|<------ Breite: 72 Zeichen - Fixed Width Font: Courier New, 10 ------>| n0name newsletter #116 Mi., 11.07.2007 08:00 CET ACHTUNG! Umlaute *Inhalt/Contents* 1. Und die Sterne des neuen deutsch gefuehrten Europas sind wie Schnuppen 2. Rezension von Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot_ 20 3. Nick. _Roman_ (Fortsetzungsroman) Teil 76 30 KB, ca. 9 DIN A4-Seiten ------------------------------------------------------------------------ 1. Und die Sterne des neuen deutsch gefuehrten Europas sind wie Schnuppen "PiratInnen und Piraterie waren extrem beliebt bei Kids und Youngsters, waren ein weiteres prägendes farbiges Feature der Proteste in Rostock. Während die Piraten der Karibik die Kassen der Kinos füllen, treibt die Pirate Bay Hollywood mit ihrem kostenlosen p2p Tauschservice in den Bankrott. Piraterie handelt traditionell von der Herausforderung staatlicher Souveränität (dazu auch Marcus Redikker und Hakim Bey) und dem Aufbau post-souveräner Formen der Selbst-Regierung auf Basis von horizontaler Vernetzung und Kanaken-Kameraderie: Tortuga als erste moderne autonome Zone. Der Form treu wehte die Totenkopffahne auf vielen Zelten und bei allen Aktionen, oftmals entweder pink auf schwarz oder schwarz auf pink. Und St.Pauli Fußballfans aus Hamburg brachen mit ihren schwarzen Totenkopf-Pullies in Massen über Rostock herein, um bei der Schlacht dabei zu sein." (Alex Foti: Nach dem Flaschen schmeißen an den Barrikaden zurück auf den Webseiten der ketzerischen Linken Pink, schwarz, piratisch: Eine Bestandsaufnahme von Rostock in: Date: Mon, 09 Jul 2007 20:53:26 +0200 From: Öffentlicher Verteiler der Gipfelsoli-Infogruppe Subject: [Gipfelsoli Newsletter] Heiligendamm) Nach solcherlei Pipi Langstrumpf-Wunschdenken von einaeugigen Gruenen (Alex Foti[1], Autor des ganzen Artikels[2], Politologe, kandidierte 2006 fuer die italienischen Gruenen) mit doppelter Augenklappe, die die Ansage von z.B. Pirate Bay an Hollywood, jetzt mal das neue Geschaeft endlich anzugehen, nicht verstanden haben, was klar nicht bedeutet, dass Hollywood brennt, nach Bezugnahmen auf Hakim Bey und dessen Robinsonade-Theoreme, wird einem bei soviel piratischem Seegang ohne See beinahe etwas schlecht. Piraterie mag traditionell von der Herausforderung des Staates handeln, Piraterie handelt aber traditionell ebenso von ihrer eigenen Rekonvertierung zum Apparat des Staates und dessen Konsolidierung mittels flexibilsierter Methoden, die vom Ex-Gegner instrumentalisiert, oder nie gegen dessen Prinzipien - hier dem Privateigentum - eingesetzt werden. The Pirate Bay will sein 'eigenes Ding' ohne Begriff seines Nichtautonomen Status und toent im personalisierten Interview (www.stealthisfilm.com) in guter Hippie-Tradition von trotziger Unabhaengigkeit inmitten des Ganzen. Der Suprastaat, der hier anklingt, gegen den man agiere, dessen Kapital man aber symbolisch mit den Konzernen verwechselt, ist u.a. und vor allem Europa, und nichts destotrotz muss gerade Angela Merkel das Urheberrecht verbal zu schuetzen versuchen: [3] Die linken Linien kann man ziehen bis zu links-buergerlichen Projekten, deren Vernetzung bis zur Springerin, den documenta 12-Rebellen und dem eipcp - European Institute for Progressive Cultural Policies respektive http://republicart.net gefoerdert vom EU Culture 2000 Programm (http://ec.europa.eu/culture/eac/index_en.html), wo man als Kuenstler auf Kunst setzt[4], so wie der Baecker aufs Brot. Auf eipcp findet man den Staat als Insignie, nur etwas re-designed: http://eipcp.net/header_toplogo _____ [1] Alex Foti http://static.flickr.com/74/153524512_ab3bbdcb94.jpg [2] In