - im Song auch brav erwaehnt, nur, dass der Text den Wert, ich erwaehnte es, beinah Michael Heinrich'sch in der Strophe den Sinn bestimmend zuerst gesetzt wurde - kann man also etwas machen, was dem Soziologenbeat nicht passt? Ali Emas Classless Kulla als beifahrer beim Istari Lasterfahrer. _Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus!_. CD. Hamburg: sozialistischer plattenbau.org, 2008. 10,00 EURO http://sozialistischer-plattenbau.org ------------------------------------------------------------------------ 3. Das Institut fuer die Vergangenheit der Produktionsorganisation praesentiert "A networked book is an open book designed to be written, edited and read in a networked environment." Five writers will be commissioned to develop chapters for a networked book about networked art. The chapters will be open for revision, commentary, and translation by online collaborators. Each commissioned writer will receive $3,000 (US). Join us [...] Widerspruechlicher gehts nicht. Man ist versucht die Wikis dieser Welt fuer die Netzbuecher dieser Welt zu halten, fuer die man sie halten soll. Dabei sind sie ja organisierte Text in der Produktion und keine Theaterstuecke im Film. http://turbulence.org/networked Yelena Simc ------------------------------------------------------------------------ 4. Bossblogger (38317) Du blogst fuer den Boss Du blogst fuer den Boss Du blogst fuer den Boss Du hackst fuer den Boss Du hackst fuer den Boss Du hackst fuer den Boss Du tanzt fuer den Boss Du tanzt fuer den Boss Du tanzt fuer den Boss Kein Schlaf, kein Code Kein Schlaf, kein Code Kein Code, kein Schlaf fuer Ni (c) 2006/2008 n0name superstolk-bossblogger.mp3* 38317-bossblogger.mp3 http://www.n0name.de/38317/bossblogger __________ * Aufgenommen live @ Ritter's Atelier (Offenbach), Maerz 2008 http://www.myspace.com/superstolk ------------------------------------------------------------------------ 5. Rezension von Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot_ 34 Es ging das letzte mal um Erkenntnisprobleme und die Historizitaet der Erkenntnismoeglichkeiten - so ungefaehr. IST DAS EIN SEMINAR HIER? Wissen, das entsteht, fixiert in Buechern - nicht mehr laenger, weil sich die organisierten Texte in der Produktion (Wiki-Hypertexte) als effektiver erweisen - und stellt so Paradigmatisches auf, genannt Diskurse, die gemacht werden, die Ordnungen sind. An solchen Ordnungen der Rechte des Eigentums am Produkt moechte z.B. regulatorisch Volker Grassmuck gerne schrauben und drehen[1] also Foucault'isch administrationspolitisch Remixen und Samplen? So wie wir hier zunaechst einmal nur kommentieren. "welche Funktion es darin einnimmt und wieso es gerade jetzt diese Funktion übernimmt. Das Buch ist insofern nicht einfach Träger von Inhalt, sondern ist selbst ein „institutioneller Typ", ein „Ordnungsprinzip" innerhalb eines Diskur-ses, als solches ist es ein „Diskursfaktum". Die scheinbar unmittelbare Einheit - und das gilt für alle evidenten Erfahrungsgegenstände - ist „variabel und relativ": „Sobald man sie hinterfragt, verliert sie ihre Evidenz; sie zeigt sich nicht selbst an, sie wird erst ausgehend von einem komplexen Feld des Diskurses konstruiert" (Foucault 1981, 1995: 36). Noch mehr gilt dies für das Werk. Geschriebene Zeilen ein und desselben Autors werden aus seinem Nachlass und aus noch zu Lebzei-ten Publiziertem ihm zugeordnet und daraus einer oder mehrere Bände produ-ziert, die dann als „das Werk", als eine Einheit auftreten. Letztlich aber manifes-tiert dieses Tun - das Sammeln, Auswählen