|<------ Breite: 72 Zeichen - Fixed Width Font: Courier New, 10 ------>| n0name newsletter #101 Di., 02.01.2007 08:22 CET *Inhalt/Contents* 0. Deutschland bemueht sich um Fuehrung 1. Gebt-uns-Alternativen-Dummies 2. Rezension von Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot_ 7 3. Nick. _Roman_ (Fortsetzungsroman) Teil 65 22 KB, ca. 7 DIN A4-Seiten ------------------------------------------------------------------------ 0. Deutschland bemueht sich um Fuehrung http://www.arbeitermacht.de/ni/ni116/eu.htm http://www.streitkraeftebasis.de/portal/a/streitkraeftebasis/kcxml/ 04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLt4g39QkASYGYJu4h-pHoYm7BCLEgfW99X4_83 FT9AP2C3NCIckdHRQAbXCKW/delta/base64xml/L2dJQSEvUUt3QS80SVVFLzZfOF84Vkg !?yw_contentURL=/01DB040000000001/W26VHKKX915INFODE/content.jsp http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Bundeswehr/battlegroup.html ------------------------------------------------------------------------ 1. Gebt-uns-Alternativen-Dummies http://www.morgenpost.de/desk/1163726.html http://www.erwerbslosenforum.de/nachrichten/waschen_rasieren_kurt_beck_ 162006161216_117_3.htm ------------------------------------------------------------------------ 2. Rezension von Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot_ 7 Lassen sich OS und Datenaustausch nicht herleiten aus der Produktivitaet der Arbeiter ueberhaupt, aus einer, die - neben der, einer Notwendigkeit folgenden Lohnarbeit - Dinge weiterverarbeitet? Sabine Nuss findet einen Anfang in der allgemein bekannten Debatte: "An diesen beiden Phänomenen - Filesharing und Freie Software/ Open Source - entzünden sich Debatten, in denen sich grob gesagt zwei Positionen gegenüber-stehen und bekämpfen. Während die eine Seite befürchtet, dass geistiges Eigen-tum und damit die bürgerliche Rechtsordnung durch die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien zur Disposition gestellt wird, befürchtet die andere Seite, dass geistiges Eigentum mit diesen Technologien besser denn je geschützt werden kann. Stehen hinter der ersten Position häufig klare Umsatz-und Gewinninteressen, wobei in der Begründung allerdings auf Wachstum, Be-schäftigung und Wohlstand abgehoben wird, geht es auch den Verfechtern eines freien Informationsflusses im Netz nicht einfach um das Sonderinteresse einzel-ner Computerfreaks, sondern „um die Bürgerrechte aller" (Moldenhauer 2004: 29). So wird befürchtet, dass ganz allgemein Wissen, kulturelle Güter und lebens-wichtige Informationen immer mehr zu Ware werden und damit der Allgemein-heit nicht mehr unumwunden zur Verfügung stehen. Die Balance zwischen Pri-vat- und Allgemeininteresse verschiebt sich in dieser Lesart zugunsten der Partikular-interessen großer Medienkonzerne. Die Praxis der Freien Software/Open Soure dagegen erscheint in manchen Kreisen als Mittel einer antikapitalistischen Politisierung. So wird zuweilen ange-nommen, dass die Art und Weise, wie Freie Software produziert wird, verallgemeiner-bar sei, womit der Kapitalismus auf lange Sicht überwunden würde. Unabhängig von dieser eher marginalen Debatte wird der Aufbau eines umfassenden Regimes zum Schutz des geistigen Eigentums als Voraussetzung für einen Handel mit solchen neuen digitalen Gütern als eine der „brisantesten politischen Streitfragen" (Flicks/Poltermann 2002: 9) unserer Zeit betrachtet." Und weiter: "In der vorliegenden Arbeit sollen diese hier skizzierten Strategien der Eigentums-sicherung, die Versuche ihrer Umgehung, die alternativen Praxen und die sich daran entzündenden Debatten im informationellen Kapitalismus