der englischen Version hier http://transform.eipcp.net/ correspondence/1182944688 [3] ###didiers merkel### [4] "... Die "organisierende Funktion" der Kunst (Walter Benjamin) schafft sich neue Räume in den überlappenden Nachbarschaftszonen zu politischem Aktivismus und Theorieproduktion. ... (http://republicart.net/manifesto/manifesto_de.htm) Susi Meyer ------------------------------------------------------------------------ 2. Rezension von Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot_ 20 Auf Seite 72 war vom "Einfluss der Verwertungsindustrie" auf das jeweilige nationale oder uebernationale (hier: europaeische) Recht die Rede, so als ob Recht, Rechtsentwurf und Rechtssprechung, nach kapitalistisch-demokratischer Art in der Gewaltenteilung unabhaengige Groessen seien. Dem ist nicht so, steht doch etwa der neue Praesident der Franzoeschen Republik Sarkozy unter "direktem Einfluss" der deutschen Bertelsmann-Stiftung was den Entwurf zur EU-Verfassung angeht. Spricht man nur mit Blick auf den Loybbismus ueber die inneren Zusamenhaenge von Verwertung und die Durchsetzung derselben, verbleibt man in der Anayse beim Sonnenstaat, wo sich Einflussnehmende hoeflich um den Koenig scharten. "geschützten Werken immer noch nicht verhindert werden könne, so dürfe dies nicht zu Lasten der Urheber gehen, die ja bei einem Verbot der digitalen Privat-kopie aus der Geräte- und Leerträgervergütung nur noch wenig zu erwarten hät-ten: Würde man die Privatkopie verbieten, gäbe es keine Rechtfertigung mehr für eine Geräteabgabe. Darüber hinaus wäre dem Entwurf zufolge eine Regelung, die nur die analoge Privatkopie zuließe, praktisch kaum durchsetzbar und den Ver-brauchern nicht zu vermitteln: „Ein solches Verbot würde die soziale Realität ignorieren und die Autorität und Glaub-würdigkeit der Rechtsordnung untergraben. Digitale Vervielfältigungsgeräte würden da-mit für überwiegend rechtswidrige Zwecke angeboten und genutzt. (...) Im Interesse der Urheber ist daher nach wie vor an der bewährten Regelung des Urheberrechtsgesetzes festzuhalten, die (nicht zu verhindernde) private Vervielfältigung zu gestatten" (Kopien brauchen Originale.de 2005b)." Andauernde Rede lediglich von den _Interessen_ waere leicht 'irrefuehrend'. Einerseits steht das stete Interesse seitens der Verwerter "kreativer Arbeit" einer Kantischen Interesselosigkeit an den Dingen der Kunst entgegen und bringt sie zumindest monetaer auf den Boden der Tatsachen, andererseits ist "Interesse" ein zu allgemeiner Begriff, der die zwingend notwendige Bewegung der Formation, die eben ihre Interessen durchsetzen muss, nicht betrachten hilft, sondern zum Teil verdeckt. Interesse des einzelnen Kapitals ist zuallererst den Profit moeglichst hoch zu schrauben. Dreht einer an der selben Schraube, dann kommt es zum sog. Interessenskonflikt. "Die Gesetzesvorlage zum neuen Urheberrecht sieht damit auch vor, dass die Pauschalvergütungen als Kompensation für die Privatkopie erhalten bleiben. Nach Ansicht des Justizministeriums soll das System der Einzellizenzierung und der Pauschalvergütung parallel bestehen bleiben, da es sowieso noch Jahre dauern würde, bis sich Kopierschutztechnologien durchsetzen.53 Auch speziell bezüglich der Praxis der Tauschbörsen wurde das Urheberrecht verdeutlicht: Wenn sich jemand eine zulässige Privatkopie seiner nicht kopier-geschützten Musik-CD macht und diese anschließend unzulässigerweise im Internet zum Download anbietet, handelt es sich um eine rechtswidrig genutzte bzw. unerlaubt veröffentlichte Vorlage. Wenn aber für den Nutzer der Tauschbörse offensichtlich ist, dass es sich um ein