und Zusammenstellen von Texten, die gänzlich verschiedene Funktionen haben können (Tagebuch, Notizen, Briefe, Monographien, Manuskripte usw.) - erst eine Einheit, welche so unmittelbar gar nicht gegeben ist. Dieses Tun selbst ist interpretativ, es hat eine Auswahl von Möglichkeiten und wählt aber nach bestimmten diskursiven Regeln, es konstru-iert eine Einheit. So wie die Erfahrungsgegenstände Buch, Werk oder auch Autor (dazu weiter unten mehr) nicht unmittelbar gegeben sind, so ist es auch Eigentum nicht. Ei-gentum ist nicht einfach „da"," Fuer das Alltags-Jederzeit-Supermarkt-Verstaendnis des Gegebenen Geldscheins (Uraltwortspiel: gegebener Schein) gewiss! "als zum Beispiel das Haus, „das mir gehört" und das als „mein Eigentum" wahrgenommen wird (s.o.). Vielmehr ist Eigentum ein komplexes soziales Verhältnis und es ist als Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung mehrfach formiert. Eigentum, so wie es als Sache, „als etwas, was jemandem gehört", begriffen wird, ist selbst nur oberflächliche Wahrnehmung eines zugrunde liegenden komplexeren Zusammenhangs." Und ist dieser Zusammenhang tief oder breit? Kann man quasi sozial-verhaltenstherapeutisch, statt den tiefen unerreichbaren weil in der Vergangenheit liegenden, den ein breiten Zusammenhang aendern, umbauen? "Die Art und Weise wie Eigentum als unmittelbar gegeben in den Debatten, Theorien, in Gesetzen und Alltagsvorstellungen reproduziert wird, ist allerdings Teil des herrschenden Eigen-tumsdiskurses. Ein Diskurs ist dabei nicht einfach Themenstrang, Debatte, Dis-kussion oder Gespräch über ein festgelegtes Objekt. Bildlich vorgestellt ist Dis-kurs vielmehr ein Raum (nicht Raum als „Zimmer", sondern als Universum), wobei dieser Raum wiederum strukturiert ist mittels einer bestimmten Architektur. Das in Institutionen, Geschriebenem, Disziplinen, Sprechweisen usw. gegossene Wis-sen bildet entsprechend den Vorgaben der Architektur Knotenpunkte, an denen sich der Diskurs verdichtet, sie sind die Grundpfeiler und sorgen so für die Statik der Architektur. Diese Architektur erst bestimmt, wie welches Wissen welche Form und welchen Ausdruck findet, sie ist als solche diese „konsistentere Einheit", sie bildet das Feld der „diskursiven Formationen", wobei die Formationsregeln die Bedingungen der Existenz und Co-Existenz verschiedenster Diskurse darstellen (Foucault 1981, 1995: 58). 127 Nun ist der Diskurs nicht allein auf die kognitive, intellektuelle Ebene bezo-gen, sondern zugleich auf die Praxis. Die sozial formierten Objekte werden nicht einfach aus dem Nichts oder nur aus dem Geiste erzeugt, sondern immer in Anbindung an oder Interaktion mit Nicht-Diskursivem. Dabei lässt sich Diskur-sives und Nicht-Diskursives nicht streng voneinander trennen. In _Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses_, untersucht Foucault die Veränderung der Strafpraxis seit dem Mittelalter bis zur Neuzeit. Beim Übergang von Marter, öffentlichen Hinrichtungszeremonien etc. zu den modernen Disziplinartechno-logien (die nicht nur für das Gefängnis bestimmend sind) wird deutlich, dass es sich hier um eine Praxis handelt, bei welcher sich der Diskurs in Bauweisen, Zugangsweisen usw. äußert. Foucault unterscheidet vier Felder, auf denen die Formationsregeln des Dis-kurses zum Tragen kommen. Bezogen auf Eigentum liest sich dies folgend: a) Eigentum als Objekt nimmt erst im Diskurs durch die verschiedenen Weisen, in denen es auftaucht, abgegrenzt und spezifiziert wird, Gestalt an b) Für die Moda-litäten der Äußerungen, d.h. die