genauer unter-sucht und anhand von Filesharing und Freier Software/Open Source illustriert werden, auch im Hinblick darauf, inwieweit den Praxen, die das geistige Eigen-tum in Frage stellen, tatsächlich ein subversiver Charakter zukommt, der über normale Anomien (wie sie z.B. auch beim Diebstahl von Sacheigentum vorlie-gen) hinausgeht. Allgemeiner ausgedrückt: Es soll untersucht werden, in welcher Weise sich der informationelle Kapitalismus durch seine Versuche der Sicherung des geistigen Eigentums weiter entwickelt. Dabei wird sich zeigen, dass bei den Debatten um geistiges Eigentum zum einen einige Annahmen stillschweigend vorausgesetzt werden, die selbst fragwür- 15 dig sind, zum anderen, dass die sich einander widersprechenden Positionen mehr Gemeinsamkeiten aufweisen, als ihren Vertretern selbst bewusst ist. Erst vor die-sem Hintergrund lässt sich diskutieren, inwiefern scheinbar „systemsprengende" Praxen wie die Freie Software oder auch die das Privateigentum in Frage stellende Praxis des Filesharing tatsächlich subversiven Charakter haben oder inwiefern sie im kapitalistischen Sinne möglicherweise integrierend wirken und eventuell dazu beitragen, dass für die spezifisch stoffliche Beschaffenheit der digitalen Sphäre eine geeignete Eigentumskonfiguration gefunden werden kann - „geeignet" inso- fern, als die kapitalistische Reproduktion auch unter den Bedingungen der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien funktioniert." Anomalie und Subversion werden als Begrifflichkeiten aufgefahren, die dem konkurristisch organisierten, gleichsam zum Organismus gemachten oekonomischen Ausbeutungssystem entgegenstehen. Nuss' Programm ist das folgende: "Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit („Teil I Aneignungskonflikte") geht es um die spezifischen Aneignungskonflikte des informationellen Kapitalismus. Die Untersuchung dieser Auseinandersetzungen beginnt mit einer Beschreibung des historischen Kontexts, in dem der Konflikt um geistiges Eigentum aufgetreten ist, wobei dies kritisch entlang dem Diskurs von der Informations- und Wissens-gesellschaft erfolgen soll, da diese Begrifflichkeiten regelmäßig den Bezugspunkt in den Debatten um geistiges Eigentum darstellen (Kapitel 1 „Der informationelle Kapitalismus"). Daran anschließend soll die Entstehung des Internet und die Funktionsweise des Urheberrechts erläutert werden, da Technologie und Recht das Spannungsverhältnis darstellen, in dem sich Filesharing und Freie Software/Open Source verorten (Kapitel 2 „Technische Möglichkeiten und kapitalistische Restriktionen")." Wo doch aber Technologie und Recht im Kapitalismus dessen Funktionselemente darstellen. "In einem weiteren Schritt werden die eigentumsrechtlichen De- batten wiedergegeben. Sowohl die konservative Position für eine restriktive Eigen-tumssicherung als auch die entgegengesetzte Position eines weniger restriktiven Zugangs sollen idealtypisch dargestellt werden (Kapitel 3 „Die aktuelle Debatte um geistiges Eigentum"). Bei den in Teil I dargestellten Aneignungskonflikten wird deutlich, dass hin-sichtlich der kategorialen Bestimmung von Eigentum erhebliche Leerstellen exis-tieren. Im zweiten Teil soll es daher um die historische Spezifik des bürgerlichen Eigentums gehen. Dabei wird zunächst die mit John Locke begründete und seither in dieser Traditionslinie stehende bürgerliche Eigentumstheorie erörtert" (Kapitel 4 „Das herrschende eigentumstheoretische Paradigma")." Wobei die Betrachtung der Vorlaeufer, naemlich Hobbes bis hin zu Platon interessante Aspekte bezueglich des Naturalismus-Vorwurfs