rechtswidriges Angebot im Internet handelt, darf er keine Privatkopie davon herstellen. Auch hier wurde man zunächst den Interessen der Industrie und Rechteverwerter nicht gerecht (Forum der Rechte-inhaber 2004), denn Urheberrechtsverletzungen privater Endnutzer sollten in einem bestimmten Rahmen explizit straffrei bleiben. Sie sollten dann nicht kriminali-siert werden, wenn sie sich im „Bagatellbereich" bewegen und nur dem privaten _______________ 53 Bei der Vorstellung des Gesetzesentwurfs verwies Zypries zum Beweis auf den zweit-größten Musikkonzern der Welt, Universal Music. Dieser habe seinen Kopierschutz kürzlich sogar wieder abgeschafft, um den Kunden entgegenzukommen (Frankfurter Allgemeine Zeitung 2004: 11). Frank Briegmann, Deutschland- Präsident von Universal Music sieht das allerdings nicht so sehr als Entgegenkommen. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung antwortet er auf die Frage, ob Universal auf den umstrittenen CD-Kopierschutz weiterhin verzichten will: „Nein, wir machen das nur vorübergehend wegen der Funktionsmängel der zur Zeit verfügbaren Systeme. Sobald es einen zuverlässigen Kopierschutz gibt, werden wir ihn auf breiter Front einsetzen" (Briegmann in Theurer 2004b: 21). 73 Gebrauch dienen. Mittlerweile ist diese Bagatellklausel allerdings gestrichen wor-den.54 Die Kämpfe um die Sicherung geistigen Eigentums bei Musikdateien dauern zwar noch an, die hier dargestellte Entwicklung zeigt aber die Richtung an, in die es geht. Auf ideologischem, rechtlichem und technologischem Gebiet werden die Verwertungsschwierigkeiten bei digitalen Gütern minimiert, die Technologie wird mit allen Mitteln „eingehegt", so dass sich ein Markt für digitale Güter etablieren kann. Bei proprietärer Software nun existiert zwar ein ganz ähnliches Problem, wenn es als digitales Gut verkauft werden soll, auch hier wird über Raubkopien geklagt und entsprechende Maßnahmen werden ergriffen. Im Folgenden ist aber ausschließlich die sogenannte Freie Software/Open Source Software von Interes-se, da diese immer wieder als Beispiel für alternative und insofern subversive Eigentumsformen zitiert wird. 2.4.2 Freie Software & Open Source In den Anfängen der Computerindustrie in den späten 40er und frühen 50er Jahren war der Handel auf den Verkauf von Hardware und technischem Support be-schränkt. Software wurde in dieser Frühphase nicht in maschinenunabhängigen, sondern in relativ maschinennahen Programmiersprachen geschrieben. Dadurch war sie nicht zwischen den vielen, nicht standardisierten Plattformen austausch-bar. Erst Ende der 60er Jahre, als die Plattformen stärker standardisiert wurden, entstand langsam ein einheitlicher Markt für „packaged software".55 Von da an wurde auch Software zu einer eigenständigen Ware und damit veränderte sich die Praxis der Weitergabe. Es war nun nicht nur gängig, dass Software lizenziert wur-de, sondern es wurde bei der Weitergabe einer Software auch der Quellcode56 _______________ 54 Sietmann schiebt dies auf den Regierungswechsel, so treibe in der zweiten Stufe zur Reform des Urheberrechts die schwarz-rote Regierungskoalition im Urheberrecht noch stärker auf einen industriefreundlichen Kurs als ihre rot-grüne Vorgängerin (vgl. c't 2006: 48 ff.). Die geltende Rechtslage sieht nach Paragraf 153 der Strafprozessordnung allerdings sowieso vor, dass bei geringer Schuld des „Täters" von der Verfolgung abgesehen werden könne, wenn kein öffentliches Interesse bestehe. Die Bagatellausnahme im Urheberrecht hätte nach Zypries nur der Klarstellung der staatsanwaltlichen Praxis gedient (ebd.). 