Art der Wahrheitsansprüche, die im Diskurs er-hoben werden und die Positionen, die die sprechenden Subjekte im Diskurs ein- nehmen können, gilt dasselbe. Sie sind erst Resultat des In-Beziehung-Setzens unterschiedlicher Elemente. Genausowenig wie es ein natürliches Objekt (Objekt des Eigentumsverhältnisses) des Diskurses gibt, gibt es ein natürliches Subjekt - beide werden erst innerhalb des Diskurses konstituiert." Fies, woher kommt er der Diskurs? Ist er historisch? Wenn ja, wer macht ihn (Adieu Autor und Subjekt)? Oder ist er gerade a-urspruenglich zu verstehen? Wichtiger noch, was kann ich mit der Theorie vom Diskurs anfangen? "c) Die Formation der Begriffe beschreibt die Bedingungen des sukzessiven oder gleichzeitigen Auftauchens der Begriffe innerhalb der Praxis des Diskurses. Erst auf Grundlage einer „vorbegriff- lichen" Analyse erschließt sich das Feld, welches bestimmte Begriffe, wie den Eigentumsbegriff, generiert. d) Diskurse wie die Ökonomie, die Medizin, die Grammatik usw. lassen bestimmten Begriffen, Aussagetypen und Gegenständen Raum, die je nach Grad an „Kohärenz, Strenge und Stabilität" schließlich The-men oder Theorien bilden. Auch der herrschende „Eigentumsdiskurs" gibt be-stimmten Annahmen und Gegenständen Raum, die zu spezifischen Theorien führen, wie beispielsweise die Anreiztheorie des Eigentums oder die Arbeitstheorie des Eigentums (s.o.). Die Praxen und die Formationsregeln, nach denen die Diskurse existieren können, sind Ergebnis spezifischer Machtverhältnisse. Erst Macht lässt ein be-stimmtes Wissen überhaupt möglich werden, Machtverhältnisse konstituieren bestimmte Wissensfelder: Als „Macht/Wissen-Komplexe" bringen sie „das erken-nende Subjekt, das zu erkennende Objekt und die Erkenntnisweisen" als „Effek-te" hervor (Foucault 1977: 39)." Welchem Diskurs gehoert F demnach selber an? Welcher Macht als Verhaeltnis verdanken wir die Tatsache, nicht fuer dieses Buch bezahlt zu haben? (Verlag erwarten sich Aufmerksamkeit von Rezensionen und nehmen minimalste, praktisch keine Verluste in Kauf, wenn ein Buch an den Rezensenten geht.) Ist also die Diskursmacht doch 'tief' weil nicht erreichbar, unterhalb oder hinter unserem Ruecken waltend, aber ohne Grund, bodenlos weil immer nur gesetzten Regeln in Systemen aus immer wieder nur auf sich gegenseitig verweisenden Symboliken ohne letzte Instanz? Wir vermissen hier etwas die Agenten und die Vorteile des jeweils gefuehrten Diskurses (den wir nur ausfuehren aber nicht in der Hand haben) fuer die Diskursfuehrer auf den Pferden. "Machtverhältnisse bereiten so das Feld, auf dem schließlich unterschieden werden kann in wahr/falsch oder auf dem sich Grenzen ziehen lassen zwischen Wahnsinn und Vernunft - wobei sich diese Grenzen und 128 Definitionen historisch wandeln oder verschieben können. Mit dem Verhältnis von Macht und Wissen ist allerdings nicht gemeint, dass ein partielles Interesse eines Individuums oder einer Institution kraft seiner Macht ein bestimmtes Wis-sen durchsetzen kann oder unterdrücken kann.5 Vielmehr ist auch hier die „Meta-Ebene" angesprochen: die Architektur des epistemologischen Raumes ist so ge-baut, dass sie Grenzziehungen von wahr/falsch vorstrukturiert, ohne dass die ein- zelnen Individuen dies innerhalb des Diskurses im einzelnen bewusst vornehmen würden. Ihnen ist in der diskursiven Praxis die Kategorie wahr/falsch als schein-bar objektiv gültige bereits vorgegeben. Ein Satz ist damit nicht aufgrund seiner Beziehung zur Natur der Dinge, „wie sie wirklich sind" (in welcher Weise diese