aufbringen kann, vor allem in Bezug zur ideologischen Legitimierung des buergerlichen Staates eben durch die buergerliche Theorie, deren Neutrale nie gegeben war und insofern ihre Buergerlichkeit, naemlich die geistige Sicherung der angeblichen Herkunft von Besitz nicht ueberrascht. "Wie sich im Verlauf der Untersuchung zeigen wird, liegt eben diese Theorie beiden sich bekämpfenden Positionen gleichermaßen zugrunde, während sich ihre widerstreitenden Elemen-te lediglich auf der Oberfläche bewegen. Allerdings ergibt die Analyse dieser bürgerlichen Eigentumstheorie wesentli-che Unzulänglichkeiten: Eigentumsverhältnisse werden naturalisiert und daher geschichtslos rückprojiziert auf vorkapitalistische Zeiten. Die Kritik an einer sol-chen Ent-historisierung herrschender Verhältnisse ist dabei nicht einfach eine Frage 16 der theoretischen Kür, sondern wendet sich gegen den „propagandistischen" Ef-fekt dieser Theorie, der auch in der aktuellen Debatte um geistiges Eigentum wirksam ist. Es ist daher nötig, sich mit der Historizität von Eigentum ausführli-cher zu beschäftigen." Ist das so? Muss die Geschichtlich*keit* des geistigen Privateigentums bearbeitet, oder muesste Geschichte von geistigem Privateigentum recherchiert werden, die dann zeigen hilft, wie das Muss der 'Erfindung' des geistigen Eigentums zustande kam und kommt? "Dies ist allerdings ein voraussetzungsreiches Unterfangen, da hier elementare epistemologische Schwierigkeiten auftreten. Mit Gadamers Überlegungen zum Zeitenabstand soll problematisiert werden, dass „der Blick zurück" nicht ungetrübt ist von Denkformationen der Gegenwart. Aber auch das Wissen der Gegenwart ist nicht einfach durch das Objekt der Anschauung selbst gegeben, sondern entsteht erst im Kontext spezifischer Formierungs- und Macht-verhältnisse, wie sie in der Foucault'schen Archäologie untersucht wurden (Kapi-tel 5 „Epistemologische Probleme der Untersuchung von Eigentum"). Auf dieser Grundlage werden in Kapitel 6 („Nicht-kapitalistisches Eigentum und historische Produktionsweisen") vorbürgerliche Eigentumsverhältnisse als Folie zur Herausarbeitung der Charakteristiken des bürgerlichen Eigentums diskutiert. Daran anschließend wird mit Hilfe der Marx'schen Eigentumskonzeption, wel-che die angesprochenen epistemologischen Grenzen in einer ganz bestimmten Weise berücksichtigt, die historische Spezifik des bürgerlichen Eigentums entwi-ckelt (Kapitel 7 „Charakteristiken des bürgerlichen Eigentums"). Erst auf der Basis der hier entwickelten Bestimmung des bürgerlichen Eigen-tums ist es möglich, sich der „doppelten Spezifik" des geistigen Eigentums zu widmen: zum einen seiner historisch- spezifischen, nämlich kapitalistischen Ge-stalt, zum anderen - innerhalb der kapitalistischen Ordnung - seiner spezifischen institutionellen Gestalt als nicht einfach Eigentum, sondern als geistiges Eigen-tum. Dieses Doppelte gilt es in der Analyse auseinander zu halten, um herausar-beiten zu können, inwiefern Immaterielles wie geistig-kreative Schöpfung (wie in den Debatten so häufig impliziert) nicht „das ganz andere" ist und inwieweit es als kapitalistische Kategorie aber doch „anders” sein muss (Kapitel 8 „Geistiges Eigentum als Voraussetzung der Warenform für immaterielle Güter"). Im dritten Teil werden „Entwicklungstendenzen im informationellen Kapita-lismus" untersucht. Dabei wird zunächst mit dem bislang erarbeiteten eigentums-theoretischen Instrumentarium die aktuelle Debatte um geistiges Eigentum kri-tisch analysiert und gezeigt, dass sich die einander gegenüberstehenden Argumen-tationsfiguren auf dem gleichen theoretischen Feld bewegen (Kapitel 9 „Kritik der Kritiken am geistigen Eigentum"). Der Kampf zwischen den beiden Seiten trägt letztlich der Herstellung der kapitalistischen Reproduktionsfähigkeit unter den Bedingungen der Informations- und Kommunikationstechnologien bei. Deren konkrete Gestalt bildet den Gegenstand in Kapitel 10 („Copyriot und Copyright: Von der Subversion zur Herausbildung neuer Produktions- und Distributions-formen im informationellen Kapitalismus "). 