55 Für diese Differenzierung und weitere Hinweise in diesem Themenbereich danke ich Robert Gehring. 56 Der Quellcode ist in einer für den Menschen lesbaren Programmiersprache geschrieben, während der Binärcode aus Nullen und Einsen besteht und letztlich nur für die Maschi-ne lesbar ist. Ein sogenannter Compiler übersetzt die menschenlesbare Sprache in die maschinenlesbare. Damit die Maschine läuft, bedarf es dessen Quellcodes letztlich nicht." ?, Warum sollte hier kein Bedarf an Quellcode vorliegen? Computer machen - ganz entgegen den Apokalyptischen Nachhumanen Entwuerfen Kittlers etwa - ohne die "Kopplung" an den Menschen kein Sinn, sie waeren, im Diskurs des selbstmaechtigen Techno, rein auf an und fuer sich bezogene Dinge/Wesen. Ein _fuer sich_ beim Menschen mittels des Computers ist dann nicht mehr denkbar, was nicht heiszt, das die rationale Erfassung der Black-Box-Vorgaenge im Rechner nicht begrenzt sei, im Gegenteil. "74 zurückgehalten, so dass Programmierer und andere Nutzer nicht oder nur sehr schwer Einblick in die Funktionsweise der Software erhalten konnten, geschweige denn, dass sie daran Veränderungen vornehmen konnten. Am Softwaremarkt Ende der 70er Jahre herrschte schließlich eine „nachgerade paranoide Haltung. Jeder Käufer erschien den Firmen als potenzieller `Pirat"` (Grassmuck 2002b: 281). Ende der 80er Jahre war fast alle Software proprietär und schon seit 1981 kann man in den USA Software patentieren (Grassmuck 2002b: 221). Kunden, die den Quell-code erhielten, mussten sogenannte Vertraulichkeitsvereinbarungen unterzeich-nen, eine kooperierende Community über Unternehmen hinweg und quer durch alle Institutionen war damit unmöglich gemacht." Das Klischee ist eindeutig: mit GNU tritt in der Aera der fruehen Blue Chips die Liberale auf den Plan und rettet... "Richard Stallman, ein Programmierer, der in den siebziger Jahren am MIT beschäftigt war, wollte sich mit dieser Praxis nicht abfinden, seiner Ansicht nach ist es „unmoralisch", den Quellcode als Geschäftsgeheimnis einzubehalten, weil damit Verbesserungen und Weiterentwicklungen nicht mehr geteilt werden kön-nen (Moody 2001: 35, 45). Er beklagte das Ende der offenen Kooperation in der Software-Entwicklung und begann daher konsequent ein neues, eigenes und „frei-es" Betriebssystem unter dem Name GNU (rekursives Akronym für „GNU is not Unix") zu entwickeln, bei welchem der Quellcode offen und Kooperation aus-drücklich erwünscht war. 1985 gründete Stallman schließlich die Free Software Foundation mit dem Ziel, die Rechte der Software-Nutzer und -Entwickler zu stärken. Die nach Grassmuck folgenreichste Erfindung Stallmans war jedoch das „Copyleft", eine Umkehrung der Wendung „Copyright - all rights reserved" zu „Copyleft - all rights reversed" (Grassmuck 2002b: 282, FN 29). Unter diesem Label schuf Stallman gemeinsam mit juristischen Beratern der Freien Software Foundation die GNU General Public License (GPL). Bereits aus der Präambel geht das Hauptziel dieser Lizenz hervor: „The licenses for most software are designed to take away your freedom to share and change it. By contrast, the GNU General Public License is intended to guarantee your freedom to share and change free software - to make sure the software is free for all its users" (Free Software Foundation 1991a). Die GPL wurde eine wichtige Antriebskraft in der Freien Software-Entwicklung, „it is used by most GNU programs, and by more than half of all Free Software packages" (Free Software Foundation 1991b). Software, die der GPL unterliegt, darf mit Quellcode verbreitet werden, sofern der Copyright Vermerk und die Lizenz mit verbreitet wird. Dienstleistungen, die