Beziehung auch immer vermittelt sein mag) wahr, sondern „wahr" ist ein Satz immer nur relativ zu den diskursimmanenten Formationsregeln, die die Bildung und das Funktionieren der Sätze beherrschen. Ein Vergleich der Diskurse nach dem Kriterium, „welcher ist wahrer? " ist ebenfalls ausgeschlossen, da es keinen Metadiskurs gibt, der die nötigen Vergleichsmaßstäbe zur Verfügung stellen könnte. Wahrheit ist jedoch nicht nur ein Effekt der Formationsregeln des Diskurses, vielmehr verdanken sich diese Regeln den Praxen der Macht.6 Bei den Formationsregeln handelt es sich nicht um von den Individuen be-wusst gebildete Regeln, eher auferlegen sie sich „gemäß einer Art uniformer An-onymität allen Individuen, die in diesem diskursiven Feld sprechen" (Foucault 1981, 1995: 92). Diese unbewusst gebildeten Formationsregeln äußern sich im herrschenden Eigentumsdiskurs in der Naturalisierung der historisch-spezifischen Eigentumverhältnisse. In der oben erläuterten These von der Tragedy of the Commons wird vom konkreten, in kapitalistischen Produktionsverhältnissen befangenen Individuum abstrahiert und allgemein auf „der Mensch" geschlossen. In der Property Rights Theorie wird entsprechend ihrer neoklassischen Fundierung von der kapitalistischen Handlungsrationalität der Profitmaximinierung abstra-hiert und geschlossen auf eine in der Natur des Menschen liegende Nutzen- _______________ 5 Dies gibt es natürlich auch und wurde beispielsweise von Noam Chomsky ausführlich kritisch untersucht. 6 „Die Wahrheit ist von dieser Welt; in dieser wird sie aufgrund vielfältiger Zwänge pro-duziert, verfügt sie über geregelte Machtwirkungen. Jede Gesellschaft hat ihre eigene Ordnung der Wahrheit, ihre `allgemeine Politik' der Wahrheit: d.h. sie akzeptiert be-stimmte Diskurse, die sie als wahre Diskurse funktionieren läßt; es gibt Mechanismen und Instanzen, die eine Unterscheidung von wahren und falschen Aussagen ermögli- chen und den Modus festlegen, in dem die einen oder die anderen sanktioniert wer-den; es gibt bevorzugte Techniken und Verfahren zur Wahrheitsfindung; es gibt einen Status für jene, die darüber zu befinden haben, was wahr ist und was nicht" (Foucault 1977: 51)." Diskursfuehrer auf den Pferden "129 maximinierung usw. (über die genaueren Umstände der Entstehung solcher Gedankenformen siehe weiter unten). Dies u.a. sind die unbewussten Formations-regeln, die den Diskurs vorstrukturieren. 5.2 Der Zeitenabstand Die Kritik an der Ahistorizität des herrschenden Eigentumsparadigmas impliziert, dass ein Rückblick möglich wäre, der versteht, „wie es damals wirklich war". Gadamer nun erteilt dem eine Absage. Den Zeitenabstand könne man nicht ein-fach aufheben, um zur Geschichte, „wie sie wirklich war", durchzudringen. Dies sei die naive Vorstellung des Historismus gewesen, „dass man sich in den Geist der Zeit versetzen, dass man in deren Begriffen und Vorstel-lungen denken solle und nicht in seinen eigenen und auf diese Weise zur historischen Objektivität vordringen könne" (Gadamer 1999: 302)." Also liegt die Tiefe dieser Verhaeltnisse nicht in der Vergangenheit, der Kindheit der Gesellschaft, sondern hinter den Praxen verborgen. Folgen deshalb die Regulationisten (Eigentumsverhaeltnisse reprogrammieren) einer Foucaultschen Lehre, weil sie suggeriert, ueber die Praxen seien die Regeln zu veraendern? "Bezogen auf die Frage nach den epistemologischen Grenzen von Eigentum" Eigentum hat sicher keine Grenzen in ihrer 'Erkenntnislehre' - der hoechste Repraesentant dieses Landes (aktuell Bundespraesident Koehler, der