17" In "Teil I Aneignungskonflikte im Zeitalter des Internet" werden auch bereits die ersten Zweifel am neuen Paradigma der halb-automatisierten Kopfarbeit beschrieben und die erste Referenz erwaehnt: Castells, dessen Megastudie einer "Netzwerkgesellschaft" zum Upgrade des Kapitalismus wird. "1 Der informationelle Kapitalismus Es ist kein Zufall, dass die Debatte um geistiges Eigentum in einer Zeit aktuell wird, in welcher die Rede von der Informations- oder Wissensgesellschaft zum herrschenden Diskurs geworden ist. Die Ablösung der Industriegesellschaft im ausgehenden 20. Jahrhundert wird in dieser Lesart maßgeblich damit begründet, dass Wissen und Informationen zunehmend an Gewicht gewinnen, nicht nur in der Produktion, auch die hergestellten Produkte sollen zunehmend Resultat geis-tiger Schöpfung sein. Schätzungen zufolge soll der Anteil der über Rechte an geistigem Eigentum geschützten Güter am internationalen Handel von früher 10 bis 20% auf über 60 bis 80% in den kommenden Jahren steigen (Seiler 2000: 86). Nach Angaben der International Intellectual Property Alliance (IIPA) ist die Rechteindustrie in den letzten 20 Jahren in den USA mehr als doppelt so schnell gewachsen wie der Rest der Wirtschaft)1. War Sacheigentumsrecht die bestimmen- de Rechtsform in der Industriegesellschaft, gilt nun geistiges Eigentum als in der „Wissensgesellschaft" oder „Informationsgesellschaft" zentrale Rechtsinstitution. Im folgenden soll der Diskurs der Informations- oder Wissensgesellschaft näher betrachtet werden, da seine Entstehung und Verbreitung selbst Indiz der gesell- schaftlichen Veränderungen in den letzten Jahrzehnten ist, die den Kontext des hier zu untersuchenden Gegenstands bilden. Mit einer kritischen Nachzeichnung der Entstehung und Verbreitung des Diskurses will ich mich von dieser Termino-logie abgrenzen und stattdessen in Anlehnung an Castells den Begriff des „informa-tionellen Kapitalismus" verwenden. 1.1 Wissens- und Informationsgesellschaft Die Begriffe Informations- oder Wissensgesellschaft formierten sich im Kielwasser der Entstehung und Verbreitung von Informations- und Kommunikationstech-nologien. Bereits 1971 kam aus einem japanischen Computer-Institut ein Bericht mit dem Titel 'The Plan for Information Society: A National Goal Towards the Year 2000' vor (Kleinsteuber 2003: 17; Mattelart 2003: 91), auch der Futurist Alvin Toffler gab schon 1972 einen Sammelband heraus, der einen Aufsatz mit dem Titel „Die neue Informationsgesellschaft" enthielt (Toffer 1972). Der Autor pro-gnostizierte darin den bereits begonnenen Übergang von der Industriegesellschaft _____________________ 1 „Laut ihres Jahresberichts 2000 trug die gesamte Copyright- Industrie 1999 677,9 Mil-liarden Dollar oder 7,33 Prozent zum Bruttosozialprodukt der USA bei. Gegenüber 1998 stellte dies einen Zuwachs von 9,9 Prozent dar. Sie stellt einen bedeutenden Teil der Arbeitsplätze, produziert mehr Exportgewinne als die Chemie-, Elektronik- oder Autoindustrie" (Grassmuck 2002b: 82). 