mit dem Code zusammenhängen (für Datenträger, Handbücher, Support etc.) dürfen verkauft werden." Zu ergaenzen waere: "Dienstleistungen, die mit dem Code zusammenhaengen, bzw. der Kode selbst *muss* verkauft werden, sonst waere die Finanzierbarkeit der Bewegung unmoeglich. "Das Programm darf verändert werden und die veränderte Version darf weiter verbreitet werden, solange Angaben über die Änderungen mit weitergegeben werden und das Pro-gramm unter denselben Lizenzbedingungen veröffentlicht wird, wie die ursprüng- 75 liche Freie Software, derer man sich bedient hat. Bei der Freien Software wird nicht auf das Urheberrecht verzichtet, im Gegenteil: Das Urheberrecht wird ge-nutzt, um im Sinne der GPL das Recht zu erteilen, Software zu vervielfältigen, zu verbreiten und/oder zu verändern (vgl. Free Software Foundation 1991a; Deut-sche Übersetzung der GPL siehe Lachmann/Gerwinski 2000).57 Die General Public License ist nicht die einzige Lizenz unter dem Label Copyleft (siehe dazu weiter unten) und Programme unter die GPL zu stellen ist auch nicht die einzige Me-thode ein Programm „frei" zu machen. Man kann eine Software auch einfach in die Public Domain stellen ohne Copyright: „This allows people to share the program and their improvements, if they are so minded" (Free Software Foundation 1991b). Allerdings - und dies ist der wesentliche Unterschied zur GPL: „But it also allows uncooperative people to convert the program into proprietary software. They can make changes, many or few, and distribute the result as a proprietary product. People who receive the program in that modified form do not have the freedom that the original author gave them; the middleman has stripped it away" (Free Software Foundation 1991 b). Aus diesem Grund wird der GPL auch mitunter vorgeworfen, einen Virus-Effekt58 zu haben, da die Programme, die GPL-Software integrieren, ebenfalls unter GPL gestellt werden müssen und daher nicht mehr geschlossen bzw. proprietär sein können. Zu Beginn der 90er Jahre, als fast alle Komponenten des GNU-Betriebs-systems bis auf den Kernel (das „Herz" eines Betriebssystems) geschrieben waren, entwickelte ein Informatikstudent aus Helsinki, Linus Torvalds, im Rahmen einer stetig wachsenden weltweit vernetzten Kooperation mit anderen Programmierern und unabhängig von Stallman einen freien Kernel (ausführlich vgl. Moody 2001). Im Januar 1992 lag ein bereits stabiler Kern vor, welcher von der Community mit den GNU-Komponenten kombiniert wurde, das so entstehende Betriebssystem wurde unter die GPL gestellt, im März 1994 erschien schließlich GNU/Linux Version 1.0: „Ob nun GNU/Linux als letzter Baustein in das GNU-System eingefügt wurde oder die GNU-Systemkomponenten um Torvald's Kernel - wie man es auch sehen mag, auf jeden _______________ 57 In diesem Sinne entschied das Landgericht München in seinem Urteil vom 19. Mai 2004 (Az. 21 0 6123/03) für eine Programmierergemeinschaft und gegen einen Hard-ware-Hersteller, der GPL-lizensierte Software zum Betrieb seiner kommerziellen Hard- ware benutzen und damit verkaufen wollte. Wörtlich heißt es: „Die Kammer teilt die Auffassung, dass in den Bedingungen der GPL keinesfalls ein Verzicht auf Urheber-rechte und urheberrechtliche Rechtspositionen gesehen werden kann." 58 „Ziel dieser von ihren Gegnern häufig als `infektiös', richtiger als `impfend' bezeichneten Klausel ist es, eine Privatisierung von kollektiv erzeugtem Wissen zu verhindern und den Gesamtbestand an freier Software beständig zu erweitern" (Grassmuck 20026: 284 f.). 