Tausend zu Eintausend?

Das messbare System waere die Anlage(n)technik



38317 - "1000:1000?" mp3, 134 MB, 58:36



Im Fruehjahr entlaesst SMA mehr als 1000 Arbeiter. Kein Ton/Impuls fuer jeden "Freigesetzten".

Die Leiterin der letzten Documenta setzte im Interview mit der Pressesprecherin der Firma SMA im Jahr 2012 elektrische Energie mit Kunst gleich und mystifizierte Psychisch-Kulturelles zur naiv-idealistischen Identitaet mit Mehrarbeit und physischer Netz-Materialitaet – nach der Logik, Elektrizitaet sei Energie, Kunst sei Energie, also sei Elektrizitaet auch Kunst.

Wie darauf antworten? Mit einem Analogon des falschen Schlusses aus falschen Praemissen (Die Sonne ist gelb, Bananen sind gelb, also ist die Sonne auch Bananen), oder mit der industriellen Frage: Wieviel Impulse in welcher Zeit? Wieviel Masse in welcher Zeit? glitchè (lies: Klitsche) realisierte das mit De-Mixings und Scratching des O-Tons von SMA und Christov-Bakargiev: "Ar(t)-gy" usw.

Waeren die Bananen auch die Sonne, waere alles unkategorial alles, solange der Benenner es will. Das versteht aber diesen Idealismus nur halb, der sich nicht beliebig, sondern gezielt Allgemeinstes zur 'Konstruktion des Diskurses' heraussucht. Wenn Ismen Praktiken sind, wird hier eines mit dem anderen erklaert, jedoch nach Vorgabe des Interesses und vorausgesetzten determinierenden Strukturen, die man nur vorgeblich aufloest (alles ist alles), aber realiter parteiisch bestaetigt (alles ist unser Bestimmtes).

Die Kunst des dematerialisierten Gewinns aus der energetischen Kunst oder kuenstlerischen Energie erscheint drei Jahre spaeter so: Im Jahr 2015 'baut' SMA eintausend 'Stellen ab'. Denn die "deutsche Solarbranche ist im freien Fall". Goodbye Spin-off, goodbye steinerianische Unternehmerin mit innerlichem "Beuys-Hut".

Ein Test wird zeigen, dass keine simple Signifikation nach der Formel "A ist B, C ist B, und darum ist A auch C" bzw. C auch A, die Tatsachen der Austeritaet und Arbeitslosigkeit fuer den Profit aus Mehrwert ueberspringen kann. Kein einzelner abstrakter Ton kann ohne Referenten einen Kontext aufrufen. Kein Arbeitsloser kann Betriebsangehoeriger sein und darum waere ein gespieltes Cis kein Arbeitsloser. Eine solche Zeichensprache funktionierte lediglich im Kopf des (pathologischen?) Phantasmatikers.

Der Signifkant mag an sich leer sein, er steht dennoch in einem nicht allein arbitraeren Gestaltzusammenhang nur herrschender Benennung mit dem Objekt, sondern auch in einem geschichtlichen und genealogischen. Symbolische Zahlen und anthropomorphe Gleichheit und Kerzenketten moegen Verweise auf Reales darstellen, die Gewalt 'steckt' nicht in den kodierenden Worten, sie wird in ihrem Monopol ausgeuebt. Der herrschende Signifikant unterliegt dem herrschenden Benenner und Bestimmer in reziproker Struktur mit dem Signifizierten (hier: Musikalisierten).

Zu beweisen, dass Elektrische Energie keine Kunst sei, kann hierbei der folgsamen Diskursmaschine etablierter Institute ueberlassen bleiben. Auch der Beweis, dass kein Ton ontisch ein aus dem Betrieb Entlassener 'ist', duerfte nicht schwer fallen. Dass etwas fuer etwas anderes stehen kann, faellt schwerer.

Analogien in Form von Zahlenmystifikationen bieten sich an in der Machart vereinfachender Gedenkstaettenaufrechnerei und scheitern an echten Zahlen in echten Dokumenten unter Realitatesverlust.