20" Diese Perspektive ist eine, welche faktische Gewinne eines Sektors vor die Stellung fuer Produktion und Konsumtion stellt. "zur nachindustriellen Gesellschaft (Hayashi 1972: 279). Breite Popularität erhielt diese Bezeichnung schließlich durch den amerikanischen Soziologen Daniel Bell, er hat wenn nicht als erster, so doch nachhaltig den Begriff der postindustriellen Gesellschaft geprägt und diese so benannte Gesellschaft in seinem Buch „The Coming of post-industrial Society" bereits im Jahre 1973 als Informations- bzw. insbesondere Wissensgesellschaft charakterisiert.2 Auch bei Bell spielt die Ent-wicklung von Technologie eine maßgebliche Rolle (Bell 1979: 17). Mit dem Computer als Werkzeug der „intellektuellen Technologie" sei es möglich gewor-den, „die Grundlagen zur `umfassenden Rechenkenntnis' zu legen" (Bell 1979: 45), was zu einem völlig neuen Stellenwert von Wissen führen würde. Dass Wis-sen im gesellschaftlichen Produktionsprozess „bereits die bei weitem wichtigste Rolle"3 (Gorz 2002: 14; 2004b: 9) spiele, ist eine heute weit verbreitete Annahme. Die Begriffe Wissen und Information lassen sich in dieser Allgemeinheit nur schwer bestimmen, insofern versteht sich auch, dass die behauptete zunehmende Wichtigkeit von Wissen und Information höchst unterschiedlich zu belegen ver-sucht wird.4 Bell macht das Wachstum von Wissen zum Beispiel u.a. an der Tat-sache fest, dass die ersten Auflagen der Encyclopaedia Britannica (1745-1785) von ein oder zwei Gelehrten zusammengestellt wurden, während an der Ausgabe von 1967 bereits 10.000 Personen mitwirkten. Seiner Definition zufolge ist Wissen die „Sammlung in sich geordneter Aussagen über Fakten oder Ideen, die ein vernünftiges Urteil oder ein experimentelles Ergebnis zum Ausdruck bringen und anderen durch irgendein Kommunikationsmittel in systematischer Form übermittelt werden" (Bell 1979: 177). Er grenzt damit Wissen von Nachrichten oder Neuigkeiten und Unterhaltung ab. Wissen ist: „neue Urteile (aus Forschung und Wissenschaft) oder neue Darstel-lung älterer Ansichten (in Lehrbüchern und im Unterricht)" (Bell 1979: 177). ____________________ 2 Nach Atzert (in Negri, et al. 1998: 123) setzte die Beschreibung einer postindustriellen Informationsgesellschaft in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren mit Alain Touraine ein („La société post-industrielle", Paris 1969). Touraine spricht aber eher von programmierter Gesellschaft, „wenn er die postindustrielle kennzeichnen will: „Man wird sie programmierte Gesellschaften nennen, wenn man versucht, sie zunächst durch die Natur ihrer Produktionsweise und ihrer Wirtschaftsorganisation zu definieren" (Touraine 1972: 7). 3 Allerdings sind die Gesellschaften der Gegenwart nach Gorz noch weit davon entfernt, Wissensgesellschaften zu sein: „Was bereits heute viele für eine Wissensgesellschaft halten, welche die Gesetze der kapitalistischen Ökonomie außer Kraft setzt, ist bloß die pro- visorische Form eines Kapitalismus, der Wissen als Eigentum privater Firmen behan-delt und wie Sachkapital verwertet” (Gorz 2002: 14). 4 Der Begriff Wissensgesellschaft schillert „in vielen Farben. Eine klare, einfache und übereinstimmende Definition ist nicht auszumachen" (Fücks/Poltermann 2002: 7). 