76 Fall gibt es seither ein vollständiges, leistungsfähiges, freies System mit dem Namen GNU/Linux" (Grassmuck 20026: 226). Das Betriebssystem GNU/Linux mit einem Pinguin" der einen Zylinder traegt und Havanna raucht "als Maskottchen ist mittlerweile sicherlich das berühmteste Freie Software-Projekt. Bis zum Jahr 2002 wurden 30 Millionen GNU/Linux-Installationen weltweit gezählt (Grassmuck 2002b: 229), vor allem im Serverbereich konkurriert GNU/Linux längst mit Microsoft. Es entstanden Firmen, die mit Distribution und Support für GNU/Linux Geld ver-dienen, GNU/Linux-Unternehmen, die vom New Economy Boom mitgerissen wurden (und die wieder fielen), es gründeten sich überall GNU/Linux Nutzer-gemeinschaften (GNU/Linux User Groups), GNU/Linux-Zeitschriften, GNU/Linux-Standardisierungs-Konsortien und GNU/Linux-Konferenzen schossen wie Pilze aus dem Boden, kommunale Verwaltungen beschäftigen sich mit dem Ein-satz von GNU/Linux (ZDNet 2003) und/oder benutzen mittlerweile dieses Be-triebssystem, ebenso wie Großunternehmen, so beispielsweise Edeka, Sixt, Debis und Ikea (Grassmuck 2002b: 229). GNU/Linux, so könnte man sagen, hat es geschafft, eine ganz eigene, weltweit verstreute riesige Anhängerschar zu kreieren und dies über alle Grenzen hinweg und stellt darüber hinaus für verschiedene Geschäftsmodelle den Rohstoff und die Grundlage dar. Manche Autoren gehen davon aus, dass das Besondere an GNU/Linux gar nicht unbedingt der Kernel selbst war, sondern die Erfindung des Entwickler-Modells, GNU/Linux wird heu-te als Paradebeispiel einer Organisationsform betrachtet, bei der Tausende von Menschen in der ganzen Welt in einer selbst organisierten Zusammenarbeit ein komplexes Softwareprojekt entwickeln. Die Kommerzialisierung von Freier Software: Open Source Software Auch wenn Torvalds und Stallman beide gleichermaßen mit GNU/Linux assozi-iert werden, da sie beide zu den ursprünglichen Initiatoren gehören, so stehen sie bezüglich der „Philosophie" doch für verschiedene Strömungen. Die Ablehnung einer ausschließenden Aneignung von Software-Code war und ist für Stallman und seine Anhänger nicht nur eine Frage der größeren Effizienz von Software-Entwicklung, vielmehr steht der soziale Aspekt der Freiheit im Vordergrund, den es ganz allgemein zu schützen gilt:" Und bei der man utopistisch vorgibt in einem Teilbereich schon jetzt in dieser Epoche in GNU/Linux eine real Entsprechung zur Utopie gefunden zu haben. "„There are more important issues of freedom - the issues of freedom that everybody's heard of are much more important than this: freedom of speech, freedom of the press, free assembly" (Moody 2002: 29)." Wobei die Deutung hier eine evolutionistische ist: "Freie Software ist damit ein Schritt in Richtung einer freieren Gesellschaft: „This is why we say that free software is a matter of freedom, not price" (Stallman 1994), das GNU-Projekt ist für Stallman eine ethische, soziale, politische Frage, es geht 77 letztlich um die Frage, wie die Gesellschaft beschaffen sein soll, in der wir leben wollen (so Stallman, zitiert in Grassmuck 2002b: 226). Im Zuge der Verbreitung von Freier Software haben sich allerorten die verschiedensten, zumeist bürger-rechtlich am Ideal der Informationsfreiheit orientierten Initiativen zur Unterstüt- zung dieser Software herausgebildet, so dass man durchaus von einer „Freie Soft-ware-Bewegung" sprechen kann. In Abgrenzung dazu formierte sich allerdings in den späten neunziger Jahren die „Open-Source-Bewegung", welcher Linus Torvalds nahe steht. Zu deren Auftaktveranstaltung im April 1998 im californischen Palo Alto ist Richard Stallman ganz bewusst nicht eingeladen worden (Moody 2001: 233). Die Open Source Bewegung favorisiert