ehemalige Banker) haelt den Kapitalismus fuer nicht am Ende. Solange bis er dann Kredite nicht mehr zahlen kann. "ist es nicht möglich, von den modernen Eigentumspraxen vollständig zu abstrahieren, um die historischen Formen zu sehen, „wie sie wirklich waren". Gadamer will aber auch nicht sagen, dass das Erkennen und Verstehen von Geschichte gar nicht möglich wäre, vielmehr möchte er den Objektivitätsanspruch moderner Wissen-schaften überführen in eine Erkenntnisweise, die sich ihrer eigenen Geschichtlichkeit und Bedingtheit bewusst ist. Die Aufklärung beispielsweise wollte den Erkenntnisprozess um das Vorurteil gereinigt sehen, statt dessen sollte die absolute Vernunft zur einzig legitimen Erkenntnisinstanz erhoben werden. Der Gegensatz von Vorurteil und Vernunft aber muss gar keiner sein. Die Zurückweisung von Autorität, die Berufung auf „den eigenen Verstand" (Kant), auf die absolute Vernunft, ist selbst Vorurteil, sie ist selbst eine geschichtliche, das heißt bedingte Erkenntnisweise, sie ist als solche „(...) nicht ihrer selbst Herr, sondern bleibt stets auf die Gegebenheiten angewie-sen, an denen sie sich betätigt" (Gadamer 1999: 281). Tradition und Autorität, Kategorien, die die Aufklärung als Instanzen der Wissensvermittlung hinter sich lassen wollte, sind nach Gadamer nicht Hemmnisse für vorurteilsfreie Erkennt- nis, sondern geradezu Voraussetzung für Erkenntnis. Das Vergangene, die Tradi-tion, das Wissen von Autoritäten usw. lässt sich nicht abstreifen, als wäre es etwas Fremdes und uns nicht Zugehöriges. Wir können nicht gleich einem unbeschrie-benen Blatt Papier auf vergangene Lebenswelten schauen, sondern wir sind immer schon beschrieben von den Erfahrungen der Geschichte und diese liegen bewusst oder unbewusst all unseren forschenden Blicken zugrunde. Die Trennung zwi-schen einerseits hier die reale Geschichte und andererseits dort das objektive Wissen über diese Geschichte will Gadamer nicht gelten lassen, vielmehr bilden beide 130" (Wir ahnen es) ... eine kritische Einheit. Damit muessen also immer beide Geschichten analytisch erzaehlt werden. Auf die Erzaehlung kommt es also an und wer diese durchsetzt. "Spechen Sie jetzt mit unserem Immobilien-Experten, denn der Zeitpunkt fuer eine Finanzierung ist guenstig. Wir freuen uns auf Sie! Eigentum macht gluecklich! Eigentum ist Kapitalanlage und Zukunftssicherung." (Berliner Sparkasse. "Aktuelle Immobilieninfos", Oktober 2007) _______________ [1] Siehe dazu auch "Rezension von Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot_ 6" in: n0name newsletter #100 und der dort kurz angedeuteten Diskussion um Freie Software/Open Source als einer spezifischen "Produktionsweise von Software, die der übli-chen Praxis des kapitalistischen Privateigentums scheinbar diametral entgegenge-setzt ist." Ali Emas/Matze Schmidt Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot: Aneignungskonflikte um geistiges Eigentum im informationellen Kapitalismus_. Muenster: Westfaelisches Dampfboot, 2006. 269 S. - EURO 19,90. Erschienen: Oktober 2006 ======================================================================== Sie erhalten den n0name newsletter, weil sie da sind!/You get the n0name newsletter, because you are there! *Bitte weiterleiten!/Please forward!* Archiv: http://www.n0name.de/newsletr.html (c) 1999-2008 n0name, die Autorinnen & Autoren und die Maschinen Unterstuetzt von XPECT MEDIA http://www.xpect-media.de Sponsored by FONDS Dank an >top e.V. ------------------- Ende des n0name newsletter #131 --------------------