Die zivilgesellschaftliche Form der sozialen Kritik, die Satire,
soll alles duerfen, die Statistik muss alles bieten und die Polizei schuetzt alle gouvernementalen Zahlen des kaltmachenden Durchschnitts, dessen 'Ausdruck' in die Millionen geht, "nicht erst nach 1945" (wie manche sich von der Geschichte der Naziherrschaft im reinen Eigennamen absetzen). Warum also nicht die genaue Zahl der zu Entlassenden, warum nur die symbolische?

Das Problem ist aus der Programmmusik bekannt: Diese und jene Folge von Ton- und Klangzusammenhaengen soll dieses oder jenes be-deuten. In der Wagnerischen Oper werden Musik, Sprache und Handlung zum lesbaren textuellen Gefauege fuer die in die 'reine' Lesehaltung gezwungenen Rezipienten, welche die Gewaehr der Aufnahme der Inhalte abgeben. Interpretation ist klar geregelt und auf der Hoehe der Kontent-Injektion.

1:1 soll dann jeder Ton/Impuls fuer einen Entlassenen stehen. Wort als Abstraktion zum Begriff und hoerbare Einheit symbolistischer Mimesis koennten nicht weiter voneinander entfernt liegen. Die symbolistische Mimesis des fuer etwas stehenden Tons kann nur wegen der Abstraktion zum Begriff eine hoerbare Einheit zum Bedeutungstraeger werden lassen. Frei besetzbar ist dieser konventionierte 'Traeger' allein im jeweiligen Jargon des Dispositifs, oder alles ist Jargon.

Die Frage waere, wie sich Jargon und Gewaltpotenz zur Gewalt verbinden lassen, wenn hier richtig aufgeloest wurde. "Musik" muesste zuerst vielleicht gegebene Einheiten vorlegen und 'richtig' aufloesen – ein anderes Wort dafuer waere Dekonstruktion – und objektbeziehen, also darstellen – ein anderes Wort dafuer waere Editieren. Und die Bedingungen fuer dieses Herausgeben waere dessen Thema.

So darf es aber die staatlich gefoerderte Klangkunst nicht erzaehlen, die den Referenten und die Konditionen auf die Bearbeitung und Demonstration von Konditionen und Konstruktionsmoeglichkeiten von Konditionen in der bricolage von Heideggerianischen "Gestellen" im Modus eines medialistischen Materialismus beschraenkt.

Beschraenkt sich analog dazu moderne Klangproduktion auf die (vor-)entschiedene Frage der als (linguistisch) nur vor der "parole" <Sprech-Sprache> missverstandenen Nichtsprachlichkeit musikalischer Organisationsformierungen in ihrer Form (Improvisation, Echtzeit, ad hoc-Komposition usw.), entgeht ihr das schon Platzierte im Thema als Aushandlung der "langue" und dem was ausserhalb ihres verwalteten Sektors oder so genannten Systems liegt.

Nicht selbstverstaendlich, sondern nach zu kritisierender sozialer Konvention, koennen eintausend Impulse weder 1000 Entlassende noch irgendetwas anderes repraesentieren. Von repraesentatorischem Sound abgesehen, muesste vorgegebene langue <Sprache als Grundbedingung> aufs Thema hin und den Abstand der Klaenge zur real stattfindenden Verfuegung ueber Arbeitskraft untersucht werden, auch, um Deutungshoheiten zu faellen.

Wer glaubt den 'richtigen' Sound gefunden zu haben, ohne "unauthentische" Effekte, die jedoch nur einen anderen Modus der Bearbeitung des Signals darstellen, wer im Unmittelbaren oder 'seinem Klang' aufgehen moechte, duerfte sich fragen, ob er etwas wahres im Verkehrten der Modalitaeten sucht, wenn Technisches das Eigene und das Rennen das Zusammen oktroyiert. Kommt es darauf an politischen Sound zu machen oder Sound zu politisieren, verbleiben beide Strategien im Summarischen. Der Spieler muss sich ueberlegen, fuer wen er was 'live' spielt und generativierend entwirft.

"Ain't gonna play" Documenta "!"

 
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