zwar ebenfalls quelloffenen Code im Gegensatz zu proprietärem Code, lehnt aber jegliche Politisierung dieser For-derung ab. Stallman wird als zu ideologisch kritisiert und das eigene Plädoyer für offenen Code mit rein pragmatischen Gründen legitimiert, die Nützlichkeit, die Effizienz und die Zuverlässigkeit der Software rücken bei der Open Source Philo-sophie in den Vordergrund. Das „irgendwie kommunistisch" (Grassmuck 2002b: 230) und für den Mainstream „bedrohlich" (Raymond zitiert nach Moody 2001) klingende „free" soll vermieden werden, damit auch die Geschäftswelt von dem Produktionsmodell der Freien Software überzeugt werden kann. Die Verwendung von „Open" statt „Free" sollte signalisieren, dass man keineswegs gegen eine Kommerzialisierung von auf diesem Weg entwickelter Software sei, sondern viel-mehr „offen für alles". (O'Reilly & Associates 1999). Stallman dazu: „Please avoid using the word 'open' as a substitute for 'free software'. A different group, whose values are less idealistic than ours, uses 'open source' as its slogan" (Stallman o. J.: o. S.)." Es geht also um einen neuen feinen feinen Unterschied von Software, die zum Selbskostenprreis oder mit Gewinn fuer das Ideal 'freier Software' kommerziell vertrieben wird, und Software, die kommerziell vertrieben, um Gewinne einzufahren. "Rein technisch oder lizenzrechtlich ist es allerdings schwierig, Freie Software und Open Source Software auseinander zu halten, daher werden die Begriffe auch häufig synonym verwendet. Die spezifische Herstellungsweise von Freier Software und ihre Merkmale als Produkt sind nach Ansicht ihrer Befürworter durchaus auch für die kommerzielle Welt von großem Vorteil gegenüber geschlossener bzw. proprietärer Software, dazu gehören wesentlich: Hohe Sicherheit: Aufgrund des verfügbaren Codes können Programmierer oder Nutzer mit dem entsprechenden Know-how einsehen, wie das Programm funktioniert. D.h. die Kontrolle über den eigenen Computer ist gewährleistet.59 Flexibilität: Da der Code offen ist, kann er auf individuelle Zwe- _______________ 59 Einer Umfrage der Evans Data Corporation unter ca. 500 Entwicklern in Nordamerika zufolge halten diese das offene Betriebssystem Linux im Vergleich zu Windows XP für weitaus sicherer. Fast ein Viertel (23%) von ihnen hielt Linux für „das sicherste System", nur 8% hielten Windows XP für sicherer. Auch allgemein seien „Open Source Produkte beliebter geworden", so die Umfrage. 2001 nutzten nur 380/0 der befragten Entwickler Open Source Software, nun sind es bereits 620/0 (Evans Data Corporation 2003). 78" Aber kam Linux nicht passgenau, um die Balance der Quasi-Monopole auf dem Software-Markt zu stabilsieren? "cke und Bedürfnisse hin verändert werden.60 Hohes Entwicklungstempo bei hoher Qualität: Offener Code ist immer work in progress. Kontinuierliche Verbesserun-gen, Erweiterungen und Fehlerbereinigungen erfordern dabei kontinuierliche Veröffentlichungen („release early, release often"). Freie Software/Open Source-Entwickler veröffentlichen verbesserten, fehlerbereinigten Code zumeist in neuen Programmversionen, die sie eher nach Gesichtspunkten der Qualität freigeben und nicht nach Gesichtspunkten kommerzieller Verwertungszwänge (vgl. Mockus, et al. 2002). Geringe Kosten: Jeder kann den Quellcode von Freier Software aus dem Netz laden. Nutzer, die nicht so vertraut mit dem Computer und dem Umgang mit seinen Anwendungsprogrammen sind, können Support, Dokumentationen und Handbücher für das entsprechende Freie Software/Open Source Programm erhalten. Sie bezahlen nur dafür, nicht aber für den Code.61 Schnelle und güns-tige Hilfe: Es gibt eine umfangreiche Gemeinde von Freie Software/Open Source Entwicklern (die „Community"), welche in Newsgroups und Mailinglisten orga-nisiert sind und jedem, der Hilfe braucht oder Fragen hat, zu helfen versuchen. Kommerzieller proprietärer Software hingegen sagt man nach, dass der Support meist von schlechter Qualität und teuer ist (vgl. Levinson 2001). Kooperation: Da die Teilnahme an einem Open-Source-Projekt in der Regel für jeden offen ist, können solche Projekte weltweit Talente anziehen, die andernfalls niemals hätten zusammengebracht werden können. Nutzer und Entwickler von Software ver-schmelzen in Personalunion und erhöhen damit die Feedback-Frequenzen.62 ________________________________________________________________________ 60 „Open-source represents one of the most interesting and influential trends in the software industry over the past decade. Today, many organizations are looking toward open-source as a way to provide greater flexibility in their development practices, jump-start their development efforts by reusing existing code, and provide access to a much broader market of users" (Brown/Booch 2002: 123). 61 DB-Research nennt in ihrer Studie explizit die „hohen Kosteneinsparpotenziale" bzw. „nachweisliche Kosten- und vermutete Stabilitäts- und Sicherheitsvorteile” als Gründe für die künftig zu erwartenden hohen Wachstumsraten speziell von Linux im Markt für Server-Software sowie für das erwartete wachsende Interesse an Officepaketen, Datenbank-programmen und Wissensmanagement-Software auf OS-Basis (vgl. Heise 2002). 62 Zur Frage des Zusammenhangs zwischen Feedback bei der Software-Entwicklung und Softwarequalität siehe z.B. McCormack (2001): „The most striking result to emerge from the research concerned the importance of getting a low-functionality version of the product into customers' hands at the earliest opportunity. (...) Plotting the functio-nality against the quality of the final product demonstrated that projects in which most of the functionality was developed and tested prior to releasing a beta version performed uniformly poorly. In contrast, the projects that performed best were those in which a low-functionality version of the product was distributed to customers at an early stage" (McCormack 2001: 79). 79" Genau an dieser Stelle taucht die Prosumer-Debatte auf, in der Bedarf und Produkt eine funktionale sich sinnvoll ergaenzende dynamische Einheit bilden. Ali Emas/Matze Schmidt Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot: Aneignungskonflikte um geistiges Eigentum im informationellen Kapitalismus_. Muenster: Westfaelisches Dampfboot, 2006. 269 S. - EURO 19,90. Erschienen: Oktober 2006 Volltext-Archiv aller im Buch verwendeten elektronischen Quellen (ca. 20 MB) http://wbk.in-berlin.de/wp_nuss/wp-content/uploads/2007/01/ lit_linksklein.pdf ------------------------------------------------------------------------ 3. Nick. _Roman_ (Fortsetzungsroman) Teil 76 Der war absurd, denn wo sollte der Grund liegen. Doch die Existenzfrage konnte Roman nicht lange beschaeftigen, musste er doch schnell mal eben handeln - also, was ver...kaufen. Teil 77 im n0name newsletter #117 ======================================================================== Sie erhalten den n0name newsletter, weil sie da sind!/You get the n0name newsletter, because you are there! *Bitte weiterleiten!/Please forward!* (c) 1999-2007 n0name, die Autorinnen & Autoren und die Maschinen Unterstuetzt von XPECT MEDIA http://www.xpect-media.de Sponsored by FONDS Dank an >top e.V. ------------------ Ende des n0name newsletter #116 -------------------