21 Bemerkenswert ist jedoch, für welche konkrete, noch engere Begriffsbestimmung sich Daniel Bell schließlich entscheidet: „Wissen ist das, was objektiv bekannt ist, ein geistiges Eigentum, das mit einem (oder mehreren) Namen verbunden ist und durch ein Copyright oder eine andere Form sozia-ler Anerkennung (z.B. Veröffentlichung) seine Bestätigung erfährt" (Bell 1979: 178). Wissen und geistiges Eigentum sind hier eng aneinander gekoppelt, indem Wis-sen als das, was geistiges Eigentum ist, bestimmt wird. Auch in vorliegender Ar-beit werden die Begriffe Wissen, Information und Daten verwendet. Sie werden hier insofern unterschieden, als dass Wissen mehr ausdrücken soll als „Informa-tion", und „Information" mehr als „Daten". Diese Bestimmung ist allerdings sehr allgemein und muss für die je verschiedenen Bereiche, in denen sie Anwendung finden soll, konkretisiert werden. Nach Müller sind Daten beispielsweise die „sym- bolische Repräsentation von Sachverhalten (zum Beispiel den auf einem digitalen Thermometer ablesbaren Anzeigewert von 25° Celsius)" (Müller zit. n. Capurro 2000). Bei Information hingegen handelt es sich um ein „Bündel von Daten, das in einer propositionalen Struktur zusammengefasst ist. Die Aussage: In München sind es heute, am 27.7.1996 um 13 Uhr, 25 Grad im Schatten ist eine Information im Sinne dieser Definition" (ebd., Herv. SN). Wissen schließlich ist die systema-tische Verknüpfung von Informationen und zwar „dergestalt, daß prognostische oder explanatorische Erklärungen abgegeben werden kön-nen, d.h. sinnvolle Fragen richtig beantwortet werden können (Beispiel: Wenn sich vom Atlantik her ein Tiefausläufer nähert und zugleich kein robuster Hochdruckkem über dem Kontinent besteht, steigt die Wahrscheinlichkeit von Niederschlägen auf 80%.)." (ebd.)5 Die Abstrakta Wissen, Information und Daten werden hier illustriert am Beispiel der Meteorologie. Dies läßt sich meines Erachtens nicht eins zu eins übertragen auf alle Erkenntnisbereiche. Bezogen auf die Sphäre der IuK-Technologien im allgemeinen und auf die digitalen Güter im Besonderen sind Daten die maschi-nenlesbare und bearbeitbare Repräsentation von Information. Daten werden zu einer Information, wenn man sie in einer bestimmten Kombination in einen bestimmten Kontext stellt. Wissen hingegen ist das Wissen, welches den Daten vorausgesetzt ist und zugleich von ihnen repräsentiert wird, welches also bestimmt, wie welche Daten welche Informationen ergeben und wie die Informationen wiederum in einem Kontext zusammenspielen. Wissen interpretiert Daten und Informationen und stellt sie in Bezug, gibt ihnen Bedeutung.6 ____________________ 5 Für weitergehende Überlegungen zur Unterscheidung (vgl. Kuhlen 2002; Capurro 1978; 2000). 6 „Information ist ein notwendiges Medium oder Material für die Bildung von Wissen". Information wird zum Wissen, wenn sie „kontext- und beziehungspezifisch" wird (so Nonaka und Takeuchi zit. n. Capurro 2000). 22" Hier wird somit der klare Bezug hergestellt, dasz Wissen und seine Vorform, die Information, mithin beruhend auf Daten nur auf der Basis von Techniken zu suchen ist. Ali Emas/Matze Schmidt Rezension von Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot_ 8 im n0name newsletter #102 ------------------------------------------------------------------------ 3. Nick. _Roman_ (Fortsetzungsroman) Teil 65 Voellig losgeloest. Der Mini-Audioautomat im Helm begann Liebeslieder zu spielen - mit eingestreuter Werbung fuer die Geldsammelkampagne von Einfach-Laptops fuer Kinder und Arme in den Kolonien. Teil 66 im n0name newsletter #102 ======================================================================== Sie erhalten den n0name newsletter, weil sie da sind!/You get the n0name newsletter, because you are there! *Bitte weiterleiten!/Please forward!* (c) 1999-2007 n0name, die Autorinnen & Autoren und die Maschinen Supported by XPECT MEDIA http://www.xpect-media.de Sponsored by FONDS ------------------- Ende